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Strafgebühr für „Komasaufen“: Spahn in der Kritik

Donnerstag, 14. Februar 2013

Passau/Osnabrück – Die Forderung des CDU-Gesundheitsexperten Jens Spahn für härtere Maßnahmen gegen das Rauschtrinken von Jugendlichen stößt auf Kritik. Die SPD, der Kinderschutzbund und der Kinderärzteverband lehnen den Vorschlag ab, dass sich Eltern mit einem Betrag von 100 Euro an den Kosten für einen alkoholbedingten Krankenhausaufenthalt ihrer Kinder beteiligen sollten.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach nannte den Einwurf des CDU-Politikers „Klamauk zum Faschingsausklang“, wie die Passauer Neue Presse vom Donnerstag berichtete. Der Vorstoß sei „ein unsinniger Schnellschuss“. „Wenn man anfängt, Eltern für das Fehlverhalten ihrer Kinder zu bestrafen, setzt man völlig falsche Signale“, warnte Lauterbach.

Der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Wolfram Hartmann, hält eine solche Regelung rechtlich für schwer umsetzbar, da der Vorsatz beim „Komasaufen“ kaum nachzuweisen sei. „Es gibt auch Fälle, in denen den Jugendlichen zusätzlicher Alkohol ins Getränk gekippt wird“, sagte er der Neuen Osnabrücker Zeitung vom Donnerstag.

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Der Deutsche Kinderschutzbund (DKSB) bezeichnete den Vorschlag von Spahn als unkreativ. DKSB-Präsident Heinz Hilgers monierte in dem Osnabrücker Blatt, dass der Politik nichts Besseres einfalle, als Eltern mit Strafe zu drohen. „Auch wenn Eltern ihren Kindern ein gutes Vorbild sind, kann es passieren, dass die Kinder mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus kommen“, sagte Hilgers. © dapd/aerzteblatt.de

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Samstag, 23. Februar 2013, 18:16

@ rol1 - Danke für die Ehre und Achtsamkeit,

dass Sie meine Postings auf mehreren Portalen so aufmerksam analysieren. Im ÄZ- Kommentar habe ich allerdings geschrieben: "Auch die Ärzte Zeitung sollte diesem Populismus nicht aufsitzen." Das war im hier vorliegenden DÄ-Artikel gar nicht nötig, weil von anderen (SPD, Kinderschutzbund, Kinderärzteverband) der Spahn'sche Populismus entlarvt und darüber berichtet wurde.

CDU-MdB Jens Spahn habe ich übrigens persönlich auf seiner Facebook-Seite kritisiert - da brauchte ich den Wortlaut meines Kommentars nur geringfügig ändern.

Aus dem Dunkel der pseudonymisierten Anonymität kann man natürlich leicht Sorge und "cui bono?" äußern. Aber warum sollte ich denn n i c h t gleichzeitig in mehreren Medien meine Meinung zu ein und demselben Thema äußern. Die Kolleginnen und Kollegen, die bei SpringerMedizinOnline meinen Blog "Schätzlers Schafott" illustriert haben, fanden den "Morbus Spahn" als Postkarnevalismus-Syndrom durchaus beachtenswert. Vgl.
http://www.springermedizin.de/100-euro-fuer-morbus-spahn/4013078.html

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
rol1
am Donnerstag, 21. Februar 2013, 07:25

Zu den Kommentaren von dr. med. thomas.g.schaetzler

Sein großes Mitteilungsbedürfnis ist ja schon länger aufgefallen, aber dass inzwischen identische Postings auf mehreren Portalen erscheinen, gibt Anlass zur Sorge.. Cui bono?
siehe http://www.aerztezeitung.de/extras/leserkommentare/?sid=831922&pid=840297
Adolar
am Mittwoch, 20. Februar 2013, 22:09

Politische Scheinheiligkeit par excellence

An der Sucht verdient der Staat prächtig, auch Pharmaindustrie, Kliniken und nicht zuletzt die Ärzteschaft.
Dies bezieht sich auf vorzugsweise Nikotin, Alkohol, aber auch auf Süßigkeiten.
Und es wird so bleiben, weil eben der Rubel schön rollt. Was steht auf meiner Grappa-Flasche: "Beve resposibilmente". Ja, wenn das die Umsatzbringer (noch) könnten, wäre es ja gut.
So lange an Tankstellen oft mehr Alkohol getankt wird als Benzin, braucht mir kein Politiker was von "Problemen" mit Abusus erzählen. Ich bin gestern erst wieder einem Berufskraftfahrer begegnet, der beim Tanken ein klares Erfrischungsgetränk mit 40° mitnahm ("Reiseproviant"). Das ist nicht verboten - gehen wir mal davon aus, daß er es zuhause beim Fernsehen einnahm.
Im Übrigen bin ich der Meinung, daß eine Flasche Schnaps mindesten 30 Euro kosten müßte, egal, wie das Zeug heißt. Ein ähnliche Preisuntergrenze wäre für Tabakprodukte richtig. Die Überschüsse, so noch vorhanden, können direkt an die entsprechenden Fachkrankenhäuser weitergereicht werden (Verwaltungsvereinfachung).

dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 20. Februar 2013, 19:51

Schnaps-Idee für Koma-Kids?

"Immer mehr Erwachsene saufen sich ins Koma" - ist d i e Botschaft einer dpa/AFP-Meldung vom 24.06.2011: Ein Drittel aller Männer zwischen 18 und 64 weisen gesundheitsschädliches Alkohol-Konsumverhalten auf. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) warnt vor gestiegenem Alkoholkonsum in a l l e n Altersgruppen; mit 200 Alkohol-Toten pro Tag in Deutschland allein bei den Erwachsenen. Zu beachten ist die hohe Dunkelziffer bei Komorbidität und Mortalität im Zusammenhang mit nicht erkanntem Alkoholabusus.

