Medizin

Kreuzbandriss: Frühe Operation ohne Vorteile

Donnerstag, 24. Januar 2013

Lund – Ein isolierter Kreuzbandriss bei einem jungen sportlich aktiven Patienten muss nicht sofort operativ versorgt werden. Eine abwartende Haltung erzielte in einer randomisierten klinischen Studie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2013; 346: f232) gleich gute Ergebnisse, ersparte jedoch jedem zweiten Patienten den operativen Eingriff.

Ein vorderer Kreuzbandriss gehört zu den häufigsten Sportverletzungen. Den zumeist jungen Patienten wird in der Regel zu einer zeitnahen Kreuzbandplastik geraten, um die Mobilität wieder herzustellen und spätere Arthrosen zu vermeiden. Eine operative Versorgung ist jedoch keine Garantie gegen spätere Gelenkschäden. In einer früheren Publikation konnten Richard Frobell von der Universität Lund und Mitarbeiter zeigen, dass die Beschwerden zwei Jahre nach der Verletzung nicht größer sind, wenn die Option einer Operation zunächst offen gelassen wird (NEJM 2010; 363: 331-42).

Anzeige

In der Studie waren 121 Patienten auf eine zeitnahe Rekonstruktion oder eine abwartende Haltung randomisiert worden. Die Patienten waren zwischen 18 und 35 Jahre alt und sportlich aktiv. Leistungssportler nahmen nicht an der Studie teil und komplexere Verletzungen (mit Beteiligung der Seitenbänder oder Knorpelschäden) waren ausgeschlossen.

Die zeitnahe Operation fand innerhalb von 10 Wochen nach der Verletzung statt. Sie bestand aus der Entfernung des Kreuzbands und der Implantation einer autologen Sehne. In der Vergleichsgruppe wurde zunächst auf eine Kreuzbandplastik verzichtet. Sie erfolgte nur, wenn es zu einer Instabilität des Kniegelenks kam oder der Patient die Operation wünschte.

Wie Frobell jetzt berichtet, ließen sich in den ersten 5 Jahren nach der Verletzung nur 30 von 59 Patienten operieren, ohne dass dies für die anderen Patienten von Nachteil war. Sie hatten laut Frobell weder schlechtere funktionelle Ergebnisse, noch fanden sich auf den Röntgenaufnahmen nach 5 Jahren vermehrt Hinweise auf eine beginnende Arthrose. Sie wurden ebenso häufig gefunden wie bei den operierten Patienten.

Frobell rät jüngeren Patienten mit einer unkomplizierten Ruptur des vorderen Kreuzbands zu einer abwartenden Haltung. Zu den Stärken der Studie gehört die exzellente Nachbeobachtung. Frobell konnte 120 der 121 Patienten nach 5 Jahren wieder einbestellen. Infolge der geringen Teilnehmerzahl wurde das Signifikanzniveau jedoch nicht erreicht. Unklar bleibt, ob der Verzicht auf eine Operation auch langfristig gleich gute Ergebnisse erzielt. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Medizin

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige