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Gemischte Blutkonzentrate sicherer als behauptet

Donnerstag, 31. Januar 2013

Greifswald/Hamilton – Die Verwendung von so genannten gepoolten Thrombozyten­konzentraten von mehreren Spendern bedeuten für die Empfänger theoretisch ein 1,4-fach höheres Risiko, sich mit Erregern und Bakterien zu infizieren, nicht ein fünffach erhöhtes Risiko, wie oft angenommen. Das berichten deutsche und kanadische Wissen­schafler heute im New England Journal of Medicine (doi 10.1056/NEJMc1213383).

Das Thema hatte Ende 2012 zu teilweise sehr emotional geführten Diskussionen geführt, auch die Sendung „Visite“ des NDR berichtete darüber. „Mit dieser Studie können wir zur Versachlichung der Debatte beitragen“, hofft der Leiter der Abteilung Transfusions­medizin am Institut für Immunologie und Transfusionsmedizin an der Universitätsmedizin Greifswald, Andreas Greinacher.

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Aus Vollblutspenden können bekanntlich Erythrozyten, Blutplasma und Thrombozyten gewonnen werden. Vor allem Patienten mit einer Chemotherapie, Blutkrebs oder Operationen mit größerem Blutverlust erhalten Thrombozytenkonzentrate. Hierfür können entweder die Thrombozyten aus den Vollblutspenden von vier bis fünf Spendern gewonnen und zusammengemischt (gepoolt) werden oder die Thrombozyten werden von einem Einzelspender durch maschinelle Zellauftrennung herausgefiltert, der sogenannten Apherese.

Die reine Blutplättchenspende liefert ein bis drei Apherese-Thrombozytenkonzentrate, ist zeitlich erheblich aufwendiger als die normale Blutspende und deutlich teurer. Bei einem Pool-Thrombozytenkonzentrat werden die Blutplättchen von vier bis fünf Vollblut­spendern zu einem Blutprodukt zusammengestellt.

Kritiker der gemischten Thrombozytenkonzentrate sprechen aufgrund der verschiedenen Spender von einem vier- bis fünffach erhöhten Gesundheitsrisiko für den Patienten, da mit der Transfusion eines gemischten Thrombozytenkonzentrates ein Patient mit dem Blut von vier bis fünf Spendern in Kontakt kommt. Im Vergleich dazu käme ein Patient durch die Transfusion eines Apherese-Thrombozytenkonzentrates nur auf einen Spenderkontakt.

„Mit der Untersuchung der Patienten der letzten zehn Jahre in der Region Greifswald sowie im kanadischen Hamilton konnten wir jetzt erstmals belegen, dass durch eine Regelversorgung mit gemischten Thrombozytenkonzentraten die Spenderexposition nur geringfügig ansteigt“, erklärte Greinacher.

Dafür untersuchten die Wissenschaftler die Spenderexpositionen aller Patienten, die Thrombozytenkonzentrate erhalten haben. Neben den Blutplättchen erhielten diese schwerkranken Patienten meistens auch eine große Anzahl weiterer Blutprodukte. Damit relativiere sich der Effekt der Transfusion gemischter Thrombozytenkonzentrate sehr stark. „Mit diesen Ergebnissen können wir jetzt eine fundierte Aufklärungsarbeit bei Transfusionspatienten leisten“, so Greinacher. © hil/aerzteblatt.de

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