Politik

Katholische Krankenhäuser weisen Kritik der Politik zurück

Dienstag, 22. Januar 2013

Freiburg/Köln – Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat die Abweisung einer offenbar vergewaltigten Frau durch zwei katholische Kliniken in Köln bedauert und sich dafür entschuldigt. „Dieser Vorgang beschämt uns zutiefst“, erklärte der Kölner Erzbischof am Dienstag. Zugleich lehnte der Kardinal jegliche Maßnahmen ab, „welche die Tötung eines möglicherweise schon gezeugten Kindes bedeuten“.

Nach den Worten Meisners darf sich ein solcher Fall nicht wiederholen. „Deshalb muss jetzt genau erforscht werden, was dazu führte, diese Frau nicht aufzunehmen“, sagte der Erzbischof. Er räumte ein, dass das Nein der Kirche zu Abtreibungen nach Vergewaltigungen von vielen Menschen nicht geteilt werde. Der Kardinal sprach von einer „geradezu unerträglichen Entscheidungssituation“. Dennoch sei er davon überzeugt, „dass wir diese Position des absoluten Lebensschutzes nicht relativieren dürfen, weil wir sonst die Menschenwürde insgesamt relativieren“.

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Krankenhausverband wehrt sich
Unterdessen wies der Katholische Krankenhausverband Deutschlands (KKVD) Angriffe von Politikern zurück. Im konkreten Kölner Fall seien Fehler gemacht worden, sagte KKVD-Geschäftsführer Thomas Vortkamp in Freiburg. Dennoch sei es lächerlich, dass „jetzt manche Gesundheitspolitiker meinen, katholische Kliniken in Gänze infrage stellen zu müssen“.  Kirchliche Krankenhäuser hätten „das verfassungsrechtlich geschützte Recht, bestimmte medizinische Leistungen wie Abtreibungen nicht anbieten zu müssen“.

Vortkamp reagierte auf Äußerungen von Gesundheitspolitikern von CDU, SPD und Grünen, die gefordert hatten, dass katholische Krankenhäuser „vom Netz genommen werden“ sollten. Laut Geschäftsführer stehen die katholischen Kliniken in Deutschland in einem „enormen Spannungsfeld“ zwischen kirchlichen Moralvorstellungen und gesellschaftlichen Erwartungen. Das zeige sich etwa bei Themen wie der „Pille danach“, der Pille oder Fragen der Empfängnisverhütung.

Die kirchlichen Häuser wollten deshalb auch das Gespräch mit den Bischöfen suchen, kündigte er an. Dabei müsse geklärt werden: „Kann man sich völlig abschotten, kann man alles mitmachen? Das sind schwierige ethische Fragen, die aber die einzelnen Krankenhäuser nicht allein lösen können.“ Der KKVD vertritt bundesweit etwa 435 Kliniken in katholischer Trägerschaft mit etwa 98.000 Betten und an die 165.000 Beschäftigten.

Das Erzbistum Köln hatte bereits vor einem Jahr allen katholischen Krankenhäusern in der Diözese das strikte Verbot der „Pille danach“ eingeschärft. In dem Schreiben der Diözesan-Arbeitsgemeinschaft der katholischen Krankenhäuser vom 13. Februar wurden die Kliniken aufgefordert, alle Vorkehrungen zu treffen, damit die „Pille danach“ nicht verschrieben wird. Zudem sollen die Kliniken überprüfen, ob ihre eigene Ambulanz von einer im selben Haus untergebrachten Notfallpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung ausreichend personell und räumlich getrennt ist.

Hintergrund ist laut Rundschreiben, dass eine sich als Patientin ausgebende Frau in den Notfallpraxen auf dem Gelände von vier katholischen Kölner Kliniken ein Rezept für die „Pille danach“ erhalten hatte. Dies sei dem Erzbistum Köln mitgeteilt worden. Ihm habe der damalige Generalvikar und heutige Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp in einem Brief versichert, dass bei Schwangerschaftsabbrüchen in katholischen Kliniken eine „Null-Toleranzgrenze“ gelte.

Zugleich habe Schwaderlapp die „investigative Methode“ deutlich kritisiert, mit der Einrichtungen „getestet“ werden sollten, wie ein Sprecher des Erzbistums mitteilte. Damit werde dem Opfer- wie dem Lebensschutz ein Bärendienst erwiesen. © hil/aerzteblatt.de

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Clemens-X
am Dienstag, 22. Januar 2013, 19:02

Der Kardinal Meisner hat sich „entschuldigt” — das geht nicht!

Ich finde, diese „Entschuldigung” ist nur ein widerliches Wortgeklingel, mit dem auch bisher schon immer die Opfer von kirchlicher Gewalt und Missbrauch platt geschwätzt worden sind.

Liebe Leser!
Bitte reflektieren die Bedeutung von: „Er hat sich entschuldigt.”!!! — Das heißt doch, dass er sich seiner Schuld selbst entledigt hätte! Das ist unmöglich!
Denn die Schuld wird für immer auf den Tätern, den Verantwortlichen, liegen bleiben. Aber der Täter könnte das Opfer um Verzeihung bitten. Und wenn das Opfer will, kann es ihm diese Verzeihung gewähren. Für diesen Vorgang ist aber das Schuldeingeständnis des Täters erforderlich. Und dann auch das Akzeptieren aller aus der Schuld entstehenden Konsequenzen.
So etwas heißt auch „Verantwortung übernehmen”. Und um diese beiden Schritte zu tun und um dann um Verzeihung bitten zu können, dazu braucht es die Fähigkeit zur Demut. Und all diese echten menschlichen und emotionalen Werte scheinen um so mehr abhanden gekommen und in ihrer Bedeutung verbogen worden zu sein, je höher die Täter in der Hierarchie angelangt sind — gleich ob die Führungskräfte der Kirchen der Unternehmen oder der Politiker!

Oder sind diese allgemein auch in der Psychotherapie anerkannten Werte und Zusammenhänge in der Kirche unbekannt? Es scheint so!

Davon abgesehen unterliegen auch die Kliniken dem staatlich gesicherten Versorgungsauftrag unseres Gesundheitswesens. Wieso die Kirche sich dort glaubt, Sonderrechte herausnehmen zu können, das sollte mal rechtlich geprüft werden! Aber unsere Bundesregierung ist wohl zu feige, der „Macht der Religionen” entschieden gegenüber zu treten. Das ist auch bei der Beschneidungdebatte oder beim Umgang mit dem massenhaften Missbrauch Schutzbefohlener in der katholischen Kirche sichtbar geworden.

Clemens M. Hürten — Lebenslust jetzt! — Rottweil
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