Medizin

Kinderärzte streiten über medizinische Beschneidungen bei Jungen

Freitag, 22. März 2013

Kopenhagen – Europäische Kinderärzte bezweifeln, dass eine sogenannte medizinische Beschneidung bei Jungen sinnvoll ist. In einer aktuellen Stellungnahme in der Zeitschrift Pediatrics (http://dx.doi.org/10.1542/peds.2012-2896) widersprechen sie der Haltung der American Academy of Pediatrics (AAP).

Diese hatte Ende des vergangenen Sommers einen Report veröffentlicht, nach dem die Beschneidung der Penisvorhaut medizinisch sinnvoll ist. Die Krankenversicherungen sollten den Eingriff daher übernehmen. Laut der Zeitschrift Nature, die über den Report berichtete (http://dx.doi.org/10.1038/488568a) wird die Empfehlung von solch gewich­tiger Stelle wie der AAP die Beschneidungsraten in den USA steigern.

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Schon jetzt lägen sie bei 55 Prozent und damit höher als in den meisten anderen Ländern. „Der medizinische Vorteil überwiegt die Risiken den Eingriffs“, fasste Douglas Diekema von der University of Washington, Seattle, Ende August 2012 die Haltung der AAP zusammen.

Dem treten jetzt europäische Kinderärzte entgegen. Die Autoren um den dänischen Pädiater Morten Frisch sehen in der Literatur keine Belege für eine grundsätzliche Empfehlung zur medizinischen Beschneidung. Im Gegenteil: Für Außenstehende – also Nicht-Amerikaner – sei der „Cultural Bias“ in der AAP-Stellungnahme offensichtlich. Die Schlussfolgerungen des US-amerikanischen Reports befänden sich im Gegensatz zu jenen in Europa, Canada und Australien.

Laut Frisch und den übrigen Mitautoren sind die Belege für einen Schutz vor HIV-Ansteckung oder Peniskrebs in den verfügbaren Studien nicht eindeutig oder zu schwach, um damit einen chirurgischen Eingriff zu rechtfertigen. Zudem seien die diskutierten Zusammenhänge in westlichen Industrienationen mit hohem Hygiene­standard und problemlosem Zugang zu Kondomen kaum von Bedeutung. Beschnittene Säuglinge litten im ersten Lebensjahr lediglich seltener an Harnwegsinfektionen. Die könne man aber problemlos mit Antibiotika auch ohne Amputation gesunden Gewebes behandeln, so die europäischen Pädiater. © hil/aerzteblatt.de

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enzomasculino
am Mittwoch, 15. Januar 2014, 23:42

Balanitis

"Die akute Form hat meist unzureichende Genitalhygiene als Ursache (z.B. durch Enddarmkeime). Dabei kann eine Vorhautverengung, sowie Diabetes mellitus diese Krankheit begünstigen. Sexuelle Aktivitäten können ein Grund der Ansteckung sein. Ohne die passende Verhütung (z.B. Kondom) kann eine erneute Infektion immer wieder durch gegenseitige Ansteckung auftreten (sogenannter Ping-Pong-Effekt). Smegma, welcher sich unter der Vorhaut angesammelt hat, kann dabei für den infektiösen Keim passender Nährboden sein. Zum Nachweis hierfür ist eine mikrobiologische Untersuchungen angeraten. Dazu wird der Urin untersucht und ein Abstrich von der Eichel gemacht.
Unzureichende Genitalhygiene ist oft die Ursache für Balanitis

Unzureichende Genitalhygiene ist oft die Ursache für Balanitis

Eine chronische Form entsteht genau durch das Gegenteil: nämlich durch übermäßig häufiges reinigen (daher auch Reinlichkeitsbalanitis genannt). Dies entfettet die Eichelhaut und beschädigt sie dadurch. Die Folge hiervon kann eine Vorhautverengung sein, da das viele Waschen die empfindliche Vorhaut leicht verhärtet.

