Ärzteschaft

Warnung vor Online-Ärzten

Freitag, 15. März 2013

Berlin – Vor der Behandlung durch sogenannte Online-Ärzte haben der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Frank Ulrich Montgomery, und der Unionsfraktionsvize Johannes Singhammer (CSU) gewarnt. Im Fokus steht dabei besonders ein britisches Portal namens DrEd. Seit Start des Angebots für Deutschland haben sich dem Betreiber zufolge rund 15.000 Patienten dort betreuen lassen.

„Laut (Muster-)Berufsordnung für die deutschen Ärzte (Paragraf 7 Absatz 4), nach der sich die verbindlichen Berufsordnungen der Ärztekammern in den Bundesländern richten, dürfen Ärzte die individuelle ärztliche Behandlung, insbesondere auch Beratung, nicht ausschließlich aus der Ferne durchführen“, erläuterte Montgomery gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt.

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Dieser Behandlungsgrundsatz diene dem Schutz des Patienten. Das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patienten – die Grundlage jeder Behandlung – könne nur aufgrund eines persönlichen Kontakts geschaffen werden. „Diagnose und Behandlung allein über das Internet können nicht im Interesse des Patienten sein. Vor diesem Hintergrund sehen wir Angebote wie DrEd äußerst skeptisch“, so der BÄK-Präsident.

Telemedizinische Verfahren könnten ärztliches Handeln unterstützen, sie seien aber kein Instrument, um ärztliche Kompetenz zu ersetzen. Die BÄK unterstütze prinzipiell die Erprobung und den Einsatz telemedizinischer Methoden in der Patientenversorgung. „Dabei muss Telemedizin aber der Patientenversorgung dienen und nicht der Erschließung neuer Absatzmärkte für die Industrie“, betonte Montgomery.

Durch solche Online-Angebote werde der Schutz der Patienten ausgehöhlt, warnte auch Singhammer auf dem Nachrichtenportal Spiegel Online. „Die Bundesregierung ist aufgefordert, deutsches Recht so durchzusetzen, dass es nicht unterlaufen werden kann“, sagte Singhammer gegenüber dem Spiegel.

Das fordern auch die Vorstände der in der FALK-Kooperation verbundenen Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) aus Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Mecklenburg-Vorpommern. „Wir halten es für ausgesprochen problematisch, dass hier auf Basis der europäischen Freizügigkeit die nationalen Bestimmungen zum Schutz der Patienten ausgehöhlt werden“, kritisierten die KV-Vorstände und forderten den Gesetzgeber auf, tätig zu werden: Der müsse untersagen, dass Ärzte aus Großbritannien Patienten aus Deutschland online behandeln. © hil/aerzteblatt.de

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WiseDoc/ii
am Sonntag, 17. März 2013, 10:41

Man kann doch handeln...

Wenn es Ärzte in Deutschland sind, die dort mitmachen, kann man denen die Approbation entziehen. Wenn es deutsche Ärzte im Ausland sind, die da mitmachen, kann man denen auch die Approbation in D entziehen, denn die werden die in aller Regel ja (noch) haben.

Wenn das Betreiben einer solchen Seite in England ein Verstoß gegen deutsches Recht ist, sollte man die deutschen Provider dazu bewegen, die Homepage dahinter aus Deutschland nicht mehr erreichbar zu machen.

Entweder es gelten Grundsätze im ärztlichen Berufsrecht, oder nicht. Wer dagegen verstößt, sollte entsprechend behandelt werden. Am Ende führt DrEd noch Voruntersuchungen für Transplantationen durch...
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Samstag, 16. März 2013, 14:41

"Dreadful" www.dred.com

'Am Telefon und durch die Hose stellt man keine Diagnose. Nur per EDV ist viel zu ungenau' - mein Leitspruch dazu. Denn zwangsläufig werden unsere Patienten/-innen bei uns Haus- und Fachärzten eine Zweitmeinung hören wollen. So, wie wir das bisher schon nach Selbstexplorationen über 'Windows Explorer' bei 'Dr. Google', 'Dr. Ask', 'Dr. Bing', 'Dr. Yahoo' und 'Prof. Wikipedia' gewohnt sind.

Ärgerlich, dass diese Internet-Portale, DrEd oder die OTC-Pharmaindustrie sich mit lapidaren Sätzen wie "Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker" bzw. formalen Haftungsausschlüssen unverbindlich äußern und sich von jeglichen zivil-, straf-, sozial- und berufsrechtlichen Problemen freikaufen können. Wir Vertragsärzte dagegen müssen uns für alle unsere medizinisch begründeten Handlungen u n d auch Unterlassungen bzw. Fehleinschätzungen jederzeit juristisch persönlich haftend verantworten.

Insbesondere bei schweren, lebensbedrohlichen Erkrankungen ("dread diseases"), die mit scheinbar harmloser Früh-Symptomatik und klinischer Fehleinschätzung beginnen können, ist ein "abwartendes Offenlassen", aktive Sichtdiagnostik, "wait and see" und differentialdiagnostisches Procedere mit unmittelbarer Arzt-Patient-Kommunikation zwingend erforderlich. Eine rein telemedizinisch-gestützte EDV-Diagnostik ist da u. U. höchst fahrlässig und führt zu unreflektierten Interventionen.

Doch es werden viele unserer Patienten auf die Internet-Masche hereinfallen und Schaden nehmen. Kosten, Konsequenzen und Risiken werden dann wieder mal auf uns abgewälzt.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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