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Internisten: Interdisziplinäres Denken schärfen

Freitag, 5. April 2013

Köln – Das Bewusstsein für interdisziplinäres Denken zu schärfen, fordert Elisabeth Märker-Hermann, erste weibliche Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin. Im Vorfeld des Internistenkongresses verweist die Rheumatologin im Interview mit dem Deutschen Ärzteblatt auf ein Beispiel aus ihrem Fachgebiet.

So wisse man heute, dass die rheumatoide Arthritis ein unabhängiger Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen ist. Dieses Risiko sei doppelt so hoch wie das der gesunden Bevölkerung und entspricht dem kardiovaskulären Risiko bei Diabetes. „Rheumapatienten leiden somit nicht zufällig an einer koronaren Herzkrankheit, beide Erkrankungen sind vielmehr das Resultat einer gemeinsamen pathogenetischen Strecke, die von Ärzten aller Fachrichtungen berücksichtigt werden muss“, sagt Märker-Hermann.

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Daher sollte ein Rheumatologe seine Patienten immer nach bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen fragen – insbesondere, wenn er Arzneimittel verordnet, die potenziell mit dem Herz-Kreislauf-System interagieren, wie zum Beispiel NSAR. Umgekehrt müsse ein Kardiologe bei der Anamnese nicht nur nach Hypertonie und Diabetes fahnden, sondern auch nach einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung.

Interview mit Prof. Dr. med. Elisabeth Märker-Hermann, Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin: „Viele Erkrankungen müssen systemisch neu bewertet werden“

Im Vorfeld des Internistenkongresses erläutert die Wiesbadener Rheumatologin, wie chronische Entzündungsreaktionen nicht nur die Gelenke, sondern auch andere Organsysteme in Mitleidenschaft ziehen und als Komorbidität auftreten.

Dies gelte ebenso für die Anamnese von „Volkskrankheiten“ wie Übergewicht, metabo­lisches Syndrom oder chronisch-obstruktive Lungenerkrankungen, die alle mit einer unterschwelligen Entzündung einhergehen. „Unter diesem Aspekt müssen viele Erkrankungen systemisch neu bewertet werden“ betont die DGIM-Vorsitzende.

Die Rheumatologin betonte erneut die Notwendigkeit der Versorgungsforschung in der Inneren Medizin. „Wir benötigen gerade bei komplexen und chronischen Erkrankungen mehr Forschung, um die Fragen nach der Versorgung unserer Bevölkerung im ambulanten und stationären Bereich beantworten zu können“, so Märker-Hermann. 

Im Hinblick auf die Koordination zwischen ambulanter und stationärer Versorgung beim multimorbiden Patienten habe die Kommission ‚Struktur und Versorgung‘ der DGIM  vorgeschlagen, derartige Fragen in einer Modellregion über zwei Jahre zu klären. „Hier arbeiten wir eng mit dem Berufsverband Deutscher Internisten zusammen.

Die Idee ist, problemorientierte und patientenzentrierte Versorgungspfade zu entwickeln: wann hausärztliche Versorgung, wann welcher internistische Schwerpunkt oder angrenzende medizinische Disziplinen, wann stationäre Therapie. Es herrscht so viel Unsicherheit, wann welche Stufe eingeschaltet werden sollte, nicht nur in der Rheumatologie“, so Märker Hermann zum Deutschen Ärzteblatt.

© zyl/aerzteblatt.de

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H.-D. Falkenberg
am Sonntag, 7. April 2013, 20:00

Internisten: Interdisziplinäres Denken schärfen

Es reicht nicht aus, innerhalb der Ärzteschaft diesen Austausch vor zu nehmen. Insbesondere im Hinblick auf die demografische Entwicklung und die damit im Zusammenhang stehende Multimorbität muss das "interdisziplinäre Denken" auf die Pflege und Betreuung alter Menschen ausgedehnt werden. In vielen meiner Vorträge mit dem Thema "Pflegefall, was nun?" oder "Es muss nicht immer Altenheit sein!" musste ich nicht nur eine Hilflosigkeit bei den direkt Betroffenen (Pflegebedürtige, Verwandte, Freunde, Bekannte) feststellen, sondern auch bei den behandelnden Ärzte, Therapeuten und ihnen nahstehender Berufsgruppen im Gesundheitswesen. Daher halte ich die Aufklärung über die Möglichkeiten der Pflege und deren Finanzierung, die z.B. das Sozialgesetzbuch V (Pflegeversicherung) bietet, für dringend notwendig.

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