Des Weiteren kann die Ursache für eine nicht infektiöse Balanitis Chemikalien sein, welche unter anderem in spermienabtötenden Kondomen, sowie Gelen vorkommen kann (daher: Kontaktbalanitis). Bei langanhaltenden Fällen einer Vorhautverklebung kann es nach sexuellen Kontakten zu einer Balanitis bzw. Balanoposthitis kommen. Hierbei ist der Auslöser das unter die verklebte Vorhaut gelangte Vaginal Sekret sein."
Näheres dazu: <a href="http://balanitis.info/" title="balanitis.de – Symptome, Verlauf & Behandlung">Quelle</a>
Clemens-X
am Montag, 8. April 2013, 22:57

Eine menschenverachtende Diskussion ist das hier...

…denn es scheint hier nur um Nachweise, Statistiken, Zahlen und Forschungsergebnisse zu gehen.
In Wirklichkeit geht es neben dem körperlichen Schaden (Genitalverstümmelung / Körperverletzung!) um die psychische Schädigung des Kindes. Wer diese psychische Schädigung in Abrede stellt, sollte als erstes mal die beiden Bücher:
»Das Geheimnis der ersten neun Monate« und »Jedes Kind ist hochbegabt« von Gerald Hüther lesen und vor allem beim Lesen HINEIN FÜHLEN.

Ein Baby kann sich nur dann gesund entwickeln, wenn sein Urvertrauen in seine Umgebung und in seine eigene Sicherheit gestärkt wird. Statt dessen wird genau dieses Urvertrauen irreparabel geschädigt! In einem Entwicklungszeitpunkt, wo es sein eigens ICH noch gar nicht begreifen konnte, wo es folglich nicht über sich selbst und seine Beziehungen zur Umgebung nachdenken kann, erfolgt diese grausame Verstümmelung, dieser entsetzliche Schmerz! Es kann diesen Schmerz nicht einordnen und nicht verarbeiten. Dafür stehen eben keine „Verarbeitungskapazitäten” zur Verfügung. Und genau das ist die Definition einer psychischen Traumatisierung!
Wächst das Kind heran, kann es nicht von diesem Trauma berichten, denn es konnte damals die Geschehnisse nicht verarbeiten, die Sprache war noch nicht entwickelt. Aber das Urvertrauen ist beschädigt und die positive Erwartungshaltung an seine Umgebung und seine Zukunft ist massiv und zutiefst verletzt worden.

Zudem besteht eine große Wahrscheinlichkeit, dass diese Traumatisierung nicht nur kognitiv sondern auch durch entsprechende neuronale Ausformungen des Gehirns gespeichert worden sind, wie Hirnforscher wie z.B. Gerald Hüther und viele andere inzwischen beweisen konnten.

Wer solche Überlegungen einfach beiseite schiebt und weiter macht mit den Genitalverstümmelungen, als wäre nichts geschehen, dem gehört die Approbation entzogen - auch wenn das Gesetz ihm scheinbar Recht gibt.

Das „Beschneidungsgesetz”
—verstößt gegen das ärztliche Gebot „Primum non nocere”
—es verstößt gegen die Regel, an einwilligungsunfähigen Menschen keine medizinisch nicht indizierten Eingriffe vornehmen zu dürfen,
—es verstößt gegen das Grundgesetz betr. der körperlichen Unversehrtheit,
—es verstößt gegen die internationale Charta der Menschenrechte
—und es verstößt gegen die Konvention über die Rechte von Kinder und Jugendlichen.

Aber von der deutschen Regierung, gleich unter welcher Partei, bin ich schon seit den Notstandsgesetzen und Baader-Meinhof gewohnt, dass sie Grundrechte und Menschenrechte mit Füßen treten!

Bleibt noch der menschliche Aspekt: Wenigstens das Mitgefühl sollte doch verhindern, dass Babys so etwas angetan wird! Aber Gefühle sind wohl bei vielen Ärzten, die die männliche Genitalverstümmelung aus nicht-medizinischen Gründen durchführen, offensichtlich Nebensache: Hauptsache die Kasse stimmt!

Stand nicht vor Kurzem noch im Ärzteblatt, dass doch die menschliche Beziehung und Zuwendung zum Patienten wesentlich für Behandlungserfolge sei? Vor dem hier diskutierten Hintergrund erscheinen mir solche Beteuerungen als Heuchlerei und Scheinheiligkeit.

