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Testosteron treibt Brustkrebs voran

Donnerstag, 11. April 2013

Aurora – Viele Brustkrebszellen besitzen Androgenrezeptoren, die möglicherweise auf Hormonblocker ansprechen, die für die Therapie des Prostatakarzinoms entwickelt wurden. Das neue Konzept wurde auf der Jahrestagung der American Association for Cancer Research in Washington vorgestellt.

Die Prognose des Mammakarzinoms wird deutlich von der Anwesenheit von Östrogen-, Progesteron- und HER2-Rezeptoren bestimmt. Zwei der drei großen Hormonmarker sind Ansatzpunkte für Therapien, die die Prognose der Patientinnen verbessern können. Einem „vierten“ Rezeptor wurde in der Behandlung der häufigsten Krebserkrankung bei Frauen bisher keine Bedeutung beigemessen.

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Dabei haben 77 Prozent aller Mammakarzinome Rezeptoren für das männliche Geschlechtshormon Testosteron, das in Laborexperimenten auch das Wachstum der Tumoren vorantreiben kann. Androgenrezeptoren sind auch bei 20 bis 32 Prozent aller triple-negativen Tumoren vorhanden, für die es bisher keinen Ansatzpunkt für eine (Anti)-Hormontherapie gab.

Das Team um Jennifer Richer vom Colorado Cancer Center in Aurora im US-Staat Colorado kann jetzt durch die Analyse von Krebsregisterdaten nachweisen, dass es bei Tumoren mit einer hohen Rate von Androgenrezeptoren (im Verhältnis zu Östrogenrezeptoren) unter einer Behandlung mit dem Antiöstrogen Tamoxifen zu einem früheren Zeitpunkt zum Rezidiv kommt. Auch die Wirksamkeit von Aromatase-Inhibitoren, die die Bildung von Östrogenen hemmen, ist vermindert. Sie vermutet, dass Tumorzellen, die von den Wachstumsimpulsen der Östrogene abgeschnitten sind, vermehrt durch Androgene zum Wachstum angeregt werden.

Weitere Hinweise fand das Team in Laborexperimenten. Dort konnte das Wachstum von Brustkrebszellen durch das Antiandrogen Bicalutamid gehemmt werden. Es wird seit längerem zur Behandlung des Prostatakarzinoms eingesetzt. Auch das neue Antiandrogen Enzalutamid, das im Dezember 2012 in den USA zugelassen wurde (in Europa noch nicht verfügbar), erwies sich in in-vitro-Experimenten und ersten Tierversuchen als wirksam.

Enzalutamid könnten ebenso stark wirksam sein wie Tamoxifen, vermutet Richer. Die ersten klinischen Studien dürften allerdings bei Patientinnen durchgeführt werden, die unter einer Tamoxifentherapie ein Rezidiv erlitten haben. Die Therapie käme auch für Patientinnen infrage, bei denen es unter dem HER2-Antikörper Trastuzumab zu einem Rückfall gekommen ist (sofern ihre Tumorzellen Androgenrezeptoren haben, was aber bei der Mehrzahl der Fall ist).

Richer strebt jetzt die Durchführung klinischer Studien an. Da die Antiandrogene bereits zur Behandlung des Prostatakarzinoms zugelassen sind, könnte auf vorbereitende präklinische Tests verzichtet werden (Abstract 4756). © rme/aerzteblatt.de

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