Medizin

Wie Pharmageschenke im Studium spätere Verschreibungen beeinflussen

Donnerstag, 31. Januar 2013

Yale – Regelungen an medizinischen Fakultäten, die Pharmageschenke an die Studierenden begrenzen, beeinflussen das Verschreibungsverhalten der späteren Ärzte: Sie sind bei Verordnungen zurückhaltender. Zu diesem Ergebnis kommen Wissen­schaftler um Marissa King von der Yale University School of Management, New Haven, im British Medical Journal. (doi: 10.1136/bmj.f264).

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2002 startete die American Medical Student Association eine sogenannte „PharmFree Campaign“. Im Rahmen dieser Kampagne erstellte sie 2007 eine „PharmFree Score­card“. Diese führte unter anderem auf, ob die einzelnen US-Fakultäten über Regularien zum Umgang der Studierenden mit der Pharmaindustrie verfügten.

Laut den Autoren der Studie verfügen die meisten US-Fakultäten mittlerweile über offizielle Regeln, um Geschenke an Studierende einzudämmen oder auszuschließen. „Allerdings war bislang unklar, ob dies das spätere Verschreibungsverhalten der Ärzte beeinflusst“, so die Autoren.

Die Arbeitsgruppe um King wählte 14 US-Fakultäten aus, die bereits 2004 über derartige Regularien verfügten. Sie analysierten, wie Ärzte, die an diesen Fakultäten studiert hatten, in den Jahren 2008 und 2009 verschrieben hatten. Als Vergleichsgruppe dienten Ärzte derselben Fakultäten, die vor den offiziellen Regularien zu den Pharmageschenken dort studiert hatten.

Außerdem bezogen die Wissenschaftler Ärzte von 20 Fakultäten ein, die 2004 noch keine derartigen Richtlinien hatten. Konkret untersuchten die Forscher die Verschrei­bung von drei neu auf den Markt gebrachten Medikamenten und die Wahrscheinlichkeit, dass die Ärzte diesen neuen Medikamenten den Vorzug vor älteren gaben.

Drei Testmedikamente
Diese drei Medikamente waren das Stimulans Lisdexamfetamine, Paliperidone als Wirkstoff gegen Psychosen und Desvenlafaxine als Antidepressiva. Sie wählten diese drei Wirkstoffe, weil diese den Autoren zufolge keinen radikalen Durchbruch in der Therapie bedeuteten („None of these medications represented radical breakthroughs in their respective classes.“) Anders ausgedrückt: Die Ärzte hätten begründet auch auf ältere Substanzen zurückgreifen können.

Bei zwei dieser drei Wirkstoffe fanden die Forscher einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem Fehlen oder Vorhandensein von Fakultätsrichtlinien und dem Verschrei­bungsverhalten. Keinen signifikanten Zusammenhang fanden sie bei dem Antide­pressivum Desvenlafaxine.

„Unsere Untersuchungen legen nahe dass die Conflict-of-Interest-Richtlinien, über die seit 2002 immer mehr Fakultäten verfügen, die klinische Routine wirksam beeinflussen können“, hieß es aus der Arbeitsgruppe. © hil/aerzteblatt.de

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