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Migräne: Nervenstimulator senkt Zahl der Kopfschmerzattacken

Donnerstag, 7. Februar 2013

Lüttich – Kann die elektrische Reizung des Trigeminusnerven auf der Stirn Migräne-Attacken verhindern? Das Gerät eines belgischen Herstellers zur supraorbitalen transkutanen elektrischen Nervenstimulation (TENS) hat in einer randomisierten klinischen Studie in Neurology (2013, doi: 10.1212/WNL.0b013e3182825055) die Häufigkeit der monatlichen Kopfschmerz-Attacken gesenkt.

Die Wirkung von TENS ist vermutlich indirekt. Durch die wiederholte elektrische Reizung von Hautnerven soll im Zentralnervensystem die Bildung von Endorphinen gesteigert werden, die den Schmerz lindern. Diese Hypothese ist nicht belegt und die Deutsche Schmerzhilfe zählt TENS deshalb zu den „Naturheilverfahren“. Die Krankenkassen unterstützen die Behandlung in einigen Indikationen. Die Migräne gehört in der Regel nicht dazu.

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Das Team um Jean Schoenen von der Universität Lüttich setzt das Gerät eines belgischen Herstellers ein, das ähnlich einer Brille getragen wird. Die elektrischen Impuls werden auf der Stirn an genau der Stelle abgegeben, unter der sich der Nervus frontalis in den Nervus supratrochlearis and den Nervus supraorbitalis aufspaltet. Der Nervus frontalis ist ein Arm des Nervus ophthalmicus, dem oberen Ast des Trigeminusnerven. Diesem fünften Hirnnerven wird in der sogenannten vaskulären Hypothese der Migräne eine zentrale pathogenetische Bedeutung zugeschrieben.

Ungeachtet der theoretischen Überlegungen muss sich eine medizinische Therapie im klinischen Versuch bewähren, als deren Goldstandard eine randomisierte klinische Studie gilt. Eine solche Studie hat das Team um Schoenen in Belgien an fünf tertiären Kopfschmerzzentren durchgeführt. Nach einer Run-in-Phase, in der die Patienten über wenigstens 2 Attacken pro Monat geklagt haben mussten, wurden TENS-Geräte an 67 Migräne-Patienten verteilt mit der Anweisung die Behandlung über 3 Monate täglich 20 Minuten lang durchzuführen.

Nur jedes zweite Gerät gab aber die für die Patienten nicht spürbaren elektrischen Impulse ab. Mit den anderen Geräten waren nur Scheinbehandlungen möglich, was in dem doppelblinden Versuchsaufbau weder die Patienten noch die betreuenden Ärzte wussten.

Primäre Endpunkte der Studie waren die Frequenz der Schmerzattacken und der Anteil der Patienten, bei denen die Schmerzattacken um mindestens 50 Prozent zurückgingen. Beide Anforderungen wurden von dem Gerät erfüllt. Der TENS-Arm kam es zu einem Rückgang von 6,9 auf 4,8 Kopfschmerztagen im Monat, während die Patienten unter der Scheintherapie keine Veränderung bemerkten.

Eine mindestens 50-prozentige Reduktion erzielten 38 Prozent der Patienten im TENS-Arm gegenüber 12 Prozent im Placebo-Arm der Studie. Nach Einschätzung von Schoenen erzielt TENS eine ähnlich gute Wirkung wie die medikamentöse Anfallsprophylaxe. Er stuft die Evidenz als Klasse III (von fünf möglichen mit I als der besten) ein. Der nächste Schritt wäre eine größere multizentrische Studie an einer größeren Patientenzahl.

Laut Schoenen war die Therapie frei von Nebenwirkungen. In einer früheren Publikation hatte der Physiologe allerdings über eine milde sedierende Wirkung berichtet. In einer ebenfalls randomisierten Studie war die Vigilanz von gesunden Probanden herabgesetzt (BMC Neurology 2011, 11:135). © rme/aerzteblatt.de

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