Hatte nicht damals im Herbst 2012 ein Arzt unter dem Pseudonym Pullmonalis öffentlich hier im Kommentar eingestanden, die Krankenkassen mit falsch diagnostizierter Phimose bescheißen zu wollen, denn das sei doch offensichtlich allgemein übliche Praxis???

Teile der Ärzteschaft sind offensichtlich schon genau so korrupt und geldgeil, wie die Herrschaften in Politik oder Hochfinanz.

Clemens M. Hürten — Lebenslust jetzt! — Rottweil
Kahled
am Sonntag, 7. April 2013, 05:17

Die Beschneidung und ihre fragwürdigen Vorteile - Eine Replik auf Kairoprax und Ramzi Kahlil

Die Kommentare von Dr. Karlheinz Bayer und Dr. Ramzi Kahlil lösen doch einiges ungläubiges Staunen aus. Diese Kommentare beruhen auf Emotionalität und fehlendem Fachwissen bezüglich der Zirkumzision und deren Auswirkungen.

Herr Bayer und Herr Kahil zählen die bekannten Vorteile auf, die der Zirkumzision zugeschrieben werden: verringertes Risiko für HIV-Infektionen, Gebärmutterhalskrebs ("Portiokarzinomrate") bei der Partnerin, Peniskrebs, Harnwegsinfektionen und sowie die diffuse Behauptung einer verbesserten Hygiene. Das Problem an diesen Vorteilen ist nur: Sie bestenfalls wissenschaftlich umstritten und schlechtestensfalls haltlos, in jedem Fall aber für Kinder vor der Geschlechtsreife gänzlich irrelevant sind.

"Die Raten von Balanitiden, Zystitiden und Portiokarzinomen" sind, anders als Herr Bayer oh behauptet, eben nicht "unbestreitbar niedriger bei beschnittenen Männern". So gibt es Studien, die beispielsweise in Sachen Balanitis das exakte Gegenteil aufzeigen, nämlich dass die Häufigkeit von Balanitiden bei beschnittenen Jungen höher ist als bei unbeschnittenen Jungen (1).

Die Niederländische Gesellschaft für Chirurgie weist in ihrer gemeinsamen Stellungnahme zur Beschneidung mit dem Niederländischen Ärztebund die hier aufgelisteten "Vorteile" vollständig zurück:

"Darüber hinaus werden die Studien über die HIV-Prävention durch Zirkumzision im Afrika südlich der Sahara durchgeführt, wo die Übertragung des Virus hauptsächlich über heterosexuelle Kontakte erfolgt. In der westlichen Welt ist die HIV-Übertragung dagegen viel öfter die Folge homosexueller Kontakte und der Verwendung kontaminierter Nadeln. Dass die Beziehung zwischen HIV-Übertragung und der Zirkumzision zumindest es unklar ist, wird durch die Tatsache verdeutlicht, dass die USA sowohl eine hohe Prävalenz von STDs und HIV-Infektionen als auch einen hohen Prozentanteil routinemäßige Zirkumzisionen hat. Die Situation in den Niederlanden ist genau umgekehrt: eine niedrige Prävalenz von HIV/Aids zusammen mit einer relativ geringen Anzahl Zirkumzisionen. Daher scheinen auch Verhaltensfaktoren eine viel bedeutender Rolle zu spielen als die Frage, ob man eine Vorhaut hat oder nicht.

Ferner gibt es Hinweise dafür, dass die Zirkumzision Schutz gegen Beschwerden wie HPV-Infektionen, Harnwegsinfektionen und Peniskrebs bietet. Auch diese Studien sind jedoch umstritten. Darüber hinaus können Harnwegsinfektionen mit moderner Gesundheitsversorgung leicht behandelt werden." (2)

Auch muss man sich über die Formulierungsweise der Kommentatoren wundern. Eine Formulierungsweise, die vorsichtig formuliert einen Mangel an Fachwissen offenbart, der weit über das Thema Beschneidung hinausgeht.

