Medizin

WHO-Studie: Kalium in der Nahrung senkt Schlaganfallrisiko

Freitag, 5. April 2013

Genf – Nicht nur ein Überfluss an Natrium in der Nahrung kann den Blutdruck erhöhen und das Herz-Kreislauf-Risiko steigern. Auch ein Mangel an Kalium ist nach einer Meta-Analyse im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2013; 346: f1378) eine mögliche Ursache für den Bluthochdruck und ein Risikofaktor für Schlaganfälle. Die Weltgesundheits­organisation (WHO) hat deshalb kürzlich Empfehlungen zur Steigerung der Kaliumzufuhr mit der Nahrung vorgestellt.

Über die Auswirkungen von Natrium und Kochsalz auf das Herz-Kreislauf-System wurde in den letzten Jahren viel publiziert. Erst vor zwei Wochen wurde auf einer Fachtagung der American Heart Association vor den Folgen der exzessiven Kochsalzzufuhr gewarnt, die nach den Berechnungen von Epidemiologen jedes Jahr für 2,3 Millionen kardiale Todesfälle verantwortlich ist.

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Die WHO hat in einer kürzlich veröffentlichten Leitlinie die Bevölkerung aufgefordert, die tägliche Natriumzufuhr auf 2 Gramm und die Kochsalzzufuhr auf 5 Gramm am Tag zu beschränken. Gleichzeitig wurde erstmals eine Leitlinie zur Kaliumzufuhr veröffentlicht. Kalium ist in vielen Aspekten des Stoffwechsels ein Gegenspieler von Natrium und frühere Untersuchungen hatten bereits gezeigt, dass ein Mangel negative Auswirkungen auf den Blutdruck haben kann.

Tatsache ist auch, dass die heutige Bevölkerung immer weniger Kalium mit der Nahrung aufnimmt. In den meisten Ländern beträgt die Zufuhr weit unter 120 mmol/die (3,51 Gramm), die die WHO jetzt als empfohlene tägliche Mindestzufuhr betrachtet. Der Kaliummangel hat seine Ursache am steigenden Anteil an Fertignahrungsmitteln, bei deren Herstellung Kalium häufig verloren geht. Außerdem sind ausgesprochen kaliumreiche Nahrungsmittel wie Bohnen und Erbsen, Nüsse, Gemüse (Spinat, Kohl und Petersilie) oder Obst (Bananen, Papayas und Datteln) vom Speiseplan vieler Menschen verschwunden.

Die negativen Auswirkungen eines Kaliummangels sind lange bekannt. Dennoch hielten sich Ärzte mit ihren Empfehlungen zurück. Hierbei spielte sicherlich die Befürchtung eine Rolle, dass eine zu hohe Kaliumzufuhr mit der Nahrung die Kaliumkonzentration in Blut steigen lässt. Eine Hyperkaliämie aber kann zu Herzrhythmusstörungen führen, die sich ohne Vorwarnung als Herz-Kreislauf-Stillstand manifestieren können. Das Risiko besteht allerdings nur bei Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion. Eine gesunde Niere ist auch bei einer höheren Kaliumzufuhr mit der Nahrung in der Lage, den Kaliumspiegel im Blut zu regulieren.

Für die jetzige Empfehlung haben Nancy Aburto vom Department of Nutrition for Health and Development der WHO in Genf insgesamt 33 Studien mit über 128.000 Teilnehmern ausgewertet. Darunter waren 22 randomisierte kontrollierte Studien mit 1.606 Teilnehmern, die eine blutdrucksenkende Wirkung einer vermehrten Kaliumzufuhr belegen. Der systolische Blutdruck sank in den Studien im Durchschnitt um 3,49 mm Hg, der diastolische Blutdruck ging im Durchschnitt um 1,96 mm Hg zurück. Die Wirkung war dabei auf Patienten mit arterieller Hypertonie beschränkt: Hier erzielte die Zufuhr von 90-120 mmol/die eine beachtliche Reduktion des systolischen Blutdrucks um durchschnittlich 7,16 mm Hg, allerdings ohne Hinweis auf eine dosisabhängige Wirkung. In den Interventionsstudien wurden zudem keine Hinweise auf eine negative Auswirkung von Kalium auf die Nierenfunktion, die Blutlipide oder die Katecholaminkonzentration gefunden. Auch in drei Studien an Kindern wurden keine schädlichen Wirkungen festgestellt.

Aburto fasst danach die Ergebnisse von 11 Kohortenstudien mit 127.038 Teilnehmern zusammen, die die Kaliumzufuhr in der Nahrung mit späteren Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung setzt. Für die Gesamtzahl der Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Herzinfarkte wurde nur ein nicht-signifikanter Trend zu einer protektiven Wirkung gefunden. Die Zahl der Schlaganfälle ging dagegen bei einer hohen Kaliumzufuhr um 24 Prozent zurück (Risk Ratio 0,76; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,70-1,11), so dass die Empfehlung der WHO sich auf auch Daten zu einem „harten Endpunkt“ stützen kann. © rme/aerzteblatt.de

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