Vermischtes

Telefonberatung für pflegende Angehörige Demenzkranker bewährt sich

Donnerstag, 3. Januar 2013

Hildesheim/Jena – Die telefonische Unterstützung von Angehörigen, die Menschen mit Demenz pflegen, ist sinnvoll. Das berichten Forscher der Universitäten Hildesheim und Jena nach einer entsprechenden Vorstudie. Erste Ergebnisse mit 100 pflegenden Ange­hörigen zeigen: Die Telefongespräche werden stark nachgefragt. Vier von fünf Ange­hörigen bewerteten die Unterstützung als sehr hilfreich.

In Deutschland leben 1,4 Millionen Menschen, die an einer Demenz erkrankt sind. Mehr als 70 Prozent von ihnen werden laut den Wissenschaftlern zu Hause von einem Familienmitglied betreut oder gepflegt. „Einen an Demenz erkrankten Menschen zu pflegen, ist eine herausfordernde Aufgabe. Untersuchungen zeigen, dass pflegende Angehörige häufig körperlich und seelisch überfordert sind“, sagte Renate Soellner, Institut für Psychologie der Universität Hildesheim.

Anzeige

Häufig vernachlässigten sie das eigene Wohlergehen, obwohl dies Voraussetzung sei, um die Rund-um-die-Uhr-Pflege zu bewältigen. „Wir können es uns nicht leisten, pflegende Angehörige allein zu lassen“, betonte Soellner.

In der Studie haben Mitarbeiter der Arbeitsgruppe rund 100 Angehörige drei Monate lang in sieben Telefongesprächen beraten. Die Angehörigen berichteten danach von einem verbesserten Gesundheitszustand, einer Reduktion depressiver Symptome und einer besseren Lebensqualität. 91 Prozent würden die telefonische Unterstützung anderen weiterempfehlen und vier von fünf Angehörigen bewerteten die Unterstützung als sehr hilfreich.

Dabei erlebten die pflegenden Angehörigen gerade die regelmäßigen Telefonate als Hilfe, so Soellner, die das Projekt gemeinsam mit Gabriele Wilz von der Universität Jena leitet. „Die Telefonate beinhalteten aber keine praktischen Pflegeanleitungen und keinen Crashkurs in der Krankenpflege. Die Pflegenden selbst sollen gestärkt werden“, erläu­terten die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Monika Ludwig und Anna Machmer.

Eine Folgestudie soll erproben, wie sich das psychologische Unterstützungsangebot in bestehenden Versorgungsstrukturen bewährt. Das Bundesministerium für Gesundheit fördert das Forschungsprojekt von 2012 bis 2015 mit 480.000 Euro.

Kooperationspartner sind die Deutsche Alzheimer Gesellschaft und die Alzheimer Gesellschaft München. Zusammen mit dem Helmholtz Zentrum München werden die Ergebnisse auch gesundheitsökonomisch ausgewertet. © hil/aerzteblatt.de

zum Thema

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Vermischtes

Nachrichten zum Thema

29.07.16
HAW Hamburg: Projekt „KURVE“ identifiziert kultursensible Versorgungs­bedürfnisse
Hamburg – Im Rahmen des Forschungsprojekts KURVE, was für „Kultursensible Versorgungsbedürfnisse identifizieren und Chancen nutzen“ steht, sollen Schulungsangebote für Angehörige und Pflegedienste......
07.07.16
Pflege-Auszeit: Erfolg oder Misserfolg?
Berlin – Die Regelung soll Berufstätige entlasten, die neben dem Job einen Angehörigen zu pflegen haben. Doch ist die Pflege-Auszeit tatsächlich ein Erfolgsmodell? Darüber gehen die Meinungen......
13.05.16
Betreuung von Intensivpatienten nach der Entlassung belastet Angehörige stark
Toronto – Die Betreuung von Patienten, die nach einer längeren Beatmung auf der Intensivstation nach Hause entlassen werden, ist für Familienmitglieder oder Freunde häufig eine starke Belastung. In......
06.04.16
Partner von Demenzpatienten benötigen Unterstützung
Berlin – Eine Demenzerkrankung belastet neben dem Patienten auch den Partner und das erweiterte soziale Umfeld. Das Fortschreiten der Krankheit stellt vor allem pflegende Partner vor große......
07.03.16
Pflegende Angehörige nutzen Leistungen der Pflegeversicherung kaum
Berlin – Die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung sind den meisten pflegenden Angehörigen bekannt, zum Beispiel die Tages-, Kurz- oder Verhinderungspflege. Mit Ausnahme des Pflegedienstes......
09.02.16
Bonn – Das Universitätsklinikum Bonn bietet jetzt Pflegeunterstützung für Angehörige pflegebedürftiger Familienmitglieder an. Die Uniklinik ist dafür dem Projekt „Familiare Pflege“ beigetreten, das......
19.01.16
Schwerin – Angehörige von Pflegebedürftigen können in kostenlosen Schulungen Grundkenntnisse in der Pflege erwerben. Bislang gibt es diese Weiterbildung unter dem Namen „PfiFf - Pflege in Familien......

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige