Medizin

Suche nach dem Ohnmachts-Gen weist auf Chromosom 15

Dienstag, 16. April 2013

Melbourne – Vasovagale Synkopen treten gelegentlich familiär gehäuft auf und einige Stammbäume deuten auf einen autosomal-dominanten Erbgang hin. Das verantwortliche Gen konnte eine deutsch-australische Forschergruppe jetzt in Neurology (2013; 80: 1485-1493) noch nicht vorstellen. Sie vermutet es allerdings auf einem Abschnitt des Chromosoms 15.

Vasovagale Synkopen sind eine häufige Ursache von Kreislaufzusammenbrüchen. Jeder Vierte erleidet mindestens einmal im Leben einen solchen Anfall, bei dem es durch den Nervus vagus vermittelt häufig gleichzeitig zu Bradykardie und Vasodilatation kommt. Es kommt unvermittelt zur arteriellen Hypotonie und zur Minderperfusion des Gehirns. Die resultierende Bewusstlosigkeit ist zeitlich begrenzt, da sich die zerebrale Durchblutung infolge der horizontalen Lage des Körpers schnell wieder normalisiert.

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Die Mitglieder der 44 Familien, die das Team um Samuel Berkovic von der Universität Melbourne, intensiv befragte, gaben als Auslöser der Synkopen unterschiedliche Ereignisse an. Mal konnten die Betroffenen kein Blut sehen, andere hatten zuvor zu lange stehen müssen. Auch Verletzungen, medizinische Maßnahmen, Furcht oder Schmerzen können Auslöser von Synkope sein.

In sechs Familien litten ungewöhnlich viele Familienmitglieder an Synkopen, die nicht einmalig, sondern immer wieder auftraten. In einer Familie waren über drei Generationen nicht weniger als 30 Personen betroffen, bei denen das Leiden in der Regel im Alter von acht bis neun Jahren begonnen hatte. Berkovic vermutet deshalb eine erbliche Disposition und aufgrund des Stammbaums lag eine autosomal-dominante Störung nahe.

Das Team entschied sich, bei den vier Familien mit den meisten betroffenen Mitgliedern für eine Genotypisierung. Mittels eines Genchips wurden sogenannte Einzelnukleotid-Polymorphismen (SNP) der betroffenen und nicht betroffenen Familienmitglieder verglichen. Auf diese Weise konnte das Team, dem Karl-Martin Klein von der Klinik für Neurologie der Universität Marburg als Erstautor angehört, den Gendefekt in der Familie mit den meisten Mitgliedern auf eine Region des Chromosoms 15q26 eingrenzen.

Auf diesem Abschnitt des Chromosoms befinden sich drei bekannte Gene, die daraufhin sequenziert wurden. Alle drei Gene waren jedoch unauffällig, so dass das Team noch nicht am Ziel der Suche angelangt ist. Die Kenntnis des verantwortlichen Gens und seiner Funktion könnte neue Einblicke in die Pathogenese der vasovagalen Synkope bringen. Durch Gentests könnte herausgefunden werden, wie häufig der Gendefekt bei Patienten mit Synkopen und in der Bevölkerung ist.

Auf eine genetische Disposition hatte bereits eine im letzten Jahr in Neurology (2012; 79: 561-565) publizierte Zwillingsstudie hingewiesen. Dort hatten Klein und Mitarbeiter gezeigt, dass bei zwei Drittel aller eineiigen Zwillingspaare beide Geschwister betroffen sind. Der Anteil lag doppelt so hoch wie bei zweieiigen Zwillingen. Dies legt nahe, dass die Anfälligkeit genetisch verursacht ist; denn eineiige Zwillinge besitzen dieselben Gene, weil sie aus ein- und derselben Eizelle abstammen, im Gegensatz zu zweieiigen Geschwistern. © rme/aerzteblatt.de

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