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Pflegefall in der Familie: Frauen tragen die Hauptlast

Dienstag, 4. Dezember 2012

Berlin – Zehn Millionen Deutsche haben einer neuen Studie zufolge einen Pflegefall in der Familie. Bis 2022 könnte sich diese Zahl nahezu verdreifachen. Vor allem für die Frauen dürfte die Belastung noch weiter steigen. Jeder Vierte geht in der Umfrage des Instituts Allensbach im Auftrag der R+V-Versicherungen davon aus, dass in den kommenden fünf bis zehn Jahren ein Angehöriger pflegebedürftig wird. Somit könnten bis dahin 27 Millionen Deutsche einen Pflegefall in der Familie haben.

62 Prozent der Umfrageteilnehmer kümmern sich selbst um die Betreuung. Zwei Drittel der Pflegenden seien weiblich, sagte die Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach, Renate Köcher. Bei den Frauen liege die Hauptlast, „auch dort, wo Männer unterstützend eingreifen".

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Nach Angaben des Gesundheitsministeriums beziehen derzeit 2,46 Millionen Menschen Leistungen aus der Pflegeversicherung. In zehn Jahren ist nach offiziellen Schätzungen eine Steigerung auf 3,4 Millionen Fälle zu erwarten.

Frauen doppelt betroffen
„Das Thema Pflege ist eine tickende Zeitbombe und hat eine genauso große Sprengkraft wie das viel diskutierte Thema Altersarmut", sagte Tillmann Lukosch, Vorstandsmitglied der R+V-Krankenversicherung. Frauen seien doppelt betroffen, als Pflegende und – wegen ihrer höheren Lebenserwartung – auch als Pflegebedürftige. An der repräsen­tativen Studie beteiligten sich 1.558 Bundesbürger ab 16 Jahren. Zudem wurden 539 Frauen befragt, die bereits Familienangehörige pflegen oder in den nächsten Jahren damit rechnen.

Die Hälfte der Frauen widmet sich demnach länger als drei Jahre und täglich mehr als drei Stunden ihren pflegebedürftigen Angehörigen. Auch mehr als jede dritte berufs­tätige Frau (37 Prozent) bringt dieses Pensum auf. Die „typische Pflegende" ist demnach 61 Jahre alt, verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder, ist nicht berufstätig und pflegt bereits seit mehr als drei Jahren. Derzeit sind nur 42 Prozent der Frauen, die Angehörige pflegen, überhaupt berufstätig und dann meist in Teilzeit. Immerhin jede Achte betreut einen sehr schweren Pflegefall.

Die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf beurteilten drei Viertel der Frauen als „nicht so gut”. 60 Prozent wünschen sich hier dringend Verbesserungen. 78 Prozent sehen den Staat in der Verantwortung, 55 Prozent hoffen auf mehr Entgegenkommen ihrer Arbeitgeber.

Auch wenn 64 Prozent der Frauen Unterstützung durch andere Familienmitglieder oder einen Pflegedienst erhalten: Jede Vierte kümmert sich nach eigenen Angaben um fast alles selbst, 40 Prozent erledigen den Hauptteil der Arbeit. 70 Prozent der Frauen fühlen sich dadurch in ihrem Alltag häufiger eingeschränkt, zwei Drittel belastet die Pflege psychisch stark oder sogar sehr stark. Vor allem ältere Frauen hätten Angst, dass sie die Situation künftig überfordere, sagte Köcher.

Private Vorsorge ist selten
Die meisten befragten Frauen, die demnächst mit einem Pflegefall in der Familie rechnen, wollen auf Erspartes zurückgreifen. Auf das Geld des Pflegebedürftigen setzen dabei 61 Prozent, auf das eigene Sparbuch 34 Prozent. Immerhin noch ein Viertel (25 Prozent) will weitere Familienangehörige zur Kasse bitten. Rund ein Drittel (32 Prozent) rechnet damit, sich wegen der Pflegekosten finanziell einschränken zu müssen.

Private Vorsorge ist noch kaum verbreitet. Zwar ist knapp ein Viertel (23 Prozent) der Befragten überzeugt, eine private Zusatzversicherung abgeschlossen zu haben. Doch der Studie zufolge dürfte es sich dabei meist um die gesetzliche Pflegeversicherung handeln. Nach Angaben des Verbandes der privaten Krankenversicherung hätten nämlich erst rund zwei Prozent der Bundesbürger tatsächlich eine private Pflegezusatzversicherung, erklärte die R+V-Versicherung. © dapd/aerzteblatt.de

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