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Alkoholismus: Grünes Licht für Anti-Craving-Mittel

Freitag, 14. Dezember 2012

London – Mit Nalmefen steht demnächst erstmals ein Medikament zur Behandlung der Alkoholkrankheit zur Verfügung, das nicht die Abstinenz zum Ziel hat. Der Ausschuss für Humanarzneimittel der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) hat die Zulassung befürwortet, weil der Opiatantagonist in klinischen Studien einen hohem Alkoholkonsum deutlich vermindert hat. Eine Zulassung durch die Europäische Kommission wird für die nächsten Monate erwartet.

Nalmefen wurde bereits in den 80er Jahren eingeführt. Doch als Antidot bei Opiatüber­dosierungen war Revex® offenbar kein Erfolg. Die Anästhesisten bevorzugten das kostengünstigere und kürzer wirksame Naloxon. Der Hersteller Bayer Healthcare hat die Produktion von Nalmefen im Jahr 2008 eingestellt. Damals wurde das Mittel bereits Off-label zur Behandlung der Alkoholkrankheit eingesetzt.

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Als Opiatantagonist verhindert Nalmefen, dass die Freisetzung endogener Opiate nach dem Alkoholkonsum das Verlangen nach einem weiteren Getränk weckt. Das Wirkungsprofil von Nalmefen unterscheidet sich von Opiatantagonisten Naltrexon, der zur Rückfallprophylaxe von Alkoholkranken eingesetzt wird. Nalmefen soll eine breitere blockierende Wirkung auf alle Opiatrezeptoren haben.

Auch die angestrebte Indikation ist anders als die von Naltrexon. Nalmefen soll nicht generell Rückfälle verhindern, es soll den Patienten ein Mittel in die Hand geben, die Trinkmenge in den Griff zu bekommen. Sie sollen Selincro® nicht regelmäßig einnehmen, sondern gezielt vor einem geplanten Alkoholkonsum, um dann ein exzessives Trinken zu verhindern. Eine Zulassung in dieser Indikation wird es nur für Patienten geben, die eine begleitende psychosoziale Unterstützung akzeptieren.

Alkoholkonsum um 60 Prozent gesenkt
Die Wirkung wurde in drei Studien an etwa 2.000 Patienten mit einem sehr hohem Alkoholkonsum untersucht. Die Teilnehmer hatten vor der Studie pro Tag im Durchschnitt 10,5 Standardgetränke konsumiert (was etwa anderthalb Flaschen Wein entspricht). Durch die Einnahme von Nalmefen konnten sie die Menge im ersten Monat um mehr als 40 Prozent senken.

Am Ende der Studien nach 6 oder 12 Monaten hatten sie den Konsum sogar um 60 Prozent gesenkt, was einer Reduktion um fast eine Flasche Wein entspricht. Das Medikament soll gut vertragen werden. In den Studien habe es keine ernsthaften Komplikationen gegeben, teilt der Hersteller mit.

Der Einsatz von Selincro® wird vermutlich auf Patienten mit einem hohen Alkoholkonsum (mehr als 60 Gramm/Tag bei Männern, mehr als 40 Gramm/Tag bei Frauen) beschränkt bleiben, die keine körperlichen Entzugssymptome haben und bei denen keine Entgiftung vorgesehen ist. Das Medikament darf nur verordnet werden, wenn die Patienten zwei Wochen nach einer ersten Untersuchung weiterhin einen hohen Alkoholkonsum angeben. Die Verordnung wird an eine psychosoziale Betreuung gekoppelt. © rme/aerzteblatt.de

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