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Stiftung entschuldigt sich für Umgang mit Vergewaltigungsopfer

Donnerstag, 17. Januar 2013

Köln – Die Stiftung der Cellitinnen hat sich dafür entschuldigt, dass ihre Kliniken die Behandlung einer vergewaltigten Frau verweigert haben. Geschäftsführer Andre Meiser sagte am Donnerstag vor Journalisten in Köln, dass es bei den diensthabenden Ärzten ein Missverständnis über die im November herausgegebenen Handlungsempfehlungen der Ethik-Kommission beider Kliniken gegeben habe. Eine Behandlung vergewaltigter Frauen mit anonymer Spurensicherung für ein Gerichtsverfahren sowie eine Beratung auch über einen möglichen Schwangerschaftsabbruch seien nach den Regelungen möglich. Die Verschreibung der „Pille danach“ sei aber nicht erlaubt.

Der Kölner Stadt-Anzeiger hatte berichtet, dass im Dezember zwei Kliniken in Trägerschaft der Stiftung der Cellitinnen zur heiligen Maria in der Domstadt die Behandlung einer 25-Jährigen abgelehnt hatten. Die Frau war bei einer Party mit K.o.-Tropfen betäubt worden und später auf einer Parkbank zu sich gekommen.

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Eine Notärztin hatte die Kliniken gebeten, Spuren einer eventuellen Vergewaltigung zu sichern. Die Einrichtungen verweigerten laut Bericht die Untersuchung, weil damit auch ein Beratungsgespräch über eine mögliche Schwangerschaft und deren Abbruch sowie das Verschreiben der „Pille danach“ verbunden sei.

Meiser bedauerte Kommunikationsprobleme über die Stellungnahme der Ethik­kommission. Diese sehe neben der Heilbehandlung und der Sicherung gerichts­verwertbarer Spuren auch eine Beratung über weitere mögliche medizinische Maßnahmen im Falle einer Schwangerschaft vor, damit sich eine Patientin informiert und autonom selbst für oder gegen eine „Pille danach“ zur Verhinderung einer Schwanger­schaft entscheiden kann. Die Verschreibung der Pille müsse aber in einer anderen Einrichtung erfolgen. Weil die „Pille danach“ eine befruchtete Eizelle tötet, sieht die katholische Kirche darin eine Abtreibung, die sie ablehnt.

Meiser betonte, dass die Initiative zu den ethischen Handlungsempfehlungen allein von den Kliniken ausgegangen sei und nicht auf einer Intervention des Kölner Kardinals Joachim Meisner beruhe. Auch habe es keinen Fall gegeben, dass einem Klinikmitarbeiter wegen eines Verstoßes gegen ethische Richtlinien gekündigt worden sei.

Der Abteilungsleiter Krankenhaus beim Kölner Diözesan-Caritasverband, Peter Brüssel, sagte auf Anfrage, dass es im Erzbistum Köln keine einheitlichen Richtlinien über den Umgang seiner Krankenhäuser mit Vergewaltigungsopfern gebe. In ihrer Praxis richteten sich die Kliniken nach den allgemeinen ethischen Grundsätzen der katholischen Kirche.

Ministerium will Vorgang prüfen

Unterdessen kündigte das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium eine Prüfung an, ob ein Verstoß der Krankenhäuser gegen gesetzliche Regelungen vorliege. Hierzu sei Kontakt mit allen relevanten Stellen aufgenommen worden. Vor einer Aufklärung des Sachverhalts sei es nicht möglich, den konkreten Fall zu bewerten. Ministerin Barbara Steffens (Grüne) betonte aber, dass grundsätzlich kein Krankenhaus ein Gewaltopfer abweisen dürfe. Neben der Therapie körperlicher und psychischer Schäden müsse eine Spurensicherung für die spätere Strafverfolgung erfolgen.

Auch das Erzbistum Köln betonte, dass seine Krankenhäuser keine Vergewaltigungsopfer abweise. Auch in den katholischen Häusern erhielten betroffene Frauen die notwendige Heilbehandlung inklusive Spurensicherung.

Der Geschäftsführer des Katholischen Krankenhausverbandes, Thomas Vortkamp, sagte dem Internetportal katholisch.de, es handle sich um ein „sehr schwieriges Thema“. Die Verantwortlichen müssten abwiegen „zwischen der persönlichen tragischen Situation der betroffenen Person und den ethischen Grundsätzen der katholischen Kirche“.

Generell habe eine katholische Klinik auch in einem solchen Fall die notwendige medizinische Behandlung zu leisten sowie seelsorgerliche und psychosoziale Begleitung anzubieten.

Position der Kirche stößt auf Unverständnis
Mit ihrem Nein zur „Pille danach” vertritt die katholische Kirche eine Position, die in weiten Teilen der Gesellschaft auf Unverständnis stößt. Denn damit mutet sie in letzter Konsequenz vergewaltigten Frauen zu, das in einem Gewaltakt gezeugte Kind auszutragen. Schon Papst Paul VI. legte in seiner Enzyklika „Humanae vitae” fest, dass die Abtreibung auch nach einer Vergewaltigung ein schweres sittliches Vergehen sei.

Der heutige Kardinal-Staatsekretär Tarcisio Bertone wandte sich vor fünf Jahren gegen die Forderung von amnesty international, vergewaltigten Frauen im Fall einer Schwangerschaft eine straffreie und sichere Abtreibung zu ermöglichen. „Man darf nicht das Leben als solches auslöschen, auch wenn es eine Frucht von Gewalt ist”, argumentierte der zweite Mann der Vatikan-Hierarchie. Ebenso wenig gehe es an, „Morden andere Morde hinzuzufügen”. Ungeborene seien „Personen, menschliche Subjekte mit aller ihrer Menschenwürde”. © kna/aerzteblatt.de

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