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Miravirsen: Hepatitis C-Wirkstoff senkt auch Cholesterin

Donnerstag, 28. März 2013

Rotterdam – Zu den Werkzeugen der Zellen, die Viren für ihre Replikation nutzen, gehören sogenannte Micro-RNA, die sich deshalb als Ansatzpunkt für neuartige Virustatika eignen. Der Wirkstoff eines dänischen Herstellers hat sich in einer Phase-II-Studie im New England Journal of Medicine (2013; doi: 10.1056/NEJMoa1209026) jetzt als wirksam erwiesen.

Miravirsen ist ein Antisense-Oligonukleotid. Es besteht aus der Abfolge von 15 Genbau­steinen, die komplementär zur MicroRNA-122 sind. Miravirsen bindet MicroRNA-122 und neutralisiert dessen Wirkung in der Zelle. Dadurch wird unter anderem die Replikation von Hepatitis-C-Viren in den Zellen empfindlich gestört. Diese Wirkung ist allerdings nur zu erwarten, wenn Miravirsen nach der subkutanen Injektion auch die Leberzellen erreicht und von ihnen aufgenommen wird.

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Dies gelang den Wissenschaftlern der Firma Santaris Pharma aus Hørsholm (zwischen Kopenhagen und Helsingør) durch eine chemische Modifikation des Antisense-Moleküls. Miravirsen gehört zur Gruppe der Locked Nucleic Acid (LNA), die im Körper über längere Zeit stabil sind.

Antisense-Moleküle sind keine Science Fiction. Im Januar wurde in den USA der erste Wirkstoff dieser Art zugelassen: Mipomersen hemmt die Bildung von Apolipoprotein B und gehört zu den stärksten bekannten Cholesterinsenkern. Zugelassen ist es zur Behandlung der familiären Hypercholesterinämie. Auch Miravirsen senkt den Cholesterin­spiegel um etwa 25 Prozent. Sein Haupteinsatzgebiet soll aber die Behandlung der chronischen Hepatitis C werden.

Die Möglichkeiten wurden in einer Phase-2a-Studie ausgelotet, deren Ergebnisse jetzt vorliegen. Harry Janssen von der Erasmus Universität Rotterdam und Mitarbeiter berichten über 38 nicht vorbehandelte Patienten mit Hepatitis C, die im Verlauf von 29 Tagen 5 subkutane Injektion mit Miravirsen in drei verschiedenen Dosierungen oder Placebo erhalten hatten.

Die Therapie wurde laut Janssen gut vertragen und obwohl die Patienten zunächst keine weiteren Virusmedikamente (Interferon, Ribavirin) erhielten, kam es zu einer deutlichen Hemmung der Virusreplikation. Unter der höchsten Dosierung waren bei vier von neun Patienten nach der kurzen Behandlungszeit keine Viruspartikel mehr im Blut nach­weisbar.

Nach dem Ende der Therapie kam es zwar zu einem Rückfall, so dass das Medikament allein die Erkrankung vermutlich nicht ausheilen kann. Die rasche Wirkung und die gute Verträglichkeit könnten Miravirsen aber zu einem wertvollen Bestandteil künftiger Therapien machen, die heute immer häufiger auf die Ausheilung zielt.

Dies ist bisher nicht immer und oft erst nach einer jahrelangen Therapie möglich, so dass die Editorialistin Judy Lieberman von der Harvard Medical School in Boston durchaus einen Stellenwert für den neuen Wirkstoffs sieht, der freilich in weiteren klinischen Studien seine Wirksamkeit und Sicherheit endgültig unter Beweis stellen muss.

© rme/aerzteblatt.de

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