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WHO: Fukushima wird Krebsrisiko nur leicht erhöhen

Donnerstag, 28. Februar 2013

Genf – Annähernd zwei Jahre nach der Reaktorkatastrophe in der japanischen Präfektur Fukushima hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine erste Abschätzung zu den gesundheitlichen Folgen vorgestellt. Die Experten rechnen nur bei den Bewohnern der am meisten kontaminierten Zone und einem Drittel der Rettungskräfte mit einer erhöhten Rate von Krebserkrankungen.

Welche gesundheitlichen Folgen die Freisetzung von radioaktivem Material aus den Nuklearreaktoren, die nach dem Tsunami vom 11. März 2011 havarierten, hatte, wird sich erst in den nächsten Jahren oder Jahrzehnten zeigen. Eine der Frühindikatoren, ein Anstieg der Fehlgeburten, scheint japanischen Presseberichten zufolge nicht eingetreten zu sein. Eine wissenschaftliche Auswertung der Daten steht aber noch aus.

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Der 168-seitige Report, den eine von der WHO beauftragte Expertengruppe in den letzten Monaten erarbeitet hat, liefert ebenfalls keine konkreten Fakten, sondern nur Prognosen. Sie basieren zum einen auf den im letzten Jahr veröffentlichten Daten zur Exposition der Bevölkerung mit radioaktiven Substanzen (die ebenfalls weitgehend auf Schätzungen beruhen und nicht etwa auf dosimetrischen Untersuchungen der Betroffenen).

Danach lag die Exposition nur in zwei Bereichen der Präfektur Fukushima, weniger als 20 km von den Unglücksreaktoren entfernt, über der langjährigen natürlichen Strahlenbelastung von etwa 10 mSv.

In der Kernzone wurden die Bewohner im ersten Jahr mit 12 bis 25 mSv exponiert. Die Bewohner der übrigen Präfektur wurden durch das Reaktorunglück mit 1 bis 10 mSv deutlich weniger belastet. Für den Rest Japans betrug die Exposition zwischen 0,1 und 1 mSv und für den Rest der Welt bei (weit) unter 0,01 mSv. Die Schilddrüse könnte allerdings stärker belastet worden sein. Die Experten schätzten im letzten Jahr, dass die Bewohner in einem Teil der Präfektur bis zu 200 mSv abbekommen haben könnten. Doch auch hier wurde die Exposition für den Rest des Landes und die Welt als gering bis verschwindend gering eingestuft.

Entsprechend zurückhaltend fallen die Schätzungen zu den Auswirkungen auf die Gesundheit aus, die nach Angaben der Autoren eher um ungünstige Annahmen beruhen. Das Team, dem auch mehrere Vertreter aus Deutschland angehören, prognostiziert nur für die beiden stärker exponierten Regionen im engeren Umkreis der Reaktoren ein zusätzliches relatives Lebenszeitrisiko. Es beträgt:

  • 7 Prozent auf Leukämien für Männner, die als Kind exponiert wurden,
  • 6 Prozent auf Brustkrebs für Frauen, die als Kind exponiert wurden,
  • 4 Prozent auf alle soliden Tumore für Frauen, die als Kind exponiert wurden sowie
  • 70 Prozent auf Schilddrüsenkrebs für Frauen, die als Kind exponiert wurden.

Bei diesen Zahlen ist zu berücksichtigen, dass es sich um relative Risiken handelt. Da Schilddrüsentumoren relativ selten sind, kann ein relativer Anstieg um 70 Prozent unter Umständen zu weniger zusätzliche Erkrankungen in der Bevölkerung führen als ein Anstieg der sehr viel häufigeren soliden Tumore um relativ 4 Prozent. Schätzungen zu der Gesamtzahl der zusätzlichen Krebserkrankungen waren die Autoren nicht.

Für die Bewohner in den am zweitstärksten exponierten Regionen in der Präfektur schätzen die Autoren das zusätzliche Lebenszeitrisiko halb so hoch ein wie in der Kernzone. Außerhalb der Präfektur ist demnach nicht mit einer erhöhten Rate von Krebserkrankungen zu rechnen. Ein erhöhtes Krebsrisiko besteht nach Einschätzung der Experten auch bei etwa einem Drittel der Rettungskräfte, da diese erhöhten Strahlendosen ausgesetzt waren.

Andere gesundheitliche Folgen des Reaktorunglücks erwarten die Experten nicht. Sie befürchten weder einen Anstieg der Fehlgeburten und Totgeburten noch werde es vermehrt zu körperlichen oder psychische Erkrankungen kommen.

Genau sagen lässt sich das jedoch erst in Nachhinein. Die Autoren fordern deshalb, dass der Gesundheitszustand der Bevölkerung langfristig immer wieder erfasst werden sollte. Dies war nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl nicht geschehen, so dass die Einschätzungen zu den gesundheitlichen Folgen heute stark variieren. © rme/aerzteblatt.de

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