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EMA und FDA untersuchen Pankreasrisiken von GLP-1-basierten Therapien

Dienstag, 26. März 2013

London – Nach der US-amerikanischen Arzneibehörde FDA hat jetzt auch die Europä­ische Arzneimittel-Agentur EMA eine Sicherheitsprüfung zu GLP-1-basierten Therapien eingeleitet, die in einer aktuellen Autopsiestudie in Diabetes (2013, doi: 10.2337/db12-1686) mit einer deutlichen Vergrößerung des endokrinen und exokrinen Pankreas sowie prämalignen Läsionen assoziiert waren.

In den letzten Jahren sind eine Reihe neuer Antidiabetika eingeführt worden, die wie das körpereigene Darmhormonen GLP-1 (Glucagon-like Peptid 1) die Insulinbildung im Pankreas fördern – zu diesen Inkretinmimetika gehören Exenatid, Liraglutid und Lixisenatid. Eine zweite Gruppe erzielt die gleiche Wirkung, indem es den enzymatischen Abbau von GLP-1 hemmt.

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Zu diesen Wirkstoffen gehören die DPP-4-Inhibitoren Sitagliptin, Saxagliptin, Vildagliptin und Linagliptin. Alle Wirkstoffe haben sich in randomisierten klinischen Studien als sicher erwiesen, dort wurden sie allerdings nur über eine begrenzte Zeit untersucht, so dass eventuelle langfristigen Folgen unter Umständen nicht erkannt wurden.

Schon in den tierexperimentellen Studien war aufgefallen, dass Sitagliptin und Exenatid verdächtige Veränderungen im exokrinen Drüsengewebe hinterlassen können. Deshalb müssen Berichte über Pankreatitiden unter der Therapie die Arzneimittelbehörden aufschrecken. Die FDA hatte bereits 2009 auf die Komplikation hingewiesen, bei denen es sich zunächst um Einzelfällen zu handeln schien.

Dem widersprach vor wenigen Wochen eine in JAMA Internal Medicine 2013; doi: 10.1001/jamainternmed.2013.2720) publizierte Fall-Kontroll-Studie. Sie brachte den Einsatz der GLP-1-basierten Therapien mit einer Verdopplung von schweren Pankreatitiden (mit Hospitalisierung) in Verbindung. Jetzt ist eine weitere beunruhigende Studie erschienen: Das Team um Alexandra Butler von der David Geffen School of Medicine in Los Angeles hatte das Pankreas von acht Personen untersucht, die über längere Zeit eine GLP-1-basierte Therapie erhalten hatten.

Die Untersuchungen waren durchgeführt worden, weil die Patienten verstorben waren und jetzt auf ihre Eignung als Organspender geprüft wurden. Butler entdeckte, dass die Pankreasmasse der Patienten um 40 Prozent größer war als bei Organspendern, die vor dem Tod nicht an einem Diabetes gelitten hatten oder als Diabetiker keine GLP-1-basierten Therapien erhalten hatten.

Neben der Vergrößerung des exokrinen Pankreas wurden auch im endokrinen Pankreas Veränderungen gefunden. Drei der acht Patienten wiesen Mikroadenome auf, einer einen neuroendokrinen Tumor. Damit steht der Verdacht im Raum, dass die GLP-1-basierten Therapien im Pankreas langfristig die Bildung von Tumoren fördern könnten.

FDA und EMA haben deshalb Untersuchungen eingeleitet, die in einer neuen Risikobewertung der Medikamente münden könnten. Beide Behörden warnen jedoch vor einer Vorverurteilung und sehen derzeit keinen Grund, den Einsatz der Medikamente einzuschränken.

Das US-National Cancer Institute veranstaltet im Juni einen Workshop zum möglichen Einfluss von Diabetes und Antidiabetika auf Pankreatitis und Pankreasmalignome. In Europa beschäftigt sich derzeit eine Studie (SAFEGUARD) des European Network of Centres for Pharmacoepidemiology and Pharmacovigilance mit der Angelegenheit. © rme/aerzteblatt.de

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