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Parkinson: Neue Kernspin-Bildgebung zeigt frühe Veränderungen

Dienstag, 27. November 2012

Boston – Durch die Kombination mehrerer Bildgebungen bei der Kernspintomographie ist es US-Medizinern erstmals gelungen, die Substantia nigra im Mittelhirn beim lebenden Patienten detailliert abzubilden. Ihre Publikation in den Archives of Neurology (2012; doi: 10.1001/jamaneurol.2013.597) zeigt, wie sich die Erkrankung im Gehirn ausbreitet und belegt nebenbei die Hypothese eines deutschen Pathologen.

Der Zelluntergang in der Pars compacta der Substantia nigra ist das wichtigste Kennzeichen des Morbus Parkinson, doch die pathologischen Veränderungen sind nicht auf diese eng umschriebene Region des Gehirns beschränkt. Im weiteren Verlauf der Erkrankung kommt es in weiten Regionen des Hirnstamms zur Bildung der für die Erkrankung charakteristischen Lewy-Körperchen. Schließlich wird auch das basale Vorderhirn von der Degeneration erfasst.

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Im Jahr 2003 hatte der heute emeritierte Frankfurter Neuropathologe Heiko Braak die Erkrankung aufgrund sorgfältiger histologischer Untersuchungen in sechs Stadien eingeteilt. Danach beginnt die Erkrankung in der Medulla oblongata und schreitet dann rostralwärts voran. Sie erreicht im Stadium 3 die Substantia nigra und erst in den Spätstadien den Neocortex. Die Einteilung ist umstritten, obwohl sie das klinische Bild der Erkrankung gut widerspiegelt. Das Parkinson-Syndrom wird bei den meisten Patienten anfangs dominiert von den Bewegungsstörungen, erst im späteren Verlauf kommt es bei vielen, aber nicht allen Patienten auch zu kognitiven und psychiatrischen Störungen.

Das Team um Suzanne Corkin vom Massachusetts Institute of Technology in Boston kann Braakes Theorie jetzt (wenigstens für die späteren Stadien) bestätigen. Die neue Bildgebung kombiniert vier verschiedene Bildgebungen der Kernspintomographie, die der Computer zu einer Abbildung zusammensetzt. Für die Studie wurden 29 Patienten mit idiopathischer Parkinson-Erkrankung in den klinischen Stadien 1 bis 3 nach Hoehn und Yahr (H&Y) und 27 altersgleiche Gesunde mit einem gewöhnlichen Kernspintomographen (3 Tesla) untersucht.

Die Aufnahmen zeigen, dass es bereits im H&Y-Stadium I zu einem Volumenrückgang in der Substantia nigra kommt, der sich in den H&Y-Stadien 2 und 3 fortsetzt. Die Veränderungen im basalen Vorderhirn setzen auf den von Corkin vorgestellten Bildern dagegen erst in den H&Y-Stadien 2 und 3 ein.

Das Fortschreiten der Erkrankung hat Auswirkungen auf die Therapie. Die Substitution mit L-DOPA kann zwar den Neurotransmittermangel in der Substantia nigra beheben. Es bessert vor allem die motorischen Störungen. Im basalen Vorderhirn kommt es jedoch zum Untergang von cholinergen Neuronen. Die dadurch ausgelösten Störungen in Kognition und Gedächtnis sprechen auf eine Therapie mit L-DOPA nicht mehr an.

Es erkranken allerdings nicht alle Parkinson-Patienten an einer Demenz. Der Unterschied dürfte in der unterschiedlichen Ausbreitung der Erkrankung im Gehirn zu suchen sein, die dank der neuen kernspintomographischen Methode jetzt erstmals sichtbar gemacht werden kann. © rme/aerzteblatt.de

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