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Rasche Verständigung über Tarife für Medizinische Fachangestellte angestrebt

Montag, 18. Februar 2013

Köln – Ende Februar starten die Gespräche über einen neuen Gehaltstarifvertrag für die Medizinischen Fachangestellten (MFA). Am Verhandlungstisch sitzen sich der Verband der Medizinischen Fachberufe (VMF) und die Arbeitsgemeinschaft zur Regelung der Arbeitsbedingungen der Arzthelferinnen/Medizinischen Fachangestellten (AAA) gegen­über. Cornelia Goesmann, Vorsitzende der AAA, hofft auf einen raschen Tarifab­schluss, obwohl es grundsätzliche Veränderungen der Vergütungsstruktur geben soll.

Fünf Fragen an Cornelia Goesmann, Vorsitzende der AAA

DÄ: Frau Goesmann, Sie streben, wie der Verband der medizinischen Fachberufe auch, eine grundsätzliche Veränderung der Vergütungsstruktur bei den Medizinischen Fachangestellten an?
Goesmann: Wir haben bereits seit längerem eine Verständigung darüber erzielt, dass wir deutlich mehr als die Jahre der Berufstätigkeit zusätzliche Qualifikationen als Grundlage für ein höheres Tarifgehalt nehmen. Grundsätzlich wird man künftig mehr Gehalt bekommen, wenn man zusätzliche Fortbildungen nachweist. Die Anrechnung der Berufsjahre wird aber nicht ganz wegfallen, weil auch diese vertikale Komponente in irgendeiner Form berücksichtigt werden muss.

DÄ: Warum ist die Befragung zur Tarifsituation der MFA durch das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung  (ZI) in Angriff genommen worden, deren Ergebnisse bald vorliegen sollen?
Goesmann: Wir wollten über die derzeitige Arbeitssituation der MFA bundesweit einen Überblick bekommen und sehen, ob und wie viele Praxen nach Tarif, mehr oder darunter bezahlen. Wie sind die Unterschiede zwischen den Bundesländern, insbesondere zwischen den alten und den neuen Bundesländern – gibt es dort noch gravierende Unterschiede, oderhaben sich die Gehälter angeglichen? Wie viele MFA befinden sich derzeit in welchen Tarifgruppen, und zu welchen Veränderungen wird es kommen, wenn wir jetzt neue Tarifgruppen zurechtschneiden? Diesbezüglich tappen wir noch ein wenig im Dunkeln, aber nach Einschätzung des ZI liegen nun belastbare Daten vor. Wir brauchen diese Ist-Analyse, um seriös planen zu können, um genau sagen zu können, was bei einer Änderung des Tarifgefüges auf die Arbeitgeber zukommt.

DÄ: Der VMF fordert mindestens zehn Euro pro Stunde als Anfangsgehalt für eine MFA. Schon jetzt gibt es eine Abwanderung von MFA in die Pflege, wo deutlich mehr bezahlt wird. Ist nicht eine Verschärfung dieser Entwicklung zu befürchten, wenn ein Tarifsprung ausbleibt? Wie sieht es bei den neuen Ausbildungsverträgen aus?
Goesmann: Die Zehn-Euro-Forderung werden wir in den Tarifverhandlungen mit einbeziehen und als Ziel anpeilen. Bis wann wir dies umsetzen werden, kann ich heute noch nicht sagen, es hängt vom Ergebnis der derzeitigen Tarifverhandlungen ab. Die Ausbildungszahlen sind noch konstant. Es wollen immer noch viele jungen Menschen MFA werden. Die entscheidende Frage ist tatsächlich, ob sie im Beruf bleiben werden. Wenn Sie heute eine qualifizierte MFA suchen, bekommen Sie sehr viel weniger Bewerbungen als früher. Das ist schon seit einigen Jahren so, und deshalb tut man gut daran, selbst auszubilden und sich den qualifizierten MFA-Nachwuchs selbst in der  Praxis heranzuziehen.

DÄ: Wie sehen Sie die Möglichkeit, über Honorarverhandlungen mit den Krankenkassen eine bessere Finanzierungsgrundlage für die MFA herbeizuführen?
Goesmann: Da sind ja nun verschiedene Wege denkbar. Ein Weg ist, dass das Honorar im vertragsärztlichen Sektor so deutlich angehoben wird, dass man davon auch seine MFA vernünftig bezahlen kann. Viele niedergelassene Ärzte beklagen ja, dass derzeit die Honorare nicht ausreichen würden – gemessen an dem, was in den Praxen geleistet wird.

Das zweite, was man machen könnte, wäre, in jeder Tarifverhandlung den Krankenkassenverbänden genau vor Augen zu führen, wie die Gehälter gestiegen sind und eine Refinanzierung dieser Steigerungssumme einzufordern, wie es im Krankenhausbereich ja auch erfolgt.

Die dritte Möglichkeit ist, dass man EBM-Ziffern kreiert, so dass der Arzt direkt für Leistungen, die von der MFA erbracht werden, bezahlt wird, dass also Hausbesuche durch die MFA direkt honoriert werden, so wie es ja schon in einigen als unterversorgt definierten Regionen möglich ist. Unser großer Wunsch ist natürlich, dass diese Ziffer nicht nur in unterversorgten Regionen abgerechnet werden können, weil die Ärzte überall – vor allem wegen der Überalterung der Bevölkerung – so viel zu tun haben, so viele Hausbesuche machen müssen, dass sie es alleine nicht mehr schaffen können.  Diese Forderung wird auch von der KBV bei allen Honorarverhandlungen immer wieder erhoben. Ich denke, dass die Krankenkassen ganz genau wissen, dass dies eine Forderung ist, die für uns ganz wichtig ist.

DÄ: Grundsätzlich gehen Sie optimistisch in die Tarifverhandlungen mit den Medizinischen Fachangestellten?
Goesmann: Ja. Ich glaube, dass wir, wenn alles gut klappt, zum 1. April eine Verständigung über ein neues Tarifgefüge und einen neuen Tarifvertrag erzielt haben werden. Andernfalls werden wir zeitnah zu einer Lösung mit einer rückwärtigen Regelung  kommen. Mein Wunsch ist, bis Ende März die Tarifverhandlungen zu beenden. © TG/aerzteblatt.de

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