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Krankenhausapotheken klagen über Lieferengpässe

Montag, 18. Februar 2013

Berlin – In vielen Teilen Deutschlands haben Kliniken offenbar mit Lieferengpässen bei wichtigen Medikamenten zu kämpfen. „Die Krankenhäuser müssen teilweise auf alternative Präparate zurückgreifen, um ihre Patienten zu versorgen, sagte der Vorsitzende des Landesverbands deutscher Krankenhausapotheker Rheinland-Pfalz, Ulrike Ott. Im Bundesgesundheitsministerium liefen daher Gespräche über ein mögliches Melderegister für Arzneimittel-Lieferengpässe.

„Wir sind wirklich seit eineinhalb Jahren nur damit beschäftigt, Ersatzware herzu­schaffen“, sagte Ott, die zugleich die Apotheke im Katholischen Klinikum Koblenz-Montabaur leitet. 2012 habe es im Durchschnitt bei 20 von 900 Medikamenten pro Monat Lieferengpässe gegeben. Ihre Anzahl habe sich in den vergangenen zwei Jahren mehr als vervierfacht.

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Diese Situation erfordere auch von den Ärzten mehr Flexibilität: Sie müssten Therapien je nach Medikamentenbestand kurzfristig umstellen. „Ich sehe die Arzneimitteltherapie­sicherheit nicht mehr gegeben, wenn die verabreichten Medikamente dauernd wechseln“, warnte die Verbandsvorsitzende.

Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende des Landesverbands deutscher Kranken­hausapotheker im Saarland, Manfred Haber. Zwar federten die Klinikapotheken Engpässe ab und stellten bei unzureichender Verfügbarkeit von Medikamenten alternative Präparate bereit. „Aber wenn sich die Situation verschärft, kann die Therapiesicherheit der Patienten langfristig leiden, weil die Standards der Krankenhäuser durcheinandergebracht werden“, warnte er.

Patientenversorgung noch gewährleistet
Die Klinikapotheken könnten Patienten bislang trotz Lieferengpässen noch ausreichend mit alternativen Medikamenten versorgen, beruhigte der Landesvorsitzende der Krankenhausapotheker in Baden-Württemberg, Lutz Vogel. „Auf absehbare Zeit ist keine Beeinträchtigung für den Patienten zu erwarten. Allerdings ist die Beschaffung von Therapiealternativen im Einzelfall deutlich erschwert“, sagte er.

Während Kliniken in Berlin und Brandenburg über wenig oder keine Schwierigkeiten berichten, klagen die Klinikapotheken in Nordhrein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt besonders über Engpässe: Vor allem Ende 2012 sei die Situation teilweise „katastrophal und dramatisch“ gewesen, betonte ein Sprecher der Apotheker­kammer Sachsen-Anhalt. Betroffen seien unter anderen Arzneien zur Behandlung von Krebs sowie Herz- und Kreis-Lauf-Erkrankungen. Teilweise träten selbst Engpässe bei Antibiotika auf. Dabei sei zunehmend auch der ambulante Bereich betroffen, zum Beispiel bei Augenarzneien.

Pharmaindustrie muss Lagerhaltung verbessern
Ein Grund für die Lieferengpässe sei, dass die Industrie weltweit die Produktionsstätten reduziere und auf wenige Standorte beschränke, sagte der Sprecher des Uniklinikums Gießen und Marburg, Frank Steibli. Komme es dann bei einem Hersteller zu Qualitäts­problemen, sei ein Ausweichen auf andere Anbieter inzwischen kaum noch möglich.

Viele Krankenhausapotheker fordern daher, der Gesetzgeber müsse die Industrie dazu verpflichten, ihre Lagerhaltung zu verbessern. Aus Kostengründen hätten die Firmen diese auf ein Minimum zurückgefahren. Eine nationale Medikamentenreserve dagegen ist umstritten. „Damit nehmen wir den Herstellern noch mehr ihrer Verantwortung ab“, sagte der Vorsitzende des Landesverbandes Deutscher Krankenhausapotheker in Mecklenburg-Vorpommern, Hartmut Eggers. © hil/dapd/aerzteblatt.de

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