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Pharmaunternehmen bei Geschäftsbeziehungen zu Ärzten zunehmend kritisch

Mittwoch, 17. April 2013

Berlin – Die deutschen Pharmaunternehmen sehen ihre Geschäftsbeziehungen zu niedergelassenen Ärzten zunehmend kritisch und sind sensibler für Korruptionsgefahren geworden. Das berichten die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Price­WaterhouseCoopers (PwC) und die Universität Halle-Wittenberg in der Studie „Wirtschaftskriminalität – Pharmaindustrie“.

Die Autoren befragten zunächst 36, dann für eine Folgeuntersuchung 50 Unternehmen aus der Pharmabranche. Danach sehen rund drei Viertel der befragten Unternehmen ein signifikantes Korruptionsrisiko bei der Überlassung von Geräten, der Vergabe von Anwendungsbeobachtungen und Beraterverträgen.

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Im Jahr 2011 war das Problembewusstsein deutlich schwächer ausgeprägt: Nur gut jedes zweite Unternehmen sah die Geräteüberlassung (50 Prozent), Beraterverträge (54 Prozent) oder die Auftragsvergabe von Studien (53 Prozent) als potenzielle Einfallstore für Korruption.

„Offenkundig haben prominente Verdachtsfälle, in denen niederge­lassene Ärzte für mehr oder weniger verdeckte Zuwendungen bevorzugt bestimmte Medikamente verschrieben haben sollen, den Pharmaunternehmen die Risiken deutlich vor Augen geführt“, sagte Michael Burkhart, Partner bei PwC und Leiter des Bereichs Gesundheitswesen und Pharma. Er kritisierte aber, die Unternehmen täten nach wie vor zu wenig, um derartige Absprachen zu unterbinden.

Der Studie zufolge waren zwischen 2009 und 2011 gut vier von zehn Unternehmen (42 Prozent) von Wirtschaftskriminalität betroffen. Damit liegt die Quote leicht unter dem branchenübergreifenden Durchschnitt von 52 Prozent. Fast vier von fünf geschädigten Pharmaunternehmen berichteten über einen Reputationsverlust durch Wirtschafts­kriminalität. Eine Beeinträchtigung der Geschäftsbeziehungen konstatierten sogar 85 Prozent der Betroffenen, und rund 60 Prozent mussten zur Aufarbeitung von Schadensfällen signifikante Ressourcen in die Öffentlichkeitsarbeit investieren.

PwC weist darauf hin, dass Korruption „keineswegs die einzige Deliktart ist, mit der sich Pharmaunternehmen auseinandersetzen müssen“. Die mit Abstand häufigste Deliktart in der Pharmabranche seien Verstöße gegen das Patent- beziehungsweise Markenrecht. © hil/aerzteblatt.de

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Clemens-X
am Mittwoch, 17. April 2013, 21:01

ach ja, diese Quelle hatte ich noch zu zitieren vergessen:

Der Spiegel: "Normal" von Allen Frances: Beichte eines Psychiater-Papstes
http://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/normal-von-allen-frances-beichte-eines-psychiater-papstes-a-893739.html
Clemens-X
am Mittwoch, 17. April 2013, 20:58

Falsch! Die Korruption beginnt bereits in Forschung und Lehre

Schon bei der Forschung nach den Erkrankungs- oder Störungsursachen werden meist Gelder der Pharma-Industrie in den Universitäten als sogenannte Drittmittel eingesetzt. Darüber entstehen Abhängigkeiten, die häufig zu manipulierten Forschungsergebnissen führen. (siehe auch Heise-Verlag Telepolis: Wahrheit mit beschränkter Haftung http://www.heise.de/tp/artikel/30/30903/1.html)
Am besten ist dies sichtbar an den Psychopharmaka wie Antidepressiva oder Mittel zur Behandlung der dubiosen AD(H)S-Störung. Deutlich zu viel des „Guten” weil allzu offensichtlich, wird dieser Zusammenhang in der DSM-V. Viele Symptombilder sind geradezu passend geschrieben worden für bestimmte schon vorhandene Medikamente, deren Verordungsspektrum sich damit erheblich erweitern lässt. Solche Medikamente nennt man deshalb ja auch „Blockbuster” - (siehe das Buch von Dr. John Virapen »Nebenwirkung Tod«! http://beratung.lebenslust-jetzt.de/buechertipps/nebenwirkung-tod.html) Er berichtet über diese Machenschaften aus der ehemaligen Position des Gebietsleiters für Nord-Europa von Eli-Lilly und war damals selbst in systematische Korruption durch Eli-Lilly verwickelt.
Man kann über die korrupten Verbindungen aber auch hier bei Telepolis / Heise-Verlag nachlesen: »Arzneimittel - der kontinuierliche Skandal« http://www.heise.de/tp/artikel/38/38165/1.html

