Medizin

Schwangerschaft: Vitamin D könnte Nahrungsmittel­allergien begünstigen

Freitag, 1. März 2013

Leipzig – Zu viel des Guten kann der Gesundheit manchmal schaden. Eine Kohorten­studie bringt hohe Vitamin-D-Spiegel im Blut von Schwangeren und Neugeborenen mit einer gesteigerten Rate von Nahrungsmittelallergien im Alter von zwei Jahren in Verbin­dung. Die Autoren raten deshalb in Allergy (2013; 68: 220–228) Schwangeren von der Einnahme von Vitamin D-Ergänzungspräparaten ab.

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Vitamin D hat seit jeher einen guten Ruf. In Deutschland erhalten alle Säuglingen das Hormon heute zur Rachitis-Prophylaxe, und auch älteren Frauen wird zur Prophylaxe der Osteoporose Vitamin D verordnet, wenn die Produktion in der Haut nicht ausreichen sollte. Vor der Geburt ist das Kind ganz auf die Versorgung durch die Schwangere angewiesen, doch die Einnahme von Vitamin D-Ergänzungspräparaten will genau überlegt sein. Seit Ende der 1990er Jahre diskutieren Experten nämlich über einen möglichen Zusammenhang zwischen einem hohen Vitamin-D-Spiegel und der Entstehung von Allergien.

Diese Hypothese wird jetzt durch die Ergebnisse der „Lifestyle and environmental factors and their Influence on Newborns Allergy risk“ oder LiNA-Studie gestützt. Sie umfasst eine Gruppe von 622 Müttern mit 629 Kindern, die zwischen 2006 und 2008 am Städtischen Klinikum St. Georg in Leipzig rekrutiert wurden und seither regelmäßig nachuntersucht werden.

In der Klinik war den Schwangeren und bei der Geburt auch den Kindern aus der Nabelschnur Blut entnommen worden. Kristin Weiße vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig ließ dort den Vitamin D-Spiegel bestimmen und verglich die Werte mit den Angaben der Mütter zu Allergien bei den Kindern.

Ergebnis: Wurde bei den werdenden Müttern ein niedriger Vitamin-D-Spiegel im Blut nachgewiesen, traten bei ihren zweijährigen Kindern Nahrungsmittelallergien seltener auf als bei werdenden Müttern mit einem hohen Vitamin-D-Spiegel. Die Forscherin folgert daraus im Umkehrschluss, dass ein hoher Vitamin-D-Spiegel das Allergierisiko erhöht, wofür auch eine Korrelation der Vitamin-D-Spiegel mit erhöhten Konzentrationen an spezifischem Immunglobulin E gegenüber Nahrungsmittelallergenen wie Hühnereiweiß, Milcheiweiß, Weizenmehl, Erdnuss oder Sojabohne im Blut der Zweijährigen spreche.

Als Ursache vermutetet die Forscherin einen Mangel an regulatorischen T-Zellen, deren Konzentration im Nabelschnurblut bei den später nahrungmittelallergischen Kindern vermindert war. Regulatorische T-Zellen haben die Aufgabe, eine Überreaktion des Immunsystems auf Allergene zu verhindern und die Kinder dadurch vor späteren Allergien zu schützen. © rme/aerzteblatt.de

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von Helden
am Samstag, 8. Juni 2013, 21:04

Der LiNA-Studie fehlt es an Sorgfalt

Wenn man die Daten der LiNA-Studie auswertet, kommt man zu einem ganz anderen Ergebnis als die Autoren. In der Schlussfolgerung wird der Fehler gemacht, einen einzelnen Parameter in den Vordergrund zu rücken: die "von Ärzten diagnostizierten Lebensmittelallergien." Weil diese Diagnostik nicht bei allen durchgeführt wurde, ist ein Inidikations-Bias gegeben. Alle systematisch erhobenen Daten dieser Studie sprechen gegen eine Allergisierung durch Vitamin D. Ein Blick in die Literatur hätte gezeigt, dass dies schon in randomisierten Studien so erkannt wurde. Literaturquelle: vitamindelta.de/lina
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