Ärzteschaft

Chirurgen: Vergleichende Studie zu Arbeitseinstellungen

Mittwoch, 10. April 2013

Berlin  – Der chirurgische Nachwuchs will arbeiten und leben ­– aber faul oder schwer zu führen ist er deshalb noch lange nicht. Das legt eine Studie nahe, die der Berufsverband der Deutschen Chirurgen (BDC) heute in Berlin präsentierte. Sie befasst sich vergleichend mit drei Chirurgenjahrgängen und ihren Einstellungen, nämlich den Baby-Boomern (Alter: 49 bis 68 Jahre), der Generation X (34 bis 48 Jahre) und der Generation Y (unter 34 Jahre).

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Im Rahmen einer Online-Befragung zu beruflichen Wertigkeiten antworteten dem BDC mehr als 2.640 (angehende) Chirurginnen und Chirurgen (Rücklaufquote: 30 Prozent). Die meisten Antworten kamen von den Baby-Boomern und der Generation X (jeweils mehr als 1.000), nur 280 von der Generation Y. Durchgeführt hat die Studie Margit Geiger, Lehrstuhl für Human Ressource Management an der Hochschule Bochum.

Viele Antworten bestätigen die gängigen Klischees über den Nachwuchs nicht. Die Daten zeigten, dass junge Chirurginnen und Chirurgen motiviert seien, betonte Jörg Ansorg, Geschäftsführer des BDC: „Sie wollen gefördert und gefordert werden.“ Danach gaben Vertreter der Generationen X und Y zu rund 85 Prozent an, Karriereperspektiven seien ihnen wichtig. Von den Baby-Boomern bejahten dies nur 60 Prozent.

Möglicherweise liegt das aber daran, dass die Chirurgen dieses Alters längst Karriere gemacht haben. Dass Geld der jüngsten Chirurgen-Generation nicht wichtig ist, belegt die Studie nicht: Immerhin 70 Prozent der Generation Y gaben an, die Bezahlung spiele eine Rolle bei der Arbeitgeberwahl. Gleichwohl war dies der niedrigste Wert: Die Generation X bejahte diese Aussage zu 84 Prozent, die Baby-Boomer zu 78 Prozent.

Weiterbildung sehr wichtig
Auffällig ist, für wie wichtig eine exzellente Weiterbildung gehalten wird. Dass diese sichergestellt ist, war der Generation Y extrem wichtig (91 Prozent). Die Befragten der Generation X bejahten dies nur zu 63 Prozent, die Baby-Boomer nur zu 50 Prozent. Auf den ersten Blick erscheint dies logisch. Schließlich befinden sich die jüngsten Befragten noch in der Weiterbildung oder haben sie noch nicht allzu lange abgeschlossen, während diese Zeit für die Älteren schon länger zurück liegt.

Ansorg vertrat gleichwohl die Auffassung, diese Antworten sollten der gesamten Fach­arztgruppe zu denken geben. Seine Argumentation: Hält  der Nachwuchs die Weiter­bildungsbedingungen an einer Klinik nicht für attraktiv, entscheidet er sich für eine andere. Das wirke sich aber auf alle Ärzte einer chirurgischen Abteilung aus, weil sich die Arbeitsbedingungen dort auf Dauer durch einen Nachwuchsmangel verschlechterten.

Der BDC-Geschäftsführer kündigte an, diese und andere Antworten zum Thema Weiterbildung aufzugreifen. So sollen Fortbildungsangebote forciert werden, die es Chefärzten erleichtern, auf die Wünsche der jungen Chirurginnen und Chirurgen nach einer gut strukturierten Weiterbildung, nach einer Vereinbarung von Familie und Beruf sowie nach regelmäßigem Feedback einzugehen.

Manche Studienergebnisse sind allerdings auf den ersten Blick widersprüchlich und müssen noch genauer interpretiert werden. So gaben zwar zwei Drittel der Befragten der Generation Y an, ihnen sei eine gute Work-Life-Balance wichtig. Gleichzeitig bezeichnete sich ein Drittel als „Workaholic“.

Ansorg interpretierte diese und andere Angaben vorerst so, dass die Jüngeren durchaus leben und nicht nur arbeiten wollten, aber auch Verständnis für die berufsbedingten Anforderungen in der Chirurgie hätten. Offenbar seien es die Richtigen, die diese Fachrichtung gewählt hätten, meinte er: „Die Chirurgie ist eben kein Nine-to-Five-Job.“ © Rie/aerzteblatt.de

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