Herr Kahil behauptet, die "Portiokarzinomrate bei jüdischen und muslimischen Frauen viel geringer ist als in den westlichen Industrieländern". Die "amerikanischen Ärzte" hätten "diese Tatsache bereits vor Jahren erkannt und statistisch bewiesen". Statistisch bewiesen? Was soll das heißen? Und wer sind diese ominösen "amerikanischen Ärzte"? Meint Herr Kahil etwa mit seinem s t a t i s t i s c h e n B e w e i s eine k l i n i s c h e Studie? Kennt Herr Kahil obwohl er Arzt und promoviert ist den Unterschied nicht zwischen einer Statistik und einer klinischen Studie und hat auch nur eine geringe Ahnung was evidenzbasierte Medizin ist und auf welcher Grundlagen sie beruht? Und wenn Herr Kahill es drauf ankommt, er liegt falsch. Tatsächlich haben amerikanische Ärzte schon vor Jahren, "die Tatsache erkannt", und in klinischen Studien "statistisch bewiesen", dass die Beschneidung die Portiokarzinomrate nicht sinkt.

So stellen Stern und Neely bereits 1962 in ihrer Studie fest:
„Die Erkennungsrate für den Gebärmutterhalskrebs unter nicht-Jüdischen Frauen mit beschnittenen Ehepartnern, unterschied sich nicht von der Rate unter nicht-jüdischen Frauen mit unbeschnittenen Ehemännern. Desweiteren stellte sich heraus, dass der Gebrauch eines Präservativs seitens des Ehepartners, das den gleichen Effekt wie die Beschneidung hat insofern, dass es die Gebärmutter vor Kontakt mit Smegma schützt, in keinem Zusammenhang mit unterschiedlichen Raten von Gebärmutterhalskrebs steht." (3)

Die Studien von Aitkin-Swan u. Baird (4), Terris und Wilson et al (5) bestätigen diese Ergebnisse.

Herr Bayer versucht es seinen Vorredner an kühnen und unsinnigen Behauptungen gleichzutun, und behauptet allen ernstes nicht nur, "daß beschnittene Männer über alles gesünder sind, sauberer sind", sondern auch "nicht nur weniger, sondern garnicht mehr krebserregend für Partnerinnen und Partner". "Garnicht mehr krebserregend für ihre Partnerinnen und Partner". Was ist soll denn das heißen? Dass Partnerinnen von beschnittenen Männern etwa keinen Gebärmutterkrebs bekommen können, was unzweifelhaft falsch ist? (6) Oder das Männer bzw. ihre Penisse "krebserregend" seien, sodass sie einer Operation bedürfen um "unschädlich" gemacht zu werden. Nicht der Mann ist krebserregend, genauso wenig ist es sein Penis, seine Vorhaut, auch nicht sein Smegma, sondern die Humane Papillomviren (HPV).

Die HPV-Schutzimpfung senken das Zervixkrebs-Risiko eben nicht um mal "hochgerechnet 5%" sondern drastisch um 70- 90% (7). Woher nimmt Herr Bayer nur diesen Wert?

Alles in allem fragt man sich, warum die Herren trotz der nachweisbaren fehlenden Fachkenntnis sich derart exponiert äußern.

Einzelnachweise: .
1. Van Howe RS. Clin Pediatr (Phila). 2007 May;46(4):329-33. Neonatal circumcision and penile inflammation in young boys.
2. Non-therapeutic circumcision of male minors. Utrecht, Royal Dutch Medical Association, 2010.
3.Stern P, Neely PM. Cancer of the cervix in reference to circumcision and marital history. J Am Med Womens Assoc 1962;17(9):738-40.
4. Aitken-Swan J, Baird D. Circumcision and cancer of the cervix. Brit J Cancer 1965;XIX(2):217-26.
5. Terris M, Wilson F, Nelson Jr, JH. Relation of circumcision to cancer of the cervix. Am J Obstet Gynecol 1973;117(8):1056-66.
6.. Sowohl Stern und Neely (1962) Aitkin-Swan (1965), Terris und Wilson (1973) stellen Cervixkrebs bei den Partnerinnen beschnittener Männer fest.
7. Paavonen J, Naud P, Salmeron J, et. al. Efficacy of human papillomavirus (HPV)-16/18 AS04-adjuvanted vaccine against cervical infection and precancer caused by oncogenic HPV types (PATRICIA): final analysis of a double-blind, randomised study in young women. Lancet 2009 374:301-31

