Politik

Rotes Kreuz gegen bezahlte Blutspenden

Freitag, 7. Dezember 2012

Hagen/Mainz – Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) geht rechtlich gegen bezahlte Blut­spenden vor. Durch sie werde ein „Nebenjob Blutspender” geschaffen, sagte der Geschäftsführer des DRK-Blutspendedienstes West, Jürgen Bux, in Hagen. Während das DRK Blutspenden bei mobilen Aktionen nicht entlohne, zahlten einige Spende­dienste eine Aufwandsentschädigung. Diese werde häufig pauschal abgegeben und vom Spender als Bezahlung empfunden.

Das Rote Kreuz hatte gegen die Mainzer Universitätsmedizin geklagt, die pro Blutspende eine Aufwandspauschale von 26 Euro zahlt. Laut Klageschrift begründete das DRK sein Vorgehen auch mit wirtschaftlichen Aspekten und sah sich gegenüber der Uniklinik im Nachteil. Die Blutspendedienste verkaufen ihre Blutkonserven an nationale und interna­tionale Abnehmer wie Kliniken. Das Verwaltungsgericht in Mainz wies die Klage zurück. „Wir behalten uns vor, in die nächste Instanz zu gehen”, kündigte Bux an. Denn werde eine Spende bezahlt, wäre es ja keine Spende mehr, argumentierte er.

Außerdem könnten Risikospender wie Drogenabhängige, die sich ihren Konsum finanzieren müssten, angezogen werden, warnte Bux. Da das Blut nicht auf alle möglichen Erreger untersucht werden könne und frische Infektionen erst nach einiger Zeit nachzuweisen seien, sei dies besonders problematisch. „Da hoffen wir auf die Ehrlichkeit der Spender", sagte Bux, der zugleich stellvertretender Vorsitzender der deutschen Arbeitsgemeinschaft der DRK-Blutspendedienste ist.

Anzeige

„Geld sollte kein Anreiz zur Blutspende sein"
Die Bezahlung von Blutspenden sei aber auch eine ethische Frage. „Geld sollte kein Anreiz zur Blutspende sein”, betonte Bux. Weltweit sei die unentgeltliche Spende die Grundform der Blutspende. Würde diese vergütet, könnte man auch fragen: „Wären Sie bereit, für einen Betrag X eine Niere zu spenden", meinte Bux. Durch diese Entloh­nungs­praxis werde die „Kultur des unentgeltlichen Blutspendens", die sich in Deutschland etabliert habe, gefährdet.

Dabei sei Medizin ohne die Blutspenden gar nicht möglich, sagte Bux. Besonders für die Krebstherapie und bei schweren Unfällen werde viel Blut gebraucht. „Wir müssen auch für das Thema Blutspenden Werbung machen”, betonte der Geschäftsführer. Denn nur rund drei Prozent der Bevölkerung spendeten Blut. 2011 habe das DRK gut 3,9 Millionen Vollblutspenden bekommen. Das sei zwar zufriedenstellend, dennoch sollte die Spendebereitschaft um ein bis zwei Prozent steigen.

Typische Phasen, in denen weniger gespendet werde, seien vor allem die Ferien oder die Adventszeit. „Viele Menschen sind dann mit Vorbereitungen und Einkäufen beschäftigt und bedenken nicht, dass vor allem im Winter und natürlich auch über die Feiertage viele Unfälle passieren”, sagte Bux. © dapd/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Andreas Skrziepietz
am Montag, 10. Dezember 2012, 14:45

DRK-Kliniken

Ich kenne mich zwar nicht wirklich aus, aber man hört ja manchmal was: stimmt bes, daß in den drk-kliniken sehr schlechte arbeitsbedingungen herrschen und auch gerne mal nicht korrekt abgerechnet wird (z.b. drk-kliniken berlin)?
gerngesund
am Montag, 10. Dezember 2012, 11:46

Gibt es Gefahren bei bezahlten Spenden?

Die entscheidende Frage ist doch nicht, ob das DRK an den Spenden etwas "verdient" (die hauptamtlichen Kräfte, die zur ordnungsgemäßen Durchführung bei der Blutabnahme nötig sind, müssen ja auch irgendwie bezahlt werden - wie sieht nach Abzug dieser Kosten der "Verdienst" aus?), sondern ob durch die "Aufwandsentschädigung" an Kliniken ("verdienen" die nicht auch an den Spenden, nachdem sie aufbereitet wurden, wenn die Konserven/Präparate den Krankenkassen der Empfänger in Rechnung gestellt werden?) falsche Anreize gesetzt werden, durch die eigentlich auszuschließende Risikogruppen Spenden abgeben können.

Wenn ich bei einer ehrenamtlichen Spende nach einer ehrlichen Selbstauskunft begründet zurückgewiesen werde, hole ich mir mein belegtes Brötchen ab und gut ist. Wenn ich die 26 Euro für die nächste Spende fest eingeplant habe, und mir dieser Betrag im Budget absolut fehlt, sieht es mit der ehrlichen Selbstauskunft schon wieder ganz anders aus.

