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Mukoviszidose: Resistente Mykobakterien mit epidemischen Eigenschaften

Dienstag, 2. April 2013

Cambridge – Nichttuberkulöse Mykobakterien, die aufgrund ihrer Antibiotikaresistenz die Behandlung von Patienten mit Mukoviszidose zunehmend erschweren, können entgegen bisherigen Annahmen von Patient zu Patient übertragen werden. Eine Studie im Lancet (2013; doi: 10.1016/S0140-6736(13)60632-7) belegt zwei Ausbrüche an einem britischen Behandlungszentrum, das alle Hygienemaßnahmen eingehalten haben will.

Am Papworth Hospital der Cambridge Universität werden alle Mukoviszidose-Patienten in Einzelzimmern behandelt. Auch bei der ambulanten Betreuung achtet die Klinik strikt darauf, dass die Patienten nicht zusammentreffen. Die Leitlinie des UK Cystic Fibrosis Trust rät den Patienten, auch privat den Kontakt zu anderen Patienten zu meiden.

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Ein Grund ist die zunehmende Zahl von Infektionen mit nichttuberkulösen Mykobakterien, die aufgrund von Antibiotikaresistenzen schwierig zu behandeln sind. In den Focus gera­ten ist hier in den letzten Jahren Mycobacterium abscessus, ein entfernter Verwand­ter des Tuberkulose-Erregers, der bei Patienten mit Mukoviszidose schwere Schäden an den Lungen hinterlässt und eine sichere Lungentransplantation verhindern kann.

Die Infektion erfordert häufig den Einsatz von toxischen Antibiotikakombinationen, die auch nach längerer Therapie oft erfolglos bleiben. Der Erreger wird an einigen Zentren in den USA und Europa inzwischen bei 3 bis 10 Prozent aller Patienten nachgewiesen.

Bislang gingen die Experten davon aus, dass M. abscessus, der im Erdreich und verun­reinigtem Wasser enthalten ist, nicht von Person zu Person übertragen werden kann. Doch die Sequenzierung des Erreger-Genoms in 168 Isolaten am Papworth Hospital belegt jetzt das Gegenteil. Die Bakterien waren bei 31 Patienten nachgewiesen worden. Darunter waren Erreger der Subspecies M. abscessus massiliense, deren Gensequenz in den Isolaten verschiedener Patienten nahezu identisch war.

Für das Team um Andres Floto vom Papworth Hospital beweist dies, dass die Patienten die Erreger nicht unabhängig voneinander erworben haben, sondern sich gegenseitig angesteckt haben müssen. Die Forscher konnten aufgrund der Genomdaten retro­spektiv zwei Ausbrüche rekonstruieren, die sich vermutlich innerhalb der Klinik ereignet haben (sofern die Patienten nicht ohne Wissen der Ärzte privat Kontakt zueinander hatten). Für die Übertragung spricht auch, dass die Erreger mit Resistenzen gegen Langzeitmakrolide oder Aminoglykoside auch bei Patienten nachgewiesen wurden, die zuvor nicht mit diesen Antibiotika behandelt worden waren.

Die Klinik hat die Gesundheitsbehörden informiert und der UK Cystic Fibrosis Trust denkt bereits über eine Verbesserung der Hygienemaßnahmen nach. Nach Erfahrung der Editorialisten Brian O'Sullivan und Christopher Sassetti von der University of Massa­chusetts Medical School, Worcester, ist es im realen Lebens jedoch schwierig, die einzelnen Patienten voneinander zu isolieren.

Selbst in der Klinik könne es kaum verhindert werden, dass die Patienten nachts oder an den Wochenenden die Cafeteria aufsuchen und dort auf andere Patienten treffen. Mykobakterien können dort per Tröpfcheninfektion von einem Patienten auf den anderen übertragen werden. © rme/aerzteblatt.de

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