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korrigierte Version
Kahled
am Sonntag, 7. April 2013, 05:12

Die Beschneidung und ihre fragwürdigen Vorteile - Eine Replik auf Kairoprax und Ramzi Kahlil

Die die Kommentare von Dr. Karlheinz Bayer und Dr. Ramzi Kahlil lösen doch einiges ungläubiges Staunen aus. Diese Kommentare beruhen mehr Emotionalität,und fehlendem Fachwissen bezüglich der Zirkumzision und deren Auswirkungen.

Herr Bayer und Herr Kahil zählen die bekannten Vorteile auf, die der Zirkumzision zugeschrieben werden verringertes Risiko für HIV-Infektionen, Gebärmutterhalskrebs ("Portiokarzinomrate") bei der Partnerin, Peniskrebs, Harnwegsinfektionen und sowie die diffuse Behauptung einer verbesserten Hygiene. Das Problem an diesen Vorteilen ist: Sie bestenfalls wissenschaftlich umstritten und schlechtstensfalls haltlos, in jedem Fall aber für Kinder vor der Geschlechtsreife gänzlich irrelevant sind.

"Die Raten von Balanitiden, Zystitiden und Portiokarzinomen" sind, anders als Herr Bayer oh behauptet, eben nicht "unbestreitbar niedriger bei beschnittenen Männern". So gibt es Studien, die beispielsweise in Sachen Balanitis das exakte Gegenteil aufzeigen, nämlich dass die Häufigkeit von Balanitiden bei beschnittenen Jungen höher ist als bei unbeschnittenen Jungen (1).

Die Niederländische Gesellschaft für Chirurgie weist in ihrer gemeinsamen Stellungnahme zur Beschneidung mit dem Niederländischen Ärztebund die hier aufgelisteten "Vorteile" vollständig zurück:

"Darüber hinaus werden die Studien über die HIV-Prävention durch Zirkumzision im Afrika südlich der Sahara durchgeführt, wo die Übertragung des Virus hauptsächlich über heterosexuelle Kontakte erfolgt. In der westlichen Welt ist die HIV-Übertragung dagegen viel öfter die Folge homosexueller Kontakte und der Verwendung kontaminierter Nadeln. Dass die Beziehung zwischen HIV-Übertragung und der Zirkumzision zumindest es unklar ist, wird durch die Tatsache verdeutlicht, dass die USA sowohl eine hohe Prävalenz von STDs und HIV-Infektionen als auch einen hohen Prozentanteil routinemäßige Zirkumzisionen hat. Die Situation in den Niederlanden ist genau umgekehrt: eine niedrige Prävalenz von HIV/Aids zusammen mit einer relativ geringen Anzahl Zirkumzisionen. Daher scheinen auch Verhaltensfaktoren eine viel bedeutender Rolle zu spielen als die Frage, ob man eine Vorhaut hat oder nicht.

Ferner gibt es Hinweise dafür, dass die Zirkumzision Schutz gegen Beschwerden wie HPV-Infektionen, Harnwegsinfektionen und Peniskrebs bietet. Auch diese Studien sind jedoch umstritten. Darüber hinaus können Harnwegsinfektionen mit moderner Gesundheitsversorgung leicht behandelt werden." (2)

Auch muss man sich über die Formulierungsweise der Kommentatoren wundern. Eine Formulierungsweise, die vorsichtig formuliert einen Mangel an Fachwissen offenbart, der weit über das Thema Beschneidung hinausgeht.

