Politik

Studie warnt vor 500.000 unbesetzten Stellen in der Pflege 2030

Montag, 19. November 2012

Gütersloh – 50 Prozent mehr Pflegebedürftige und 500.000 unbesetzte Stellen in der Pflege prognostiziert der Pflegereport 2030 der Bertelsmann Stiftung. Waren im Dezember 2009 in Deutschland 2,34 Millionen Menschen im Sinne der Pflegever­sicherung pflegebedürftig, werde sich die Zahl der Pflegebedürftigen bis ins Jahr 2030 auf 3,4 Millionen und bis 2050 auf 4,5 Millionen erhöhen, so der Report. Er setzt den aus diesen Daten abgeleiteten Personalbedarf in der Pflege in Beziehung zum prognos­tizierten Personalangebot für das Jahr 2030.

„Der drohende Pflegenotstand ist längst bekannt; die Reaktionen reichen jedoch von schlichter Panikmache bis hin zur Vogel-Strauß-Haltung“, sagte Brigitte Mohn, Vorstands­mitglied der Bertelsmann Stiftung, bei der Vorstellung des Pflegereports in Berlin. Die Stiftung wolle mit dem Pflegereport Bevölkerung und Politik auf die Anfor­derungen vorbereiten, die Demografie und Pflegekräftemangel bedeuten, sagte sie.

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Dabei sei die Situation für die einzelnen Bundesländer und vor allem auf kommunaler Ebene sehr unterschiedlich. So weisen die Modellrechnungen für den Stadtstaat Bremen im Zeitraum von 2009 bis 2030 ein Wachstum der Zahl der Pflegebedürftigen von 28 Prozent aus, während die Wachstumsrate für Mecklenburg-Vorpommern mit 56 Prozent annähernd doppelt und für Brandenburg mit 72 Prozent sogar mehr als 2,5-mal so hoch ist.

Im Vergleich zum bundesweiten Anstieg der Fallzahlen von durchschnittlich 47 Prozent ergaben sich erhebliche Steigerungen außerdem für Berlin (56 Prozent), Bayern (54 Prozent), Schleswig-Holstein (54 Prozent) und Baden-Württemberg (54 Prozent). Auf der kommunalen Ebene sind die Unterschiede noch ausgeprägter: Hier reichen die Steigerungsraten von knapp 14 Prozent (Landkreis Goslar) bis zu mehr als 100 Prozent (Landkreis München, Landkreis Oberhavel), wobei die Dynamik laut den Bertelsmann-Statistikern fast ausschließlich von der Altersstruktur in der jeweiligen Kommune abhängt.

„Zukünftig werden die notwendigen Leistungen in der Pflege von professionellen Kräften allein nicht zu erbringen sein“, sagte Mohn. Nötig sei eine Vernetzung aller verantwort­lichen Personen und Institutionen, von der Stadtplanung über Wohnungsbau­gesell­schaften, Pflegekassen bis hin zu Leistungsanbietern. „Wir brauchen darüber hinaus eine Mobilisierung der Zivilgesellschaft, um die Chancen des längeren und gesünderen Lebens für die Bewältigung der demographischen Risiken zu nutzen“, so Mohn weiter. 

Pflegekräfte aus Spanien
Mit einer neuen Initiative versucht das Land Hessen gegen den Pflegenotstand gegen­zusteuern: Die Staatssekretärin im Hessischen Sozialministerium, Petra Müller-Klepper (CDU), wird morgen in Madrid die von der Zentralen Auslands- und Fachver­mittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit organisierte Jobbörse „Gesundheitswesen“ eröffnen, auf der Fachkräfte für die Altenpflege in Hessen angeworben werden sollen.

„Damit werden wichtige Weichen gestellt, um dem Fachkräftemangel im Pflegebereich entgegen zu wirken und zu einer Entlastung der Pflegenden sowohl im stationären als auch im häuslichen Bereich beizutragen“, hob Staatssekretärin Müller-Klepper hervor.

Die Hessische Landesregierung initiiert dieses Modellprojekt gemeinsam mit der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit, dem Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste Landesgruppe Hessen (bpa) und der Liga der freien Wohlfahrtspflege. Zu der Jobbörse eingeladen sind knapp 300 Bewerber aus der Region Madrid. Aus Hessen nehmen etwa 30 Vertreter von Einrichtungen der Altenpflege teil. © hil/aerzteblatt.de

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