Laut Suchtbericht von 2011 trinkt jeder Deutsche im Durchschnitt zehn Liter reinen Alkohol pro Jahr. Insgesamt konsumieren rund 9,5 Millionen Deutsche zwischen 18 und 65 Jahren regelmäßig Alkohol in gesundheitlich hochriskanten Mengen.
http://lifestyle.t-online.de/komasaufen-immer-mehr-erwachsene-trinken-bis-zur-alkoholvergiftung/id_47441294/index

Und dann kommt ausgerechnet ein gesundheitspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, der uns schon mit einem "Präventionsgesetz" die Sinne vernebelt, mit der Schnapsidee daher, ausgerechnet bei den Eltern der Koma-Kids 100 Euro für die akute Entgiftungsbehandlung einzufordern. Bei allen anderen GKV- und PKV- wird dies selbstverständlich kostenlos gewährt und von den Versichertengemeinschaften anstandslos bezahlt? Während der Staat rücksichtslos Milliarden-Steuereinnahmen über die Alkoholsteuer generiert und sich zugleich schamlos an jugendlichen Rauschtrinkern bei deren Alkoholkonsum auch noch steuerlich bereichert?

Dieser selbsternannte Gesundheits-, Krankheits- und Alkoholabhängigkeits-"Experte" sollte eher eine AA-Selbsthilfegruppe im Plenum des Deutschen Bundestags propagieren, statt aus vordergründig wahltaktischen Gründen auf Eltern einzudreschen, die ihre Kinder nicht schnell genug in einer verschwiegenen Privatklinik unterbringen können. Das ist reiner Populismus. Denn Komasaufen, fehlendes Gesundheitsbewusstsein, Unterschichtproblematik, mangelnde gesellschaftliche Teilhabe, familiäre Kommunikationsprobleme und sozialpsychologische Sprachlosigkeit werden hier zu einer gefährlichen Familien-, Kinder- und Jugend-feindlichen Gemengelage zusammengerührt. Dagegen könnte selbst Bundesfamilienministerin Dr. Kristina Schröder mit ihrer Dissertation "Gerechtigkeit als Gleichheit" nichts ausrichten.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Senbuddy
am Montag, 18. Februar 2013, 11:52

In so manchem "sozialen Brennpunkt"...

...ist es einigen Eltern mehr oder weniger gleichgültig, ob ihre Kinder mal wieder im Koma und einer Notaufnahme gelandet sind.

Auf die Verantwortung für ihre Teenager - Kinder angesprochen, kommen von den Eltern solcher Wiederholungs - Säufer immer gleiche Aussagen wie "Ich kann ja nichts machen" oder " ich habe ja alles versucht". Wobei das bei verdienenden Eltern vor allem eigene Trägheit ist, sich mit dem eigenen Nachwuchs tatsächlich und selbst auseinander zu setzen (anstatt von "...er hat doch immer alles..." oder "...die jungen Menschen sind heute anders..."). Bei Hartz IV - lern kommt dazu oft ein deutlich übersteigertes Schuldzuweisungs- und Anspruchsdenken und ein "auch - für - sich - selbst - die - Verantwortung - leugnen" ("die da oben sind an meiner Lage schuld, also sollen die doch was mit den Kindern machen...").

Zu der Wirksamkeit von Geld - Maßnahmen:

Hamburger Schulbehörden verhängen z.B. bei Schul - Absentismus Bußgelder für die Eltern und bitten z.B. dann gelegentlich auch mal den Stadtteilpolizisten, die amtliche Post persönlich vorbei zu bringen. Oder bei Hartz IV - lern spricht man auch mal "inoffiziell" mit der Arge und lässt die Auszahlung der Stütze "mal etwas verzögern".

Für verdienende Eltern sind es vor allem Kosten und für Hertz IV - ler vor allem der Entzug der "Stütze", die dann enorm wirksam sind. Denn wenn's um's eigene Geld geht, können auch sonst extrem lethargische Eltern auf einmal wieder "was machen"....

So gesehen, hat Herr Spahn hier mal einen Vorschlag gemacht, der in die richtige Richtung geht. Man muss dabei aber auch einen Weg finden, dass die Pflicht zu solchen "Kostenbeteiligungen" gerade auch bei Hartz IV-Eltern mit dem o.g. Denken ankommt. Sonst macht gerade diese Klientel trotzdem träge weiter mit ihrer fehlenden Verantwortung für sich. Und für ihre Kinder...

Viele Grüße
S.
johann.gruber
am Freitag, 15. Februar 2013, 02:21

"Familienförderung" der besonderen Art

Anstatt die Familie als Keimzelle unseres Gemeinwesen endlich mehr zu fördern, reiht sich Herr Spahn in die Reihe derer ein, die zur Zeit Attacken gegen die Familien reiten. Und das mit einem Vorschlag, dessen Entstehen möglicherweise die 100-Euro-Strafzahlung bei seinen Eltern ausgelöst hätte. Warum nicht bei einer Koma-Sauf-Krankenhausaufnahme neben den Eltern auch gleich die Großeltern und die Lehrer zur Kasse bitten? Herr Spahn und seine politischen Weggefährten hätten es doch in der Hand, den Krankenkassen die Kosten nicht nur für Koma-Säufer sondern auch für Alkoholentgiftungen und Rehabilitationen aus den Alkoholsteuern zu ersetzen bzw. diese um die Alkohol-Missbrauchs-Folgekosten zu erhöhen? Dann nämlich träfe es die Richtigen.

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