Herr Kahil behauptet, die "Portiokarzinomrate bei jüdischen und muslimischen Frauen viel geringer ist als in den westlichen Industrieländern". Die "amerikanischen Ärzte" hätten "diese Tatsache bereits vor Jahren erkannt und statistisch bewiesen". Statistisch bewiesen? Was soll das heißen? Und wer sind diese ominösen "amerikanischen Ärzte"? Meint Herr Kahil etwa mit seinem s t a t i s t i s c h e n B e w e i s eine k l i n i s c h e Studie? Kennt Herr Kahil obwohl er Arzt und promoviert ist den Unterschied nicht zwischen einer Statistik und einer klinischen Studie und hat auch nur eine geringe Ahnung was evidenzbasierte Medizin ist und auf welcher Grundlagen sie beruht? Und wenn Herr Kahill es drauf ankommt, er liegt falsch. Tatsächlich haben amerikanische Ärzte schon vor Jahren, "die Tatsache erkannt", und in klinischen Studien "statistisch bewiesen", dass die Beschneidung die Portiokarzinomrate nicht sinkt.

So stellen Stern und Neely bereits 1962 in ihrer Studie fest:
„Die Erkennungsrate für den Gebärmutterhalskrebs unter nicht-Jüdischen Frauen mit beschnittenen Ehepartnern, unterschied sich nicht von der Rate unter nicht-jüdischen Frauen mit unbeschnittenen Ehemännern. Desweiteren stellte sich heraus, dass der Gebrauch eines Präservativs seitens des Ehepartners, das den gleichen Effekt wie die Beschneidung hat insofern, dass es die Gebärmutter vor Kontakt mit Smegma schützt, in keinem Zusammenhang mit unterschiedlichen Raten von Gebärmutterhalskrebs steht." (3)

Die Studien von Aitkin-Swan u. Baird (4), Terris und Wilson et al (5) bestätigen diese Ergebnisse.

Herr Bayer versucht es seinen Vorredner an kühnen und unsinnigen Behauptungen gleichzutun, und behauptet allen ernstes, nicht nur "daß beschnittene Männer über alles gesünder sind, sauberer sind", sondern auch "nicht nur weniger, sondern garnicht mehr krebserregend für Partnerinnen und Partner". "Garnicht mehr krebserregend für ihre Partnerinnen und Partner". Was ist soll denn das heißen? Dass Partnerinnen von beschnittenen Männern etwa keinen Gebärmutterkrebs bekommen können, was unzweifelhaft falsch ist? (6) Oder das Männer bzw ihre Penisse "krebserregend" seien, sodass sie einer Operation bedürfen um "unschädlich" gemacht zu werden. Nicht der Mann ist krebserregend, genauso wenig ist es sein Penis, seine Vorhaut, auch nicht sein Smegma, sondern die Humane Papillomviren (HPV).

Die HPV-Schutzimpfung senken das Zervixkrebs-Risiko eben nicht um mal "hochgerechnet 5%" sondern drastisch um 70- 90% (7). Woher nimmt Herr Bayer nur diesen Wert?

Alles in allem fragt man sich, warum die Herren trotz der nachweisbaren fehlenden Fachkenntnis sich derart exponiert äußern.

Einzelnachweise: .
1. Van Howe RS. Clin Pediatr (Phila). 2007 May;46(4):329-33. Neonatal circumcision and penile inflammation in young boys.
2. Non-therapeutic circumcision of male minors. Utrecht, Royal Dutch Medical Association, 2010.
3.Stern P, Neely PM. Cancer of the cervix in reference to circumcision and marital history. J Am Med Womens Assoc 1962;17(9):738-40.
4. Aitken-Swan J, Baird D. Circumcision and cancer of the cervix. Brit J Cancer 1965;XIX(2):217-26.
5. Terris M, Wilson F, Nelson Jr, JH. Relation of circumcision to cancer of the cervix. Am J Obstet Gynecol 1973;117(8):1056-66.
6.. Sowohl Stern und Neely (1962) Aitkin-Swan (1965), Terris und Wilson (1973) stellen Cervixkrebs bei den Partnerinnen beschnittener Männer fest.
7. Paavonen J, Naud P, Salmeron J, et. al. Efficacy of human papillomavirus (HPV)-16/18 AS04-adjuvanted vaccine against cervical infection and precancer caused by oncogenic HPV types (PATRICIA): final analysis of a double-blind, randomised study in young women. Lancet 2009 374:301-31
Mathilda
am Samstag, 23. März 2013, 16:24

Warum Säuglinge bzw. Kinder beschneiden,

wenn ein eventueller Nutzen erst bei sexuell aktiven Männern zum Tragen kommt? Dann kann doch die Beschneideung - wie in der Diskussion in Deutschland gefordert - ohne weiteres auf den Zeitpunkt der religiösen (und sexuellen) Mündigkeit gelegt werden, also irgendwann zwischen dm 14. Lebensjahr und der Volljährigkeit. Oder anders: wer als Mann seine Partnerin vor Krebserkrankungen schützen will, kann sich doch dann beschneiden lassen.

