Medizin

Rauchstopp senkt Herz-Kreis­lauf-Risiko trotz Gewichts­zunahme

Mittwoch, 13. März 2013

Lausanne – Die Gefahr einer Gewichtszunahme um mehrere Kilo ist kein medizinischer Grund, auf einen Rauchstopp zu verzichten. Nach einer aktuellen Auswertung der Framingham Offspring Study im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2013; 309: 1014-1021) sinkt bei Ex-Rauchern trotz der ungünstigen Auswirkungen auf den Body-Mass-Index (BMI) das kardiovaskuläre Risiko. Auch Diabetikern könne ohne gesundheitliche Nachteile zur Abstinenz geraten werden.

Nach dem Rauchstopp kommt es in der Regel zu einer Gewichtszunahme um mehrere Kilogramm. Da die meisten Erwachsenen heute unter Gewichtsproblemen leiden, könnte ein weiterer Anstieg des BMI das kardiovaskuläre Risiko steigern und die Vorteile in diesem Bereich zunichtemachen. Bei Diabetikern könnte die Gewichtszunahme zusätzlich die Kontrolle des Blutzuckers erschweren und über die Hyperglykämie (plus Fettstoff­wechselstörungen) das kardiovaskuläre Risiko weiter erhöhen. Diese Bedenken können Carole Clair, Clair von der Universität Lausanne und Mitarbeiter jetzt durch eine Analyse der Framingham Offspring Study entkräften.

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Die Studie umfasst etwa 3.200 Kinder von Teilnehmern der legendären Framingham Heart Study und ihre Ehepartner, die seit den 70er Jahren alle vier Jahre medizinisch untersucht werden und Fragen zu ihren Lebensgewohnheiten beantworten. Zwischen der dritten Untersuchung ab 1984 und der achten Untersuchung ab 2005 war der Anteil der Raucher in der Kohorte von 31 auf 13 Prozent gesunken.

Der Rauchstopp hatte in der Regel eine Gewichtszunahme zur Folge, die in der Kohorte mit 2,7 kg noch milde war (nach anderen Studien liegt die Zunahme bei 3 bis 6 kg). Sie war dennoch in den ersten vier Jahren mit einem Rückgang der kardiovaskulären Ereignisse (Herzinfarkt, Schlaganfall, periphere Verschlusskrankheit und Herzinsuffizienz) gegenüber „Weiterrauchern“ um mehr als die Hälfte verbunden: Clair errechnet eine Hazard Ratio von 0,47, die bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,23 bis 0,94 statistisch signifikant war.

Für die Teilnehmer, die langfristig auf das Rauchen verzichteten, wurde eine ähnliche protektive Wirkung gefunden. Die Hazard Ratio betrug hier 0,46 (0,34-0,63). Clair hat noch eine weitere Analyse in der Untergruppe der Diabetiker vorgenommen. Auch hier scheint es zur Reduktion der kardiovaskulären Ereignisse zu kommen. Die Ergebnisse waren aufgrund der geringen Zahl von Diabetikern in der Kohorte jedoch statistisch nicht signifikant.

Auch wenn prospektive Beobachtungsstudien die Realität nicht immer genau widerspiegeln, sollten die Ergebnisse auch übergewichtigen Rauchern Mut machen, einen Abstinenzversuch zu unternehmen. Allerdings gibt es derzeit keine sichere Strategie, mit der eine Gewichtszunahme verhindert werden könnte.

Die Therapie mit Bupropion, Fluoxetin und Nikotinersatztherapien hat zwar eine gewisse Wirkung gezeigt, die allerdings nach dem Absetzen der Medikamente in der Regel wieder verloren geht. Die Aufnahme von sportlicher Aktivität könnte nach einer Cochrane-Analyse langfristig eine Wirkung zeigen, wenn sie als Teil einer Lebensstilmodifikation dauerhaft betrieben wird.

Hinzuzufügen bleibt, dass der Rauchstopp nicht nur vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützt. Im Vordergrund steht die Krebsprävention. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass Rauchen für den vorzeitigen Tod jedes zweiten Rauchers verantwortlich ist. © rme/aerzteblatt.de

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