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Long QT-Syndrom als Ursache von Totgeburten

Mittwoch, 10. April 2013

Rochester – Menschen können bereits vor der Geburt an einer Herzrhythmusstörung sterben. Einer Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt JAMA (2013; 309: 1473-1482) zufolge könnte das sogenannte Long QT-Syndrom für etwa 5 Prozent aller unerklärten intrauterinen Todesfälle verantwortlich sein.

Etwa einer von 2.000 Menschen hat eine Genmutation, die zu einer Verlängerung des QT-Intervalls im EKG führt. Die Repolariationsstörung geht mit einem erhöhten Risiko von Synkopen und plötzlichen kardialen Todesfällen einher. Viele Patienten sterben im Kindes- und Jugendalter, ohne dass bei einer Obduktion morphologische Hinweise auf eine Veränderung des Herzmuskels gefunden werden.

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In den letzen Jahren wurde eine Reihe von Genmutationen entdeckt, die dem Long QT-Syndrom zugrunde liegen. Dies macht es möglich, bei ungeklärten Todesfällen gezielt nach der Störung zu suchen. Michael Ackerman von der Mayo Clinic in Rochester konnte in einer früheren Studien bereits zeigen, dass etwa 10 Prozent aller plötzlichen Krippentodesfälle (SIDS) auf ein Long QT-Syndrom zurückzuführen sind (Circulation 2007; 115: 361-367).

Jetzt hat sein Team zusammen mit Forschern aus Italien erstmals die Prävalenz bei Kindern untersucht, die nach der 14. Schwangerschaftswoche im Uterus gestorben sind oder tot geboren wurden. Bei diesen Kindern finden Pathologen in mehr als einem Viertel der Fälle keine Ursache.

Das Team um Ackerman untersuchte 91 derartige Fälle. Bei drei Kindern fanden die Forscher Mutationen in den beiden häufigsten bekannten Genen KCNQ1 und KCNH2. Die Gendefekte führen zu einer Störung in Kaliumkanälen auf der Oberfläche von Herzmuskelzellen, die nach Einschätzung von Ackerman den Tod der drei Kinder plausibel erklärt.

Für eine Kausalität spricht auch, dass diese Mutationen in einer Kontrollgruppe von mehr als 1.000 gesunden Kontrollpersonen kein einziges Mal gefunden wurden. Ackerman schätzt die Prävalenz der drei Mutationen in der Bevölkerung auf 0,05 Prozent.

Weitere 5 intrauterine Todesfälle wiesen Mutationen im Gen SCN5A auf. Es kodiert einen Natriumkanal, dessen Funktionsstörung ebenfalls eine kardale Arrhythmie verursachen kann. Damit litten 8 von 91 Patienten (8,8 Prozent) an einem Long QT-Syndrom. Ackerman geht vorsichtshalber davon aus, dass etwa 5 Prozent der Kinder tatsächlich einen plötzlichen intrauterinen Herztod erlitten haben.

Der Anteil könnte in Wirklichkeit höher sein, da Ackerman nur die drei häufigsten von insgesamt 15 Genen untersucht hat, die bisher als Ursache des Long QT-Syndrom gefunden wurden, was nicht ausschließt, dass es weitere noch unbekannte Mutationen gibt. © rme/aerzteblatt.de

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