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USA: Medikament gegen Schwangerschafts­erbrechen nach 30 Jahren wieder zugelassen

Dienstag, 9. April 2013

Rockville – Die US-Arzneibehörde FDA hat ein Medikament zur Behandlung der Emesis gravidarum (Schwangerschaftserbrechen) zugelassen, das seit 30 Jahren nicht mehr verfügbar war, obwohl es US-Gynä­kologen seit längerem als Mittel der Wahl betrachten. Ein kanadischer Hersteller will die Kombination des Antihistaminikums Doxylamin mit Vitamin B6 im Juni als Diclegis einführen.

Das gleiche Medikament hatte Merrell Dow im Jahr 1956 als Bendectin eingeführt. Zunächst enthielt es neben Doxylamin und Vitamin B6 noch das Spasmolytikum Dicycloverin, das 1976 mangels Wirksamkeit herausgenommen wurde. In Deutschland war die Kombination als Lenotan im Handel. Doch 1983 nahm Merrell Dow Bendectin vom Markt.

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Zuvor hatte der australische Gynäkologe William McBride, der 1961 die Teratogenität von Thalidomid (Contergan) erkannt hatte, in einer Studie behauptet, dass auch Bendectin schwere Fehlbildungen auslösen könnte. Bendectin wurde wie Contergan zur Behandlung der Emesis gravidarum eingesetzt.

Angst vor Schadenersatzforderungen
Die FDA hat den Zusammenhang zwar von Anfang an bezweifelt, der Hersteller befürch­tete allerdings hohe Schadenersatzzahlungen, zumal an US-Gerichten erste Verfahren anhängig waren. Die Marktrücknahme erfolgte jedoch freiwillig, wie die FDA später noch einmal bekräftigte. An der Sicherheit und auch an der Effektivität von Bendectin bestan­den aus Sicht der Arzneibehörde niemals ernsthafte Zweifel.

McBride wurde übrigens später der Falsifikation von Studiendaten überführt und vom australischen Ärzteregister gestrichen. Auch Ärzte schätzten Bendectin. Der American Congress of Obstetricians and Gynecologists bezeichnete 2004 in einer Leitlinie Vitamin B6 als Mittel der Wahl. Bei einer unzureichenden Wirkung sollte Doxylamin hinzugegeben werden, empfahl der US-Fachverband. Eine Behandlung war immer problemlos möglich, da die beiden Einzelwirkstoffe ja verfügbar waren – nur ein Kombinationspräparat war in den USA nicht mehr erhältlich.

Im Nachbarland Kanada hatte die Firma Duchesnay Inc. aus Blainville im Bundesstaat Québec die Kombination dagegen als Diclegis wieder auf den Markt gebracht. Die Tabletten enthalten jeweils 10 mg Doxylamin und Vitamin B6. Kürzlich hatte Duchesnay auch bei der FDA einen Zulassungsantrag gestellt.

FDA: Keine Sicherheitsbedenken
Die US-Behörde begnügte sich mit einer relativ kleinen Studie an 261 erwachsenen Frauen, die zwischen der 7. und 14. Schwangerschaftswoche an einer Emesis gravidarum erkrankt waren. Diclegis setzte sich im randomisierten Vergleich erwartungs­gemäß gegen Placebo durch. Die FDA hat weiterhin keine Sicherheitsbedenken, da in epidemiologischen Studien niemals Signale einer fruchtschädigenden Wirkung aufgetreten sind.

Die FDA empfiehlt die anfängliche Einnahme von zwei Tabletten am Abend. Wenn die Symptome weiter bestehen, könne die Dosis bis auf maximal 4 Tabletten am Tag erhöht werden. Die wichtigste Nebenwirkung ist eine vermehrte Schläfrigkeit, was aufgrund des Bestandteils Doxylamin nicht überrascht. Das stark sedierende Antihistaminikum wird hierzuland als Schlafmittel und zur nächtlichen Milderung von Erkältungs- und Allergie­symptomen angeboten. Eine Kombination mit Vitamin B6 ist in Deutschland nicht auf dem Markt. © rme/aerzteblatt.de

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