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Alkoholprobleme: Nalmefen senkt Trinkmenge

Montag, 15. April 2013

Mannheim – Die EU-Kommission hat im März das Opiatderivat Nalmefen zur Behandlung der Alkoholabhängigkeit zugelassen. Als erstes Mittel strebt es keine Abstinenz, sondern die Reduktion der Trinkmenge an. Eine Studie in Biological Psychiatry (2013; doi: 10.1016/j.biopsych.2012.10.020) zeigt, was von dem Medikament erwartet werden kann.

Nalmefen wurde bereits in den 1970er Jahren entwickelt. Bayer hat es eine Zeit lang als Antidot bei Opiatüberdosierungen vermarktet. Revex® konnte sich hier jedoch nicht gegen Naloxon durchsetzen und 2008 stellte Bayer die Produktion ein. Demnächst kommt Nalmefen wieder auf den Markt, von einem anderen Hersteller in einer anderen Indikation. Das dänische Pharmazieunternehmen Lundbeck hat für Selincro® eine Zulassung erhalten.

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Anders als Naltrexon das zur Rückfallprophylaxe von Alkoholkranken eingesetzt wird, ist die Abstinenz nicht das Ziel der Therapie von Nalmefen. Die Indikation von Nalmefen ist die „Reduktion des Alkoholkonsums bei erwachsenen Patienten mit Alkoholabhängigkeit, deren Alkoholkonsum sich auf einem hohen Risikoniveau befindet“. Das Medikament kann Patienten begleitend zu einer psychosozialen Unterstützung verschrieben werden, wenn die Patienten eingesehen haben, dass ihr exzessiver Alkoholkonsum die Gesundheit ruiniert und zu einer Sucht mit körperlichen Entzugserscheinungen führen kann.

Karl Mann vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim sieht einen echten Paradigmawechsel in der Behandlung von Alkoholkranken voraus. Die Abstinenz bleibe zwar das erste Ziel, die Reduktion der Trinkmenge könne jedoch für viele Patienten (die eine Abstinenz nicht schaffen) eine wertvolle Alternative sein.

In der randomisierten Studie, die Mann zusammen mit Kollegen in Barcelona und Amsterdam durchgeführt hat, wurden 604 alkoholabhängige Patienten auf eine Therapie mit Nalmefen oder Placebo randomisiert. Die Patienten wurden gebeten, die Tabletten immer dann einzunehmen, wenn ein Anlass zum Trinken bevorstand. Nalmefen soll in dieser Situation verhindern, dass ein zunächst moderater Alkoholkonsum in einem Exzess endet, wie ihn viele Patienten zuvor regelmäßig erlebt hatten.

Nalmefen konnte die Alkoholexzesse nicht immer verhindern, doch ihre Zahl ging in den ersten 6 Monaten der Therapie signifikant zurück. Die Gesamtmenge des konsumierten Alkohols nahm um 11,0 Gramm/Tag ab. Am Ende der 24-wöchigen Studie hatte sich der Zustand der Patienten nach Einschätzung der Ärzte (Clinical Global Impression) gebessert und auch die Leberenzyme waren niedriger als im Placebo-Arm.

Nalmefen ist allerdings nicht frei von Nebenwirkungen. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) gibt als häufigste unerwünschte Reaktionen Übelkeit, Schwindel, Schlaflosigkeit und Kopfschmerzen an. Sie sind in den meisten Fällen leicht oder mittelschwer ausgeprägt, mit dem Behandlungsbeginn verbunden und von kurzer Dauer. In der Studie gab es allerdings unter Nalmefen mehr Aussteiger als im Placebo-Arm.

Im Wirkungsmechanismus unterscheidet sich der Opiat-Modulator Nalmefen von den beiden Opiatantagonisten Naloxon (der nicht zur Abstinenztherapie eingesetzt wird) und Naltrexon. Die Wirkung wird überwiegend über den kappa-Rezeptor vermittelt, wo partiell eine agonistische und antagonistische Wirkung verhindert, dass der Alkoholkonsum über die Aktivierung des Belohnungssystems zu einer positiven Verstärkung des Trinkverhaltens führt. © rme/aerzteblatt.de

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