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Studie: Contergangeschädigte leiden unter chronischen Schmerzzuständen

Dienstag, 5. Februar 2013

Berlin – ­ Einen Tag, nachdem der Koalitionsausschuss am vergangenen Donnerstag 120 Millionen Euro für die Verbesserung der Lebensqualität contergangeschädigter Men­schen bewilligt hatte, kamen in Berlin Betroffenenverbände und Experten zusammen, um in einer Anhörung des Familienausschusses den Abschlussbericht eines Forschungs­projektes zu bewerten. Vor vier Jahren hatte die Regierung auf Antrag des Bundestages eine Längsschnittstudie in Auftrag gegeben, um die Lebenssituation Contergan­geschä­digter zu erfassen.

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„Die vorgeburtlichen Schädigungen haben sich in einer Art verschlimmert, dass wir gesundheitliche Belastungen, Schmerzen und funktionelle Einbußen beobachten müssen“, sagte Andreas Kruse, Direktor des Instituts für Gerontologie der Universität Heidelberg, das den Bericht verfasst hat. Hinzu kämen Folgeschäden, die zu schweren Einbußen der funktionellen Kompetenz und zu Schmerzzuständen führten, sowie Spätschäden beispielsweise des Zentralen Nervensystems und innerer Organe.

Um ihre funktionellen Einschränkungen zu kompensieren, setzten viele Contergan­geschädigte ihre Gelenke und unterschiedliche Bereiche ihres Organismus so ein, dass diese einer permanenten Überlastung ausgesetzt seien, sagte Kruse. Die Folgen seien chronische, als unerträglich eingestufte Schmerzzustände und schwere degenerative Schädigungen bis hin zu der Zerstörung von Gelenken.

„Das alles macht es notwendig, dass contergangeschädigte Menschen in einem pflegerischen Umfeld leben, das hilft, ihre Schädigungen zu lindern“, betonte Kruse. Es sei daher auch notwendig, die Renten Contergangeschädigter erheblich zu erhöhen – nicht nur als Anerkennung, sondern auch weil die Betroffenen infolge eines deutlich früheren Ausscheidens aus dem Erwerbsleben massive finanzielle Verluste kompen­sieren müssten.

Einige Ergebnisse auch für Contergangeschädigte überraschend
„Einige Ergebnisse, wie ein derart hoher Grad der Unterversorgung und der Schmerz­häufigkeit, hätten wir in dieser Deutlichkeit nicht erwartet“, sagte die Erste Vorsitzende des Bundesverbandes Contergangeschädigter, Margit Hudelmaier. „Der Bericht zeigt in Klarheit auf, dass die Situation der Contergangeschädigten schlechter ist als von uns selbst befürchtet.“ Sie forderte die Politiker auf, endlich eine angemessene Versorgung der Contergangeschädigten sicherzustellen. Zum Beispiel müssten die Leistungen nach dem Conterganstiftungsgesetz deutlich erhöht werden. 

„Wir verstehen die 120 Millionen Euro als Soforthilfe“, erklärte der Vorsitzende des Interessenverbandes Contergangeschädigter Nordrhein-Westfalen, Udo Herterich. „Es ist auch höchste Zeit. Denn ohne eine deutliche Erhöhung der Renten wird unsere hart erkämpfte Lebensselbstständigkeit, wird singen im Chor, kochen oder spazieren gehen, nicht mehr möglich sein.“

Vergangenes Unrecht könne nicht rückgängig gemacht, tägliche Schmerzen nicht genommen werden. Aber: „Sie können uns dabei helfen, den Lebensabend erträglicher zu machen“, appellierte Herterich an die Abgeordneten. „Versetzen Sie uns in die Lage, ein Leben in Selbstbestimmung und Würde leben zu können. 9.000 Euro monatlich wie in Großbritannien sind dabei vorbildlich.“

Der Vorsitzende des Contergannetzwerks Deutschland, Christian Stürmer, betonte, das Geld müsse möglichst eins zu eins bei den Betroffenen ankommen: „Wir wollen nicht bei Institutionen betteln gehen, sondern wir wollen ein System, in dem die Betroffenen bekommen, was sie benötigen.“ Stürmer schlug vor, alle Bedarfe zu pauschalieren, da es Contergangeschädigte leid seien, Anträge zu stellen und für jeden Cent Rechenschaft abzulegen. © fos/aerzteblatt.de

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