Vermischtes

Henke kritisiert Kölner Kliniken

Freitag, 18. Januar 2013

Köln – Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) hat scharfe Kritik an der Abweisung eines mutmaßlichen Vergewaltigungsopfers durch zwei katholische Krankenhäuser in Köln geübt. So etwas habe er „noch nicht gehört“, sagte der MB-Vorsitzende Rudolf Henke heute im ARD-„Morgenmagazin". Mindestens müsse ein „schweres Missver­ständnis" zwischen dem Klinikträger und den Ärzten vorliegen, „und das ist ein schweres Kommunikationsproblem“. „Mindestens die Beratung, und zwar komplett und richtig, hätte man dieser jungen Frau geschuldet", betonte Henke.

Die beiden katholischen Kliniken im Kölner Norden hatten sich Mitte Dezember gewei­gert, eine mutmaßlich vergewaltigte 25-Jährige auf Tatspuren zu untersuchen. Berichten zufolge wurde die Frau mit der Begründung abgewiesen, die gynäkologischen Untersuchungen zur Beweissicherung seien seit zwei Monaten untersagt, weil damit ein Beratungsgespräch über eine mögliche Schwangerschaft und deren Abbruch sowie das Verschreiben der „Pille danach“ verbunden sei.  

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Nach Bekanntwerden des Vorfalls hatte sich die betroffene Stiftung der Cellitinnen zur heiligen Maria als Klinikträger gestern „in aller Form“ bei der jungen Frau entschuldigt. Grund sei offenbar eine von Teilen des Klinikpersonals falsch ausgelegte neue Handlungsrichtlinie des Trägers gewesen. Das nordrhein-westfälische Gesundheits­ministerium leitete eine Überprüfung ein, ob die beiden Krankenhäuser gegen gesetzliche Regelungen verstoßen haben.

Die Kölner Staatsanwaltschaft sieht derweil im Zusammenhang mit der Abweisung der Frau derzeit keinen Anfangsverdacht für eine Straftat. Einer ersten Einschätzung zufolge liege weder eine unterlassene Hilfeleistung noch eine Strafvereitelung durch Unterlassen vor, sagte ein Sprecher der Behörde auf Anfrage. So setze beispielsweise der Tatbestand der unterlassenen Hilfeleistung einen „akuten Unglücksfall“ voraus. Das treffe im vorliegenden Fall aber nicht zu, da sich das mutmaßliche Opfer zum Zeitpunkt der Abweisung durch die beiden Kliniken bereits in ärztlicher Behandlung befunden habe.

Die SPD-Fraktionsbeauftragte für Kirchen und Religionsgemeinschaften, Kerstin Griese, fordert die katholische Kirche auf, „umgehend Konsequenzen“ aus dem Kölner Vorfall zu ziehen. Das Vorgehen der katholischen Kliniken in Köln sei inakzeptabel, erklärte Griese in Berlin. „Das war unterlassene Hilfeleistung und widerspricht der christlichen Nächstenliebe.“ Das Kölner Erzbistum müsse „sofort und unmissverständlich sicherstellen, dass sich ein solcher Vorgang nicht wiederholen kann“.dapd/afp © dapd/afp/aerzteblatt.de

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Loewenherz
am Freitag, 18. Januar 2013, 22:17

passt doch zu unserer Auffassung von "Bananenrepublik-Demokratie"...?

Wenn in Gesundheitsfragen die "Religionsfreiheit" der Eltern vor der Unversehrtheit des minderjährigen Patienten kommt (s. unser neues Beschneidungsgesetz), wenn kirchliche Träger sich frei machen können von den für andere Arbeitgeber gültigen Gesetzen, dann ist so ein Vorfall doch kein Skandal, sondern eher zu erwarten, oder nicht?
Für mich als bekennender Atheist und überzeugtem Verfechter der Trennung von Religion und Staat ist Deutschlands Politik in diesem Punkt absolut nicht nachvollziehbar.
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