Medizin

Lebertrans­plantationen: Harmonisierung der Laborwerte angestrebt

Donnerstag, 17. Januar 2013

Köln – ­ Die Laborwerte Bilirubin, Kreatinin und Prothrombin im Blut sind entscheidende Parameter dafür,  ob einem Patienten – und in welcher Dringlichkeit – eine Spenderleber von Eurotransplant zugeteilt wird. Allerdings: Für die genannten Laborwerte sind zahl­reiche unterschiedliche Methoden in Gebrauch. Allein für die Bestimmung des Prothrom­bins (als  INR-Wert) existieren 45 unterschiedliche Nachweismethoden.

Dieser Umstand kann zu deutlichen Verzerrungen für die Eingliederung auf der Warte­liste für Spenderorgane führen, wie zwei US-Studien gezeigt haben: Dabei wurden die  Blutproben von Patienten auf der  Warteliste für eine Lebertransplantation untersucht, um den Einfluss der Labor-zu-Labor-Variation auf den sogenannten Lab-MELD-Score zu untersuchen (Die Abkürzung MELD steht für „Model for Endstage Liver Disease“ und gibt an, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass der Patient weitere drei Monate auf der Warteliste nicht überleben wird).

Lebertransplantationen: Laborwerte – das Zünglein an der Waage

Die Parameter Bilirubin, Kreatinin und Prothrombin beeinflussen den Lab-MELD-Score, der die Reihenfolge für die Organvergabe beeinflusst. Im Rahmen eines Ringversuchs sollen die Untersuchungsmethoden harmonisiert werden.

Anzeige

Dabei ergaben sich bei der INR-Bestimmung Unterschiede zwischen den jeweils mitge­teilten Scores von bis zu neun Punkten. Das ist eine erhebliche Differenz angesichts einer Score-Einteilung von 1 bis 40. Weitere Studien kamen zu ähnlichen Ergebnissen - auch für die anderen Blutparameter. Um einen Beitrag zu liefern, dass die wenig verfügbaren Organe gemäß der klinischen Notwendigkeit für Transplantationen verteilt werden können, startet die Deutsche Vereinte Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin in Zusammenarbeit mit dem Transplantationszentrum der Universitätsklinik in Frankfurt/Main einen Ringversuch mit dem Ziel, die Untersuchungs­methoden zu harmonisieren.

Der MELD-Score-Ringversuch sieht die Untersuchung von Patientenproben vor, die zu zwei Zeitpunkten entnommen waren, so dass im Kontext mit einer klinischen Fallbeschreibung mit den Ergebnissen der Laboruntersuchungen eine Plausibilitäts­kontrolle durchgeführt werden kann.

Abschließend wird auch der klinische Befund für die Meldung an Eurotransplant im Ringversuch evaluiert, um auch hier die Qualität des bestehenden Meldeverfahrens analysieren zu können. Der Ringversuch wird zunächst in einer Pilotphase an zehn ausgewählten Zentren evaluiert werden und anschließend allen interessierten Zentren zur Verfügung stehen. Der Start der Pilotphase ist aus aktuellem Anlass bereits für Februar geplant. Die generelle Teilnahmemöglichkeit am ersten regulären Ringversuch ist für Mitte 2013 vorgesehen.

Aktuelle Informationen für die Anmeldung werden auf der Homepage des Referenzinstituts für Bioanalytik (www.dgkl-rfb.de) erscheinen und an die Mitglieder der DGKL sowie alle Laborärzte von Transplantationszentren erfolgen. © zyl/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Medizin

Nachrichten zum Thema

22.08.16
Frankfurt/M. – Gebärmutter-Transplantationen könnten unfruchtbaren Frauen nach Ansicht des Erlanger Mediziners Matthias Beckmann helfen. Frauen, die keine Kinder bekommen könnten, fühlten sich oft......
18.08.16
Berlin – Am Lebertransplantationsprogramm der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) gab es in den vergangenen Jahren nichts zu beanstanden. Das haben die Prüfungs- und Überwachungskommissionen von......
12.08.16
Organtran­splantation: Verfassungsgericht lehnt Beschwerde auf effektiven Rechtsschutz ab
Karlsruhe – Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) hat eine Verfassungsbeschwerde über rechtliche Probleme im Rahmen von Organtransplantationen nicht zur Entscheidung angenommen. In der Klage ging es......
05.08.16
Frankfurt – Das Universitätsklinikum Frankfurt wird künftig auf Herztransplantationen verzichten. Stark rückläufige Zahlen bei Spenderorganen sind laut der Klinik ein wichtiger Grund dafür, dass sie......
02.08.16
Leipzig – Eines neues Verfahren, um die Funktion der Leber zu erfassen, setzt das Universitätsklinikum Leipzig ein – den sogenannten LiMAx-Test. Das in Berlin unter anderem an der Charité......
18.07.16
Erste Gebärmutter-­Transplantation in Deutschland geplant
Erlangen – Ein Kind mit der Gebärmutter der eigenen Mutter oder Schwester bekommen: Ärzte in Erlangen wollen das Organ transplantieren, um Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch zu helfen. Doch das......
08.07.16
Grünes Licht für Transplantations­register
Berlin – Alle Informationen über Organtransplantationen in Deutschland werden künftig zentral gesammelt. Der Bundestag gab gestern Abend grünes Licht für die Einrichtung eines bundesweiten......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige