Ärzteschaft

Versorgung von Privat- und Kassenpatienten gleichwertig

Dienstag, 9. April 2013

Frankfurt – Die Landesärztekammer Hessen wehrt sich gegen voreilige Schlüsse aus einer Umfrage zur Terminvergabe bei Kassen- und Privatpatienten. „Entscheidend ist, dass in Deutschland keine Qualitätsunterschiede in der Behandlung von Privat- und Kassenpatienten bestehen“, sagte der hessische Ärztekammerpräsident Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach. I

m Vergleich zu Patienten in anderen EU- und OECD-Staaten hätten deutsche Patienten den freiesten Zugang zu Ärzten und Krankenhäusern wie auch zu medizinischen Innovationen – und all dies unabhängig vom Versichertenstatus. Allerdings seien Serviceunterschiede möglich, da es keinen Anspruch darauf gäbe, dass jeder Patient sofort einen Termin erhalte.

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Er reagierte damit auf eine Studie, welche die Kasseler Bundestagsabgeordneten Nicole Maisch (Grüne) in Auftrag gegeben hatte. Demnach müssen die Kassenpatienten im Schnitt 20 Tage länger auf einen Termin beim Facharzt warten. Dabei gab es aber auch deutliche regionale Unterschiede: Während Kassenpatienten in Hanau im Schnitt 36 Tage länger warteten als die Privatpatienten, waren es in Wiesbaden nur elf. Für die Erhebung riefen Tester in den vergangenen zwei Monaten 470 Facharztpraxen im Land in kurzen Abständen mit der Bitte um einen Termin an und gaben sich dabei je einmal als gesetzlicher und einmal als privat versicherter Patient aus.

„Die aktuelle Studie reiht sich in ähnliche Untersuchungen ein, die vor allem eines deutlich machen: die terminliche Auslastung niedergelassener Ärzte“, sagte von Knoblauch zu Hatzbach. Neben dem zunehmenden Ärztemangel seien eine veraltete Bedarfsplanung und die steigende Morbidität in der Bevölkerung für volle Wartezimmer und für Wartezeiten bei der Terminvergabe verantwortlich.

„Ärzte vergeben Termine nach medizinischen Gesichtspunkten – und dies unabhängig davon, ob ein Patient privat oder gesetzlich krankenversichert ist“, so von Knoblauch zu Hatzbach weiter. In dringenden oder gar lebensbedrohlichen Fällen untersuchten sie die Patienten umgehend. Allerdings seien Ärzte nicht dazu verpflichtet, jeden Patienten sofort an die Reihe zu nehmen. Die Terminvergabe erfolge gemäß der Zeitplanung der jeweiligen Praxis.

Eine Erklärung für die Serviceunterschiede liege in dem Kostendruck in den Praxen, denn die ambulante Versorgung sei seit Jahren unterfinanziert: „Wenn Vertragsärzte ihre wirtschaftliche Existenz allein durch die Behandlung von Kassenpatienten bestreiten müssten, wären viele zur Aufgabe ihrer Praxis gezwungen“, sagte der Kammerpräsident. © hil/aerzteblatt.de

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Dienstag, 6. August 2013, 01:38

Faule Ausreden?

Wie die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/55380/KV-Bayerns-weist-Vorwurf-der-Zwei-Klassen-Medizin-zurueck
"beamt" sich nun auch die Landesärztekammer Hessen aus der Realität. Ausgerechnet deren Ärztekammerpräsident Dr. med. Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach wehrt sich gegen die bevorzugte Terminvergabe bei Privatpatienten gegenüber GKV-Kassen-Versicherten und n i c h t die eigentlich zuständige KV-Hessen. Sein Argument: "Entscheidend ist, dass in Deutschland keine Qualitätsunterschiede in der Behandlung von Privat- und Kassenpatienten bestehen“, war überhaupt nicht Gegenstand der Umfrage zur Terminvergabe bei Kassen- und Privatpatienten. Aber wenn einem die Argumente ausgehen, sagt man einfach irgendetwas, was einem gerade so einfällt.

Die öffentliche Verleugnung von K(l)assenunterschieden im Gesundheitswesen erinnert fatal an die Ausreden bei der Fahrzeugkontrolle eines vollbesetzten Autos wegen überhöhter Geschwindigkeit und Überfahren einer roten Ampel. Der Fahrer zeigt den gefälschten Führerschein seiner neben ihm sitzenden Schwester, weil er selbst nie eine Fahrprüfung bestanden hat und erklärt sich für farbenblind. Die hinten sitzende Mutter behauptet, ihr Sohn könne gar nicht zu schnell gefahren sein, weil nach 4 Flaschen Bier, die er intus habe, sei er immer ganz ruhig und besonnen. Und der schwer-hörige Großvater ruft ganz laut von der Rückbank: "Hab' doch gleich gesagt, dass wir mit einem geklauten Auto nicht weit kommen werden!"

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z. Zt. Orange/F)
jochim1
am Montag, 5. August 2013, 14:10

Psychotherapie

Selbstverstaendlich sind die Wartezeiten fuer kassenpat. laenger, denn durch die Budgetierung sind den Therapeuten genaue Hoechstminutenzahlen zugeteilt. Bei Ueberschreitung erhalt der Therapeut nur ca. 8 Euro fuer die Stunde. In einer solchen Sit. ist es verstaendlich, dass keine neuen kassenpat. angenommen werden und somit natuerlich Privatpat. im Vorteil sind.
Regenbogen1
am Sonntag, 4. August 2013, 12:58

Völlig Realitätsfern

Erst vor kurzem habe ich es selber erlebt. Mit einem akuten Rückenleiden rief ich bei einem Orthopäden an und bat dringend um einen kurzfristigen Termin. Die Dame sagte mir dann, dass sie frühestens in 5 Wochen etwas frei haben. Als ich mich dann als Privatpatient zu erkennen gegeben habe, hieß es plötzlich: Ah, ich sehe, da ist gerade etwas für nächste Woche frei geworden.
Bis vor einem Jahr war ich selber Kassenpatient und der Unterschied bei Wartezeit, Behandlung und Freundlichkeit ist riesig. Wer sollte das besser beurteilen, als Patienten, die beide Seiten erlebt haben? Liebe Ärztekammer, nichts passiert einzig aus medizinischen Gesichtspunkten.
Gurkenkoenig
am Samstag, 3. August 2013, 14:25

Nicht nachvollziehbare Äußerungen der Ärztekammern

Da verschließen die Ärztekammern doch einfach die Augen vor der Realität - oder wie kann es sonst zu der sinngemäßen Aussage kommen: "Mindestens 11 Tage längere Wartezeiten für gesetzlich Versicherte bei der Terminvergabe sind identisch mit der Wartezeit der privat Versicherten"?
Natürlich ist das ein Unterschied, und diesen nun zu negieren, ist einfach lächerlich. Stattdessen hätten doch (auch) die Ärztekammern einen guten Ansatzpunkt dafür, den Ursachen für diese Unterschiede auf den Grund zu gehen und beispielsweise in Richtung der Politik das Problem der Budgetierung etc. (zurück) zu geben.
Ich jedenfalls fühle mich veralbert als gesetzlich Versicherter, dessen Eigenanteil alleine (!) höher ist als es der Beitrag für die private Versicherung wäre, wenn ich ohnehin noch jede Menge sowieso privat bezahlen oder zuzahlen muss und gleichzeitig die privat Versicherten alle denkbaren Untersuchungen kostenlos bekommen.
Klassisches Beispiel, das ich von Frauen kenne: Ultraschall zur Vorsorge. Keine Kassenleistung, sondern die darf man selbst zahlen - als gesetzlich Versicherte. Als privat Versicherte bekommt man "das alles und noch viel mehr" automatisch ohne weitere Zuzahlung.
Auch die Blutuntersuchungen wurden schon erwähnt: Albern, was man da als Kassenpatient bekommt in der zweijährlichen "Vorsorge". Selbst bei Beschwerden werden nur die wenigsten Werte bestimmt, sodass man mitunter monatelang von Pontius zu Pilatus rennen darf.
Warum ich dann nicht privat versichert bin? Weil ich das 2-Klassen-System aus Prinzip für ein falsches halte.
Und dass es Ärzten vornehmlich ums Wohl der Patienten geht - sorry, da habe ich auch andere Erfahrungen gemacht. Kein kompetenter Arzt verfügbar, trotz monatelanger Beschwerden immer abgewimmelt und dann aber im Wartezimmer die Urlaubsfotos aus Italien als Slideshow auf dem 50-Zoll-Fernseher - mit dem Untertitel "dicke Brieftasche nicht vergessen". Im Ernst.
ArztundEuropa
am Sonntag, 14. April 2013, 10:53

2 Klassen Medizin in Deutschland ! Leider nicht nur bezüglich der Wartezeit.....

....so wird z. B. aus Kostengründen nach einer Durchführung einer Sonographie bei Weichteiltumoren, bei Kassenpatienten grundsätzlich ein CT und nicht ein MRT durchgeführt, obwohl das CT weniger aussagekräftig ist und eine wesentlich höhere Strahlenbelastung hat.
Kursteilnehmer des Strahlenschutzkursus an der Universität Bonn und die Kassenärztliche Vereinigung bestätigten diese Aussage. Gesetzesgrundlagen liegen hierfür vor!
Die unterschiedliche Behandlung fängt schon bei Blutabnahmen beim Hausarzt an und setzt sich dann mit der weiteren Behandlung fort!
Diesbezügich kann man auch folgende These aufstellen. Wenn Kassenpatienten länger auf einen Termin warten müssen, gleichzeitig die Untersuchungstechniken gegenüber den Privatpatienten (sogar auf gesetzlicher Ebene) reduziert sind, so ist die Zeit zwischen dem ersten Kontakt bis zum Behandlungsbeginn einer malignen Erkrankung bei Kassenpatienten länger!
Dabei sollte noch erwähnt werden, dass ledige Kassenpatienten teilweise viel höhere Beiträge an die Krankenversicherung bezahlen als Prvatpatienten.
Dieser Faktor ist mit Zunahme der "Singlehaushalte" in unser Gesellschaft steigend! Oder auch anderes formuliert: es gibt genug junge Privatpatienten, die geringere Beiträge in die Krankenkassen einzahlen, als Kassenpatienten. Im Alter können diese Privatpatienten Ihre Versicherungen nicht mehr zahlen können und werden dann von der gesetzlichen Grundversorgung aufgefangen.
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