Medizin

Poliovirus in Ägypten

Freitag, 25. Januar 2013

Genf – An zwei Orten im Großraum Kairo sind in Routineuntersuchungen Polioviren im Abwasser entdeckt worden. Eine genetische Analyse der US-Centers for Disease Control and Prevention ergab, dass die Viren aus Pakistan eingeschleppt wurden. Auch wenn es bisher zu keinen Erkrankungen an der Kinderlähmung in Ägypten gekommen ist, zeigt sich die Weltgesundheitsorganisation alarmiert.

Ägypten war seit 2004 poliofrei. Die Impfkampagnen wurden danach zwar fortgesetzt, doch unter den derzeitigen politischen Unruhen kann nach Einschätzungen von Experten nicht mehr garantiert werden, dass auch alle Kinder erreicht werden. Der Nachweis der Viren in zwei an unterschiedlichen Orten bedeutet, dass es Ausscheider gibt.

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Ihre Identität lässt sich in der 16-Millionen Metropolregion nicht klären. Die Viren wurden jedoch aller Voraussicht nach aus Pakistan eingeschleppt. Denn genetisch identische Erreger wurden zuletzt im September 2012 in der nördlichen Provinz Sindh nachge­wiesen. Pakistan gehört neben Afghanistan und Nigeria zu den letzten Ländern, in denen Polioviren noch zirkulieren und Erkrankungen auslösen. Indien ist seit zwei Jahren ohne Poliofälle.

In einigen Regionen Pakistan mussten die Impfkampagne zuletzt gestoppt werden, nachdem mehrere Helfer ermordet wurden. Es gibt von dort keine sicheren Zahlen zu den Erkrankungen. Die WHO befürchtet allerdings, dass sich das Virus wieder ausbreitet. Die Verschleppung in ein anderes Land gilt als Alarmzeichen. Bislang waren Viren aus Pakistan nur in Afghanistan und 2011 in China aufgetaucht.

Als Erstmaßnahme sollen auf den internationalen Flughäfen des Landes alle Kinder unter 5 Jahren geimpft werden. Eine Impfkampagne in Ägypten soll 3 Millionen Kinder erreichen. Der Executive Board der Weltgesundheitsorganisation will in der kommenden Woche über die Situation beraten.

Zur Diskussion steht der Vorschlag, Ausreisen aus den drei Endemie-Ländern auf Personen zu beschränken, die eine Impfung nachweisen können. Die Eradikation von Polio-Viren wird durch die Tatsache erschwert, dass nur etwa eines von hundert infizierten Kindern an einer Kinderlähmung erkrankt, viele andere aber das Virus ausscheiden. © rme/aerzteblatt.de

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