7.839 News Medizin

Medizin

Flupirtin: EMA startet Risikobewertung wegen Leberrisiko

Freitag, 15. März 2013

London – Die Europäische Arzneimittelagentur EMA hat auf Antrag des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ein Risikobewertungsverfahren zu Flupirtin eingeleitet. Das Analgetikum steht im Verdacht, schwere Leberschäden auslösen zu können. Außerdem bestehen teilweise Zweifel am klinischen Nutzen.

Das zentrale Analgetikum Flupirtin wurde 1984 als Alternative zu Opioiden und nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAID) eingeführt, von denen es sich durch einen eigenen Wirkungsmechanismus unterscheidet: Flupirtin öffnet auf Nervenzellen bestimmte Kaliumkanäle. Dies soll das Ruhemembranpotential stabilisieren und die synaptische Weiterleitung von Schmerzreizen vermindern. Auch eine gewisse muskelentspannende Wirkung soll auf diese Weise zustande kommen.

Anzeige

Flupirtin ist derzeit in Deutschland, Italien, Portugal und einigen osteuropäischen Ländern zugelassen, nicht aber in Großbritannien oder den USA. Es wird zur Behandlung von akuten und chronische Schmerzen verschiedener Ursache eingesetzt. Das BfArM sieht die Wirksamkeit von Flupirtin bei chronischen Schmerzen jedoch als unzureichend belegt an.

Schon vor fünf Jahren hatte die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) vor der Lebertoxizität von Flupirtin gewarnt. Seither sind weitere Fälle hinzugekommen. Laut BfArM liegen mittlerweile insgesamt rund 950 Berichte über unerwünschte Arzneimittelwirkungen unter Flupirtin aus Deutschland vor. 330 dieser Berichte beschreiben Leber- oder Gallenwegserkrankungen. Darunter finden sich 49 Fälle von Leberversagen und 12 Fälle mit tödlichem Ausgang sowie 3 Fälle, die zu einer Lebertransplantation führten.

Das BfARM hatte deshalb ein Risikobewertungsverfahrens beantragt, das jetzt von der EMA eingeleitet wurde. In einer ersten Phase erhalten die betroffenen Hersteller und andere Interessensgruppen Gelegenheit zu einer Frageliste des Ausschusses für Risikobewertung im Bereich Pharmakovigilanz der EMA Stellung zu nehmen. Am Ende wird die EMA eine Risiko-Nutzen-Bewertung vornehmen. Sollte diese negativ ausfallen, könnte es zu einem Verbot des verschreibungspflichtigen Arzneimittels kommen.

Das BfArM fordert bei dieser Gelegenheit die Ärzte auf, Gegenanzeigen, Vorsichts­maßnahmen und Warnhinweise zu beachten. Hierzu gehört, dass Ärzte während der Behandlung regelmäßige Kontrollen der Leberfunktion durchführen und ihre Patienten auf mögliche Symptome einer Leberschädigung hinweisen sollten. Bei Zeichen einer Störung der Leberfunktion sollten flupirtinhaltige Arzneimittel sofort abgesetzt werden. © rme/aerzteblatt.de

Drucken Versenden Teilen
7.839 News Medizin

Nachrichten zum Thema

17.05.13
EMA gegen ein Verbot von Diane 35
London – Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat sich gegen ein Verbot des Akne-Medikaments Diane 35 und seiner Generika ausgesprochen, die Anwendung soll aber klarer als bisher auf die Akne...
13.05.13
Bonn – Eine erhöhte Rate von Myokardinfarkten in klinischen Studien veranlasst das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) die Anwendung des Osteoporosemedikaments Protelos...
08.05.13
London – Viele Medikamente enthalten als Hilfsmittel Phthalate oder Parabene. Auch wenn eine Gesundheitsgefährdung nicht erkennbar ist, plant die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) Höchstgrenzen...
07.05.13
Seattle – Patienten mit idiopathischer Lungenfibrose sollten nicht mit dem Endothelin-Antagonist Ambrisentan behandelt werden. In einer Phase-III-Studie, deren Ergebnisse jetzt in den Annals of...
29.04.13
Antiepileptikum Retigabin verfärbt Haut und Retina
Rockville – Das Antiepileptikum Retigabin kann nach längerer Einnahme zu einer Blaufärbung der Haut führen. Betroffen waren in Postmarketing-Studien vor allem die Lippen und die Nägel. Laut FDA ist...
24.04.13
Bonn – Ärzte und Patienten können sich künftig direkt unter http://nebenwirkung.bfarm.de/ bei der Überwachungsbehörde für Arzneimittel über Arzneimittelrisiken informieren. Das Bundesinstitut für...
18.04.13
Hamm – Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) hat zwei Broschüren zum Thema Medikamentenabhängigkeit neu aufgelegt. Die Information „Immer mit der Ruhe… Nutzen und Risiken von Schlaf- und...

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Mehr zum Thema


Themen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Z
Suchen

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Merkliste

Anzeige
Eingeloggt als

Suchen in