Politik

Studie: Bürgerversicherung führt zu Arbeitsplatzabbau

Montag, 8. April 2013

Frankfurt/Main – Die von Opposition und Gewerkschaften geplante Überführung der privaten Krankenversicherung in eine gesetzliche Bürgerversicherung könnte einem Bericht zufolge 100.000 Arbeitsplätze in der privaten Versicherungsbranche kosten. Das meldet die Frankfurter Allgemeine Zeitung vom Montag unter Berufung auf eine unver­öffen­tlichte Studie im Auftrag der Gewerkschaft Verdi und der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

Die Untersuchung sei allerdings noch abgeschlossen, erklärte die Stiftung am Montag. Vielmehr handle es sich „um ein laufendes Projekt, bisher ohne belastbare Ergebnisse“. Bislang liege lediglich ein Entwurf vor, der vom externen Autoren nochmals überarbeitet werden müsse, „weil er der Forschungs-Fragestellung und den Standards, die die Hans-Böckler-Stiftung an eine wissenschaftliche Aufarbeitung stellt, in zentralen Punkten noch nicht genügt“. Sobald die Arbeit abgeschlossen sei, würden die Ergebnisse auch veröffentlicht, hieß es weiter.

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Dem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zufolge würde allein der Stopp des Neugeschäfts der Privatversicherung „innerhalb eines Jahres zum sofortigen Verlust von 25.000 Arbeitsplätzen führen“. Außerdem würden „einige Zehntausend selbstständige Versicherungsvermittler ihre Erwerbsmöglichkeit verlieren“. © dapd/aerzteblatt.de

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Senbuddy
am Dienstag, 9. April 2013, 19:12

Eher mehr Arbeistplätze...

Zwar würde vermutlich der grösste Teil der privaten Krankenversicherungen ohne Vollversicherungen pleite gehen. Und deren Arbeitsplätze würden dann natürlich verloren gehen.

Gesamtwirtschaftlich betrachtet würde es durch eine Bürgerversicherung im Bereich "Finanzierung des Gesundheitswesens" aber durchaus eher mehr Arbeitsplätze als bisher geben. Und zwar durch das dann folgende "Aufblähen" der GKVen.

Denn die GKVen haben jetzt schon mehr als doppelt so viel Personal pro Versichertem wie die GKVen. Z.B. hat die gesetzliche Barmer-GEK 8,7 Mio Vollversicherte auf 15.000 Mitarbeiter, d.h. 580 Versicherte pro Mitarbeiter: Dagegen hat z.B. die private DKV 882 Mitarbeiter auf knapp 900.000 Vollversicherte, also etwas über 1.000 Versicherte pro Mitarbeiter. Und die Mitarbeiter der DKV betreuen zusätzlich auch noch über 4 Mio Zusatzversicherte. Von den Verwaltungskostenvorteilen grosser Organisationen merkt man bei der Barmer also eher gar nichts.

Das geht aber bei tiefer gehender Betrachtung noch viel weiter. Das heisst, die GKVen sind in einem objektiven Vergleich noch einmal wesentlich ineffektiver. Denn bei deren vielen Angestellten ist ja das Personal, welches großenteils mit der Verteilung des Geldes beschäftigt ist (die kassenärztlichen Vereinigungen), noch nicht einmal dabei. Dagegen wird von dem wenigen Personal der PKVen die komplette Leistungsabrechnung im eigenen Hause gemacht. Und sie leisten auch noch deren wesentlich aufwändigeres Inkasso (Private bekommen Ihre Beiträge ja nicht wie die GKVen automatisch und nur von ein paar wenigen Arbeitgebern: Sie müssen es wesentlich aufwändiger von ihren Kunden direkt und einzeln eintreiben).

Die GKVen sind also auch jetzt schon deutlich bürokratischer und umständlicher als die Privaten. Und dieser Hyper - Bürokratismus würde sich durch eine Bürgerversicherung sicher nicht bessern sondern eher verschlimmern (Man hat ja keine private Konkurrenz mehr und muss sich dann endgültig nicht mehr um Effektivität bemühen...).

Die Frage ist nur, ob man in Deutschland noch mehr solcher "Ineffektivität im großen Stil" haben und den GKVen damit noch mehr "Macht im Lande" geben möchte. Wer natürlich meint, dass der Staat (oder seine halbstaatlichen Ableger) alles besser kann als die Privatwirtschaft, der wird das alles vermutlich auch noch gut finden.

Ich bin aber nicht dieser Ansicht.
Viele Grüße
S.
kairoprax
am Montag, 8. April 2013, 15:26

Baut die Bürgerversicherung tatsächlich Arbeitsplätze ab? Nein!

Das Versicherungswesen ist kreativ genug, um einen Arbeitsplatzabbau zu verhindern, auch wenn die Bürgerversicherung kommt.
Wenn das nicht so wäre, wären die Privatversicherungen ohnehin unnötig, oder anders, entweder gibt es einen Bedarf oder nicht. Aber dem ist nicht so.
Das Grundprinzip, daß jeder der medizinische Leitungen in Anspruch nimmt auch versichert sein muß, ist doch eigentlich logisch.
Ich denke, im Gegenteil, die GKV-Kassen werden Einbußen erfahren, wenn sie mit einem Mal auch von Rentnern, Schlechtverdienern oder Kindern Beiträge erheben müssen.
Da dies zumTeil aus staatlichen Quellen passieren soll, wie bei den Kindern, wird man die PKV daran beteiligen müssen. Aus wird es sein mit Ködern für bestimmte Bevölkerungsteilen, die bis dato nur der GKV offen stehen.
Das Kleingedruckte der Bürgerversicherung heißt ja wohl auch, daß die Löhne mindestens so hoch sein werden, daß eine Bürgerversicherung für alle auch bezahlbar sein wird. Das Ende der Agenda.
Und dann gibt es noch die vielen Leistungen, die nach der Einführung der Bürgerversicherung möglich werden. Durch die Bürgerversicherung wird die Pro-Kopfbelastung nämlich spürbar fallen, auf 50-70% schätzt man wohl der bisherigen Beitragshöhe. Dann aber werden 30-50% Geld frei, mit dem sich endlich wieder Zahnersatz, Brillen, Kuren oder Lohnfortzahklung im Krankheitsfall bezahlen lassen, alles Dinge, die es bei der GKV nicht oder nicht mehr ausreichend gibt.
Arbeitsplätze abbauen? Ich bin der festen Überzeugung, daß sich der Versicherungsmarkt zu einem Besseren ändern wird, auch und gerade für die PKV (... die ja, wenn wir ehrlich sind, heute schon die Defizite der GKV ausgeleichen muß).

Dr.Karlheinz Bayer
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