Die spannende und dringend zu beantwortende Frage lautet doch: Können die Kliniken und auch Privatanbieter von Blut oder Plasmaspenden die Spende zurückzuweisender Spender ausschließen? Sind in der Vergangenheit Infektionen (mit welchem Ausgang) aufgetreten, die auf solche vergüteten Spenden zurück zu führen sind?
Ist das jemals untersucht worden? Wenn Nein, warum nicht? Wenn ja, mit welchem Ergebnis?
Brech
am Montag, 10. Dezember 2012, 10:39

Bezahlte Blutspenden

Dann soll das Rote Kreuz doch die Spenden auch wieder kostenlos abgeben, aber das tutes natürlich nicht, weil es ja unheimlich viel Geld damit verdient. Oder sie könnten als Dienst an der Menschheit das Verfallsdatum wieder verlängern, damit nicht nicht so viele Konserven weggeschissen werden müssen, die dann beim DRK wieder teuer nachbestellt werden müssen.
Diese scheinheiligen Gangster!
TRIAS
am Samstag, 8. Dezember 2012, 18:00

Zum Artikel: Rotes Kreuz gegen bezahlte Blutspenden

Nach mehrfachen Durchlesen dieses Artikels kann ich Herrn Bux nur empfehlen, dass er sich den Unterschied zwischen einer "Spende" resp. "Nebenjob Blutspende" und einer Aufwandsentschädigung bzw. -pauschale erklären lassen sollte.
In Blutbanken (z.B. München) ist eine solche Aufwandsentschädigung seit über 30 Jahren usus.
Außerdem stelle ich mir die Frage, wieviel denn das Rote Kreuz an den für sie "kostenlosen" Blutkonserven "verdient", die sie an entsprechende Institute und Krankenhäuser verkauft.

H. Hofmann

H. Hofmann
TRIAS
am Samstag, 8. Dezember 2012, 17:50

Zum Artikel: Rotes Kreuz gegen bezahlte Blutspenden

Nach mehrfachen Durchlesen dieses Artikels kann ich nur eine empfehlung aussprechen, nämlich die, dass Herrn Bux erklärt werden sollte, was der Unterschied zwischen einer "Spende" resp. "Nebenjob Blutspende" und einer Aufwandsentschädigung bzw. -pauschale ist.

In Blutbanken (z.B. München) ist eine solche Aufwandsentschädigung seit über 30 Jahren usus.
Außerdem stelle ich mir die Frage, was und wieviel denn das Rote Kreuz an den für sie "kostenlosen" Blutkonserven "verdient", die sie an entsprechende Institute und Krankenhäuser verkauft.
Das sollte sich Herr Bux auch mal fragen.

H. Hofmann
5.000 News Politik

Nachrichten zum Thema

22.08.16
Griechenland: Blutspende in 12 Regionen wegen Malaria gestoppt
Athen – In Griechenland treten seit 2009 immer wieder vereinzelt Malaria-Erkrankungen auf, die nicht auf eine Reise in Endemie-Länder zurückgeführt werden können. Nach vier derartigen autochthonen......
21.06.16
Blutspendeverbot: Gröhe offen für Lockerung
Berlin – Das Blutspendeverbot für Homosexuelle könnte fallen: Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) zeigte sich offen für eine Lockerung der bestehenden Regeln. Es müsse überprüft werden, ob......
13.06.16
Aufklärung und Motivation zum Blutspenden bleiben wichtig
Berlin – Viele Menschen in Deutschland sind Blutspender. Aufklärung und Motivation sind aber weiterhin wichtig, damit auch in Zukunft genügend Blutkonserven zur Verfügung stehen. Das zeigt eine neue......
10.05.16
Blutspenden: Erste Engpässe in Kliniken
Springe/Dresden – In Deutschland kommt es an manchen Orten zu einem Mangel an Blutkonserven. Wegen eines dramatisch gesunkenen Blutspendenaufkommens sei die Versorgung mit den Blutgruppen „0 Rhesus......
03.03.16
Leipzig – Der Vorrat an Blutkonserven hat sich am Universitätsklinikum Leipzig (UKL) stark verringert. Zurückzuführen sei dies auf vermehrten Bedarf der Klinik sowie den traditionellen Spendenrückgang......
17.02.16
Zikavirus: FDA schließt Risikopersonen von Blutspenden aus
Silver Spring – Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat Leitlinien zur Vermeidung einer Übertragung von Zikaviren durch Vollblutspenden oder Blutprodukten veröffentlicht. Die Blutbanken dürfen keine......
22.12.15
USA erlaubt (sexuell enthaltsamen) MSM die Blutspende
Silver Spring – Die US-amerikanische Kontrollbehörde FDA will künftig Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), grundsätzlich zur Blutspende zulassen, knüpft die Teilnahme aber an eine mindestens......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige