Politik

Stammzellurteil: Gemischte Reaktionen

Mittwoch, 28. November 2012

Bonn – Das Urteil des Bundesgerichtshofs zu Patenten mit embryonalen Stammzellen hat gemischte Reaktionen hervorgerufen. Die Entscheidung des BGH stärke die ethischen Grenzen im Patentrecht, erklärte die Umweltschutzorganisation Greenpeace am Dienstag. Sie hatte in Karlsruhe gegen ein Patent des Bonner Stammzellforschers Oliver Brüstle geklagt. „Es ist zu erwarten, dass in Zukunft stärker in ethisch unbedenkliche Verfahren investiert wird, um Stammzellen zu gewinnen. Patienten, Ärzte und Stammzell­forscher sollten gleichermaßen daran interessiert sein, dass die notwendigen ethischen Grenzen im Patentrecht gewahrt bleiben.“

Zugleich betonte die Organisation, dass mit dem Urteil nicht alle rechtlichen Fragen endgültig geklärt seien. Greenpeace-Experte Christoph Then sagte, das Urteil lasse nach erster Interpretation Wege offen, um Patente auf embryonale Stammzellen zu erteilen. Das gelte möglicherweise für abgetriebene Embryonen. Erst die künftige Rechtsprechung werde zeigen, welche Auswirkungen das Urteil genau habe.

Anzeige

Brüstle zeigte sich in Karlsruhe mit dem Urteil zufrieden; es habe Rechtsklarheit geschaffen. Es gebe inzwischen genügend wissenschaftliche Wege, um Stammzellen zu gewinnen, ohne Embryonen zu zerstören. Der CDU-Bioethik-Experte im Europa­parla­ment, Peter Liese, bestritt dies. Nach heutigem Stand der Technik sei es unvermeidlich, zur Gewinnung menschlicher embryonaler Stammzellen Embryonen zu zerstören. Der Bundesgerichtshof habe klar entschieden, dass Produkte aus menschlichen embryo­nalen Stammzellen nicht patentiert werden dürften, sofern dafür menschliche Embryonen zerstört werden müssten.

Die katholische Kirche begrüßte das Urteil des Bundesgerichtshofs grundsätzlich, übte aber zugleich Kritik an Aspekten des Richterspruchs. Die Entscheidung setze „ein Signal für den Schutz des Lebens“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch.

Deutliche Kritik äußerte Zollitsch an der Entscheidung der Richter, dass der Patentschutz bestehen bleibe, soweit menschliche embryonale Stammzellen durch andere Methoden gewonnen werden. Dies sei ethisch nicht zu rechtfertigen, so der Freiburger Erzbischof. „Menschliches Leben darf in keiner Weise patentiert werden.“ © kna/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Politik

Nachrichten zum Thema

11.07.16
Leverkusen – 60 Prozent der Bundesbürger sind prinzipiell zu einer Stammzellenspende bereit, doch nur knapp die Hälfte der potenziellen Spender hat sich bislang der dafür notwendigen Typisierung......
27.06.16
Vor der Zulassung: Suizidale T-Zellen verhindern Graft-Versus-Host-Reak­tion
London – Die europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat sich für die Zulassung einer Gentherapie ausgesprochen, die T-Zellen vor einer haploidentischen Stammzelltherapie im Labor mit einem Suizid-Gen......
10.06.16
Stammzelltherapie verspricht riskante Heilung einer aggressiven Multiplen Sklerose
Ottawa – Eine Immunablation gefolgt von einer autologen Stammzelltransplantation hat in einer Behandlungsserie 23 Patienten im Frühstadium einer sehr aggressiven Multiplen Sklerose langfristig vor......
03.06.16
Empfänger von Stammzell­transplantationen altern schneller
Birmingham – Erwachsene Empfänger von hämatopoetischen Stammzelltransplantationen waren in einer US-Kohorte weniger als zehn Jahre nach der Behandlung deutlich schneller gealtert als ihre Geschwister.......
18.05.16
Stammzell­transplantation: Einige Breitband-­Antibiotika verursachen tödliche Komplikationen nach GvHD
Nicht jedes Breitband-Antibiotika ist für Patienten, die eine allogene hämatopoetische Zelltransplantation (allo-HSCT) erhalten haben geeignet. Einige, die das Mikrobiom aus dem Gleichgewicht bringen,......
06.05.16
Morbus Parkinson: Transplantierte Zellen überlebten 25 Jahre
Lund – Embryonale Stammzellen können nach einer Transplantation im Gehirn langfristig überleben. Bei einem Patienten mit Morbus Parkinson, der vor 25 Jahren an einer klinischen Studie in Schweden......
13.04.16
Diabetes: Beta-Zellen aus der Speckrolle
Basel – Die Lösung für den Insulinmangel von Diabetikern könnte im subkutanen Fettgewebe zu finden sein. Schweizer Forschern ist es gelungen, Stammzellen aus Fettzellen einer 50-jährigen Testperson zu......

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige