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Alzheimer und Parkinson (wahrscheinlich) nicht ansteckend

Dienstag, 5. Februar 2013

Philadelphia – Neue Studien zeigen, dass sich die pathologischen Proteine bei Morbus Alzheimer, Morbus Parkinson und anderen neurodegenerativen Erkrankungen im Gehirn von Zelle zu Zelle ausbreiten können. Eine Übertragung auf andere Menschen ist einer Studie in JAMA Neurology (2013; doi: 10.1001/jamaneurol.2013.1933) zufolge jedoch nicht zu befürchten.

Spätestens seit der BSE-Krise ist bekannt, dass bestimmte pathologische Hirnproteine ein „infektiöses“ Verhalten zeigen. Meistens unterscheiden sich diese Prionen nur in der dreidimensionalen Faltung von gesunden Proteinen, sie können diese jedoch durch den Kontakt in Prionen verwandeln, was bei den bekannten transmissiblen spongiformen Enzephalopathien wie BSE, Scrapie oder der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit eine fatale Kettenreaktion auslöst. Kuru-Epidemien unter kannibalistischen Eingeborenen in Neuguinea, die sich durch den Verzehr menschlicher Gehirne infizierten, haben gezeigt, dass eine Übertragung von Mensch zu Mensch möglich ist.

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Eine kleine Prionen-Epidemie hat es Mitte der 80er Jahre auch in den Industrieländern gegeben. Auslöser waren damals Wachstumshormone, die aus den Hypophysen von Verstorbenen isoliert worden waren. Von den fast 7.700 Patienten, die teilweise über Jahrzehnte mit den Präparaten behandelt wurden, sind mehr als 200 an einer Creutzfeldt-Jakob-Krankheit erkrankt und gestorben. Das Risiko besteht seit der Einführung von gentechnischen Wachstumshormonen im Jahr 1985 nicht mehr.

Die Prionen der bekannten transmissiblen spongiformen Enzephalopathien sind jedoch möglicherweise nicht die einzigen Hirnproteine mit „infektiösem“ Verhalten. Seit einigen Jahren mehren sich die Hinweise, dass auch die pathologischen Proteine bei Morbus Alzheimer, Morbus Parkinson, der frontotemporalen Lobärdegeneration und der amyotrophen Lateralsklerose (ALS) zur Ausbreitung fähig sind.

In Tierversuchen wurde beobachtet, wie die Erkrankung von einer Hirnzelle auf benachbarte „überspringt“. Die Hypothese ist wissenschaftliche nicht gesichert, doch beunruhigend genug, um John Trojanowski vom Penn Center for Neurodegenerative Disease Research in Philadelphia zu einer Recherche in den Akten von Patienten zu veranlassen, die zwischen 1963 und 1985 mit Wachstumshormonen aus den Hypophysen von Verstorbenen behandelt wurden.

Sie wurden damals mit großer Wahrscheinlichkeit mit pathologischen Eiweißen exponiert, denn Trojanowski kann in seinen histologischen Untersuchungen zeigen, dass Tau-Fibrillen und Amyloid-beta (die pathologischen Substrate des Morbus Alzheimer) und Alpha-Synuclein (ein pathologisches Protein des Morbus Parkinson) in den Hypophysen von Patienten und auch bei Gesunden nachweisbar sind.

Von den 6190 Empfängern der Wachstumshormone sind bislang 796 verstorben. Hinweise auf eine Epidemie mit neurodegenerativen Erkrankungen (wie sie für die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit beobachtet) wurde, konnte Trojanowski nicht finden. Unter den Verstorbenen waren jedoch zwei Patienten, die an einer ALS erkrankt waren. Zufall?

Trojanowski fand in der Literatur noch einen weiteren Fall. Sie stellen sicherlich eine auffällige Häufung dar, da die ALS zu den selteneren Erkrankung gehört. Trojanowski hält eine Übertragung jedoch nicht für erwiesen, da er in seinen histologischen Untersuchungen niemals Ablagerungen der pathologischen AlS-Proteine (TDP-43, FUS oder Ubiquilin) gefunden hat. In Tierversuchen sei es bisher auch niemals gelungen, eine ALS durch die Inokulation mit Hirnmaterial von ALS-Kranken zu induzieren. © rme/aerzteblatt.de

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