Oder würden Männer darauf wohl doch mehrheitlich verzichten, weil sie die postoperativen Schmerzen fürchten? Säuglingen und kleinen Kindern tun sie diese aber an?
kairoprax
am Samstag, 23. März 2013, 16:17

Vorurteile und Strimmungmaxche gegen die Beschneidung


Wenn jemand bei der Beschneidung von "Amputation gesunden Gewebes" spricht und die unbestreitbar niedrigeren Raten von Balanitiden, Zystitiden und Portiokarzinomen als "cultural bias" bezeichnet, hat er eine Absicht.

Wenn sich aber die Vorhaut-Bewahrungs-Seite tatsächlich dem wissenschaftlichen Vergleich stellen will, dann bleibt ihr nichts anderes übrig, als anzuerkennen, daß beschnittene Männer über alles gesünder sind, sauberer und nicht nur weniger, sondern garnicht mehr krebserregend für Partnerinnen und Partner. Wer auch das bestreiten will, dem ist nicht mehr zu helfen.

Den Verlust der Vorhaut als Verunstaltung, Verkrüppelung oder Raub an sexueller Empfindsamkeit zu bezeichnen, ist hahnebüchen. Die seelische Traumatisierung beschnittener Jungen habe ich bisher nur in Diskussionsrunden mit Beschneidungsgegnern erlebt, aber nie im Gespräch mit Beschnittenen.

Etwa ein Drittel bis ein Viertel der männlichen Weltbevölkerung ist beschnitten, das heißt der Datensatz wäre ausreichend, um schwerwiegende, häufige, regelmäßige Traumata, seelisch wie körperlich, nachweisen zu können. Nichts liegt vor.

Die Diskussion ist erkennbar ideologisch und keineswegs medizinisch.
Die Kinderärzte streiten nicht, sie suchen den Streit, und es sind auch keineswegs "die" Kinderärzte, sondern es sind Kinderärzte.

Es gibt Kinderärzte, die kleine Mädchen gegen das papilloma-Virus impfen, hohe Kosten und noch immer unbekannte Nebenwirkungen in Kauf nehmend, um das Portio-Karzinomrisiko um mal eben hochgerechnet 5% zu senken. Warum legt man denselben Maßstab nicht an die Risikominderung durch die Beschneidung an?

Dr.Karlheinz Bayer, Bad Peterstal
Ramzi Khalil
am Samstag, 23. März 2013, 11:32

Kinderärzte streiten über medizinische Beschneidung bei Jungen

Mich wundert, dass bei der Debatte über die Beschneidung von Jungen noch nicht
auf die Tatsache eingegangen wurde, dass abgesehen von Hygiene- Gründen,
der geringer HIV- Ansteckung, Peniskarzinomrate, Balanitis und Harnwegsinfekten bei Beschnittenen, die Portiokarzinomrate bei jüdischen und muslimischen Frauen viel geringer ist als in den westlichen Industrieländern, was eindeutig auf die Beschneidung zurückzuführen ist. Die amerikanischen Ärzte haben diese Tatsache bereits vor Jahren erkannt und statistisch bewiesen. Einen Grund des Portiokarzinoms sahen die amerikanischen Kollegen im unter dem Präputium sich ansammlnden Smagma. Der "hohe Hygiene- Standard" ist nur
relativ und individuell anzusehen. Welcher Arzt hat das nich anders erlebt und
katastrophale hygienische Mängel unter dem Präputium festgestellt?
Meiner Meinnung nach überwiegen die Vorteile einer Beschnidung einer ärzlich- chirugisch durchgeführten Circumcision unter Beachtung hoher Hygiene Standards der Nachteile.
R. Khalil.Facharzt für Chirurgie
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