Politik

Ärzte und Greenpeace gegen kommerzielle Nutzung von Embryonen

Mittwoch, 21. November 2012

Berlin – Embryonale Stammzellen dürfen auch im frühesten Stadium ihrer Entwicklung nicht patentierbar sein. Das bekräftigten Bundesärztekammer und Greenpeace erneut. Grund dafür ist die für kommende Woche erwartete Grundsatzentscheidung des Bundesgerichtshofes. Dieser wird am 27. November über die Zulässigkeit von Patenten auf embryonale Stammzellen in Deutschland entscheiden. Auslöser des Verfahrens ist ein Patentstreit zwischen Greenpeace und dem Stammzellforscher Oliver Brüstle, der 1997 ein Patent auf nervliche Vorläuferzellen einreichte.

„Embryonale Stammzellen dürfen niemals als kommerzielles Erzeugnis verwertet werden. Man würde menschliche Embryonen als banales Ausgangsmaterial benutzen, wenn man Erfindungen zuließe, die embryonale Stammzellen verwenden“, erklärte Bundesärzte­kammer-Präsident Frank Ulrich Montgomery heute in Berlin.  Dass man einen solchen Verstoß gegen die ethischen Grundwerte nicht zulassen dürfe, verlange schon die Achtung vor dem menschlichen Leben als solches.

Anzeige

Montgomery zufolge gehe es nicht darum, Forschung zu verhindern, sondern darum, rechtliche Grenzen zu setzen, um ethische Werte zu wahren. Nach wie vor gebe es kein Verfahren mit dem embryonale Stammzellen gewonnen werden können, ohne die Integrität und Entwicklungsfähigkeit des Embryos zu zerstören. In diesem Zusammenhang verwies der Präsident auf ethisch vertretbare Forschung mit adulten Stammzellen oder Stammzellen aus Nabelschnurblut, die bislang größere Erfolge erzielt hätte als die Forschung mit embryonalen Stammzellen.

Bereits 2011 hatte der Europäische Gerichtshof in Auslegung der Bio-Patentrichtlinie entschieden, dass eine Erfindung nicht patentierbar ist, wenn die Anwendung des Verfahrens die vorgehende Zerstörung menschlicher Embryonen oder deren Verwendung als Ausgangsmaterial erfordert. Brüstle hatte dagegen Revision eingelegt. „Die Anwälte des Patentinhabers versuchen im Verfahren das Urteil des EUGH mit Scheinargumenten zu unterlaufen, erläuterte Christoph Then, Berater von Greenpeace.

Brüstle plädiere darauf, dass eine Zellentnahme ohne Zerstörung des Embryos gewährleistet sei beziehungsweise, dass nur vorgeschädigte Embryonen verwendet würden, die ohnehin nicht entwicklungsfähig seien, erklärte Then. „ Der BGH steht jetzt vor der Aufgabe, das Urteil des EUGH so umzusetzen, dass keine unzulässigen Schlupflöcher entstehen.“

Die Europäischen Patentgesetze verbieten Greenpeace zufolge ganz deutlich Patente auf die kommerzielle Nutzung menschlicher Embryonen. Damit verstoße das Patent DE 19756864 gegen dieses Verbot, weil in ihm unter anderem vorgeschlagen werde, menschliche Embryonen für die Herstellung von Stammzellen erst zu klonen, um diesen dann die gewünschten Stammzellen zu entnehmen, argumentiert die Organisation.  /ER © ER/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Politik

Nachrichten zum Thema

18.11.16
Limbo-Keratoplastik: Frischzellenkur für Augen-Hornhaut
Freiburg – Eine kombinierte Transplantation von Spenderhornhaut mit passenden Stammzellen lässt Patienten mit schweren Schädigungen der Augenoberfläche wieder sehen. Dass konnten Forscher des......
21.10.16
Knorpelzellen aus der Nase decken Schäden im Kniegelenk
Basel – Autologe Transplantate, die im Labor aus wenigen Zellen der Nasenscheidewand gezüchtet wurden, haben in einer ersten klinischen Studie im Lancet (2016; 388: 1985-94) neun von zehn Patienten......
23.08.16
Schlaganfall: Stammzelltherapie bei Mäusen erfolgreich
Los Angeles - Die Kombination einer Stammzelltherapie mit Infusionen des Proteins 3K3A-APC, das das Absterben der transplantierten Zellen verhindern soll, hat bei Mäusen die Erholung nach einem......
11.07.16
Leverkusen – 60 Prozent der Bundesbürger sind prinzipiell zu einer Stammzellenspende bereit, doch nur knapp die Hälfte der potenziellen Spender hat sich bislang der dafür notwendigen Typisierung......
27.06.16
Vor der Zulassung: Suizidale T-Zellen verhindern Graft-Versus-Host-Reak­tion
London – Die europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat sich für die Zulassung einer Gentherapie ausgesprochen, die T-Zellen vor einer haploidentischen Stammzelltherapie im Labor mit einem Suizid-Gen......
10.06.16
Stammzelltherapie verspricht riskante Heilung einer aggressiven Multiplen Sklerose
Ottawa – Eine Immunablation gefolgt von einer autologen Stammzelltransplantation hat in einer Behandlungsserie 23 Patienten im Frühstadium einer sehr aggressiven Multiplen Sklerose langfristig vor......
03.06.16
Empfänger von Stammzell­transplantationen altern schneller
Birmingham – Erwachsene Empfänger von hämatopoetischen Stammzelltransplantationen waren in einer US-Kohorte weniger als zehn Jahre nach der Behandlung deutlich schneller gealtert als ihre Geschwister.......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige