Politik

Psychische Erkrankungen Hauptursache für Frühverrentung

Mittwoch, 2. Januar 2013

Berlin – Psychische Erkrankungen treiben in Deutschland immer mehr Arbeitnehmer in die Frührente. Vier von zehn Beschäftigten, die vorzeitig aus dem Erwerbsleben ausscheiden, sind psychisch krank, wie nach einem Bericht der Welt am Sonntag aus noch nicht veröffentlichten Statistiken der Deutschen Rentenversicherung (DRV) hervorgeht. Der DGB macht für die Entwicklung eine stetig zunehmende Belastung am Arbeitsplatz verantwortlich. Arbeitgeberverbände wiesen die Statistik dagegen als irreführend zurück. Es gebe nicht mehr psychische Erkrankungen als früher, lediglich mehr Diagnosen.

Im Jahr 2011 machten rund 41 Prozent der Arbeitnehmer, die eine Erwerbs­minderungs­rente beantragten, Depressionen, Angstzustände oder andere psychische Erkrankungen geltend, wie die Zeitung unter Berufung auf die DRV-Daten schreibt. Im Jahr 2000 hatte dieser Anteil bei 24 Prozent gelegen; bis 2010 war er auf 39 Prozent gestiegen.

Anzeige

Psychische Erkrankungen sind überdies laut der Statistik der Rentenversicherung der häufigste Grund für ein unfreiwilliges vorzeitiges Ausscheiden aus dem Beruf, vor Herz-Kreislauf- oder Krebserkrankungen. Gegenüber 2008 sei die Zahl der Arbeitnehmer, die wegen psychischer Erkrankungen in Rente gingen, von 57.400 auf 73.200 gestiegen. Dies entspreche einem Zuwachs von 28 Prozent.

Arbeitgeber zweifeln an Richtigkeit der Diagnosen
Gewerkschafter reagieren alarmiert. „Die psychischen Belastungen durch Hetze und Stress am Arbeitsplatz sind inzwischen so hoch, dass sie die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit der Beschäftigten gefährden“, sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach der Zeitung.

Modediagnose Burn-out

Bis in die jüngste Zeit nahmen Berichte über Ausgebranntsein, Ausbrenner oder Burn-out-Syndrom in zahlreichen Presseveröffentlichungen breiten Raum ein.

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände räumte zwar ein, „dass die Zahl der Fehltage und Frühverrentungen wegen psychischer Erkrankungen in den letzten Jahren deutlich gestiegen ist“. Das zeige jedoch allein, dass es mehr Diagnosen psychischer Erkrankungen gibt, nicht aber, dass deren Verbreitung tatsächlich gewachsen ist, heißt es in einer Erklärung vom Sonntag.

Überdies müsse die wachsende Zahl psychisch bedingter Erkrankungen kritisch hinterfragt werden, erklärte der Verband. Nach wissenschaftlichen Studien bestehe hinsichtlich der Objektivität und Effizienz der Diagnosen Verbesserungsbedarf.
Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) kündigte derweil an, stärker gegen Psychostress vorgehen. Sie wolle „Hand in Hand mit Arbeitgebern, Gewerkschaften und Unfallkassen erarbeiten, welche Programme und Konzepte und konkreten Regeln Belegschaften wirksam vor psychischen Belastungen schützen können“, sagte sie der Welt am Sonntag. © dapd/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Julola
am Freitag, 22. März 2013, 09:36

Diagnose: Frührente

Nachdem ich einer Klinik der deutschen Rentenversicherungsanstalt war, bin ich über die steigenden Zahlen der Frühberentung nicht erstaunt. Wenn Patienten, durch Freizeitkompetenz- Angst und Zwang- oder Genussgruppen geschleust werden, wenn Patienten mit einer fett- und salzarmen Ernährung konfrontiert werden (neben sich stehend eine Cola und als Nachtisch gabs dann in dem hauseigenen Cafebistro eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen), wenn Patienten einfach mal so mit Tabletten behandelt werden, wenn Patienten nur durch die Brille der ICD`s gesehen werden, dann wundert mich das gar nicht. Aber ein Jungarzt sagte dann: Ich soll sie hier nicht gesund machen, sondern bewerten nach ICD-Kriterien. Hallo, was ist das denn. Klar diese Kliniken müssen das ausbaden, was Jahrelang von den Hausärzten versaubaselt wurde. Hier ne Tablette und da eine Spritze. Antibiotika unsensibel, vorschnell und oft einfach falsch verabreicht. Vitaminmängel (Vitamin D Mangel macht Depressionen) , Hormonentgleisungen (Östrgendominanz bei Frauen in den Wechseljahren) oder Allergien (z.B. Milch), Cortisolspiegel.....all das spielt keine Rolle. Es ist auch die 5 Minuten Medizin in den Kleinpraxen, die zu solchen Zahlen führen. Aber: Viele Patienten wollen die Frührente. Im Übrigen auch junge Menschen. Zu Hause angekommen gehen sie dann brav zum Arzt, holen sich ihr Glückspillenrezept ab und lassen sich weiter krank schreiben. Bis dann die Aufforderung zur Frühberentung kommt. Bei dem Einen früher, bei dem Einen später. Wunderbar. Selbst, wenn die Rente nicht so hoch ist, Zusatzverdienst geht immer. Ob Schwarz oder legal. Reicht das Geld dann noch immer nicht, kann immerhin noch Harz V beantragt werden. Und die Pillen?! Ach, die tun nicht gut, machen nur dusselig im Kopf, müde und träge....daher wandern selbige....nur allzu oft im Müll. Diese Patienten sind schlau. Weil: Bedient man als Patient das System, also Arzt, Rezept ausstellen, zur Apotheke gehen und Rezept einlösen.....hat Patient den größten Nutzen und wird von allzu pedantischen Paragrafenreitern in Ruhe gelassen ....Äm ....in Rente geschickt. Na dann!!!!!
5.000 News Politik

Nachrichten zum Thema

17.06.16
London – Die Behandlungsoptionen bei Zwangsstörungen scheinen fast so variantenreich zu sein, wie die Gedanken und Handlungen, von denen die Betroffenen nicht ablassen können. Eine......
14.06.16
München – Im zweiten Halbjahr 2014 lag für etwa 470.000 Kinder und Jugendliche in Bayern die Diagnose einer psychischen Störung vor – dazu zählen auch Entwicklungsstörungen. Das ist rund ein Viertel......
10.06.16
New York – Als Reaktion auf den Germanwings-Absturz im März 2015 hat die US-Luftfahrtbehörde FAA neue Empfehlungen zum Umgang mit psychischen Problemen bei Piloten herausgegeben. Piloten müssten sich......
01.06.16
Cybermobbing-­Prävention: Deutschland nur im unteren Mittelfeld
Berlin – Cybermobbing und Cybergewalt sind in den letzten Jahren von einem Phänomen der Jugendkultur zu einem gesellschaftlichen Problem aller Altersgruppen geworden. Dennoch bleiben präventive......
31.05.16
Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge: Screening auf psychische Belastungen und Traumafolgen notwendig
Berlin – Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sind auf der Flucht häufiger als begleitete Kinder und Jugendliche Gewalt und sexuellem Missbrauch ausgesetzt. Oftmals haben sie zudem bereits in ihren......
30.05.16
Psychisch Kranke: Niedersachsen will Hilfen besser vernetze
Hannover – Niedersachsens Gesundheitsministerin Cornelia Rundt will die ambulante psychiatrische Versorgung im Land stärken. Das Augenmerk müsse auf den weiteren Ausbau wohnortnaher Angebote gerichtet......
25.05.16
NRW: Kabinett beschließt Reform des Psychiatriegesetzes
Düsseldorf – Das Landeskabinett in Nordrhein-Westfalen hat die von Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) vorgelegte Reform des Gesetzes über Hilfen und Schutzmaßnahmen bei psychischen......

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige