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Endokrinologen: Viele Schilddrüsen­operationen sind überflüssig

Montag, 11. März 2013

Berlin – Von einem „Missverhältnis zwischen derzeitigen Operationszahlen und tatsäch­lich notwendigen Eingriffen“ an der Schilddrüse spricht die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) im Vorfeld ihres Jahrestreffens in Düsseldorf.

Jedes Jahr werden in Deutschland laut der Fachgesellschaft mehr als 100.000 Schild­drüsen teilweise oder komplett entfernt. „Bezogen auf die Bevölkerung ist die Zahl der Operationen drei bis acht Mal höher als in Großbritannien oder den USA“, berichtet DGE-Tagungspräsident Peter Goretzki, Chefarzt am Lukaskrankenhaus Neuss. Zwar hätten Deutsche nicht mehr Schilddrüsenkrebs als Briten oder Amerikaner, aber die Angst vor einem Schilddrüsenkarzinom in den damit entstandenen Knoten sei hierzulande weitaus größer als im Ausland.

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Die meisten Operationen nehmen Ärzte laut DGE wegen einer Vergrößerung der Schilddrüse vor, die Spätfolge eines Jodmangels sei. In der vergrößerten Schilddrüse bildeten sich häufig Knoten. „Aufgrund der Befürchtung, dass sich daraus Krebs entwickelt, raten Kollegen hier mitunter voreilig zu einer Operation“, so Goretzki.

Nicht jeder Knoten bedeute jedoch Krebs, sagte der Tagungspräsident und bemängelte, dass „die Entscheidung für eine Operation mitunter fällt, ohne die diagnostischen Möglichkeiten voll ausgeschöpft zu haben.“

Zudem bieten in Deutschland laut der DGE die meisten Krankenhäuser Schilddrüsen­operationen an – unabhängig von der Expertise der jeweiligen Klinik. Die Fach­gesell­schaft fordert daher Leitlinien für die Diagnose und klare Regeln für die Entscheidung zur Operation. Auch die Qualität der Operationen müsse überprüft werden, zum Beispiel wie in den Niederlanden und Schweden. Dort würden die Operationsergebnisse der einzelnen Kliniken stetig überprüft und bildeten die Grundlage für die Genehmigung solcher Eingriffe. © hil/aerzteblatt.de

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