Noch problematischer ist, dass sich Psychiater von der Pharma-Industrie kaufen lassen und dann die „offizielle Lehrmeinung” in den Fachbüchern nachhaltig zu Gunsten der Pillen-Industrie gestalten:
Wie lange wurden z.B. die Nebenwirkungen von SSRI verharmlost? Selbst jetzt wird noch behauptet, dass SSRI-bedingte sexuelle Dysfunktion nur selten auftreten würde und fast immer reversibel sei. Von Selbsthilfegruppen, Internet-Foren und von Betroffenen selbst weiß ich, dass diese Fälle viel häufiger sind! In einem der neuesten Fachbücher »Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie« (Lieb Frauenknecht Brunnhuber) findet sich eine erschreckende Grafik über die Zunahme der Verordnungen von Antidepressiva, allem voran Citalopram. Einige Seiten weiter wird beschrieben, dass bei bis zu 75% der Patienten Antidepressiva nachweisbar wirkungslos sind!!! — Ich sehe es geradezu als unverantwortlich und grotesk an, dass Medikamente mit Milliarden Euro Wert verordnet werden, wenn sie bei 75% der Patienten statt einem Nutzen eher nur die Nebenwirkungen übrig bleiben, falls sie denn auftreten. Wer solche Verhältnisse weiterhin als richtig ansieht, ist entweder ein Freund der Pharma-Mafia oder gehört selbst in die geschlossene Abteilung!

Ein weiteres Beispiel für solche Ungereimtheiten: In einem der neuesten Fachbücher »Kurzlehrbuch Psychiatrie« (Bandelow Gruber Falkai) findet der Leser hübsch systematisch aufbereitet zu vielen Störungen Äußerungen über die Ätiologie. Das liest sich dann etwa so: „Man geht zurzeit davon aus, dass…” oder „ebenfalls wird die Möglichkeit diskutiert, dass…” oder „allgemein wird angenommen, dass…” „die Ursache ist zurzeit noch Gegenstand weiterer Forschung…” oder „es wird zurzeit mit weiteren Störungsmodellen geforscht” und ganz ausnahmsweise auch schon mal: „Ursache bisher unbekannt”.
Ich habe mich sehr geärgert, dass dort nicht klar und deutlich steht: WIR WISSEN ES NICHT! oder ES IST UNBEKANNT! Nunja, das wäre vielleicht noch nicht mal so schlimm, wenn man aus narzisstischem Dünkel nicht zugeben mag, dass man etwas auch nach so langer Entwicklung der Psychiatrie und Psychotherapie immer noch nicht weiß.
Aber der absolute Hammer folgt direkt darunter: Denn der Leser findet nun ebenfalls hübsch systematisch aufbereitet eine klare Anleitung zur medikamentösen Behandlung. Dabei werden oft schon die Präparate namentlich genannt und der sprachliche Duktus entspricht „dem Brustton der Überzeugung” und Richtigkeit. Also das finde ich einfach gesagt wirklich irre!!! Man kennt die Ursachen nicht, gibt diese Unkenntnis nicht mal zu, will dann aber im Brustton der Überzeugung genau wissen, was zur Behandlung richtig ist!!! Wenn mir so einer in einer KFZ-Werkstatt begegnen würde, ich würde schleunigst mein Auto in Sicherheit bringen!

Nun sind die Autoren ja nicht „irgendwer”, sondern führende Köpfe in der DGPPN. Dieses Buch ist in meiner Ansicht die Bankrott-Erklärung der Psychiatrie! Und es wurde nicht von „irgend jemandem” geschrieben, sondern alle drei Autoren sind führende Funktionäre im DGPPN. Peter Falkai, 49, Leiter der Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Göttingen, hat im Jahr 2010 für die Pharma-Firmen AstraZeneca, Bristol-Myers Squibb, Eli Lilly, Janssen-Cilag, Lundbeck und Pfizer gearbeitet, und zwar gewiss nicht kostenlos! Und das alles erstaunlicher Weise parallel zu seinem Job als Uni-Professor und zu seiner Tätigkeit als Buch-Autor! Zudem war er seit Anfang 2011 Präsident des der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN). Ein Verband, der engste Verbindungen zur Pharma-Industrie pflegt: Der Jahreskongress der DGPPN in Berlin wird über eine Agentur in Höhe von rund 1 Million Euro gesponsert! Woher ich das weiß? Der Spiegel hatte im Mai 2011 einen schönen Bericht darüber geschrieben: »Seelsorge für die Industrie« http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-78522323.html

Egal was jetzt von seiten der Pharma-Industrie mal wieder beteuert und schön geredet wird… — und dass man jetzt „vorsichtiger” sein wolle, heißt doch auf deutsch: Man will sich nicht mehr so leicht erwischen lassen. Seien wir doch ehrlich:

Die Ursache für Korruption, Bestechung, Dokumentenfälschung ist letztlich, dass nie der Mensch, sondern immer der Profit im Mittelpunkt steht! Und das ist im internationalen Finanzwesen, in der Politik, in Unternehmen genau so, wie auch im Gesundheitswesen und bei der Ärzteschaft. (Abhilfe ist meiner Ansicht nach nur möglich, wenn weltweit das neoliberale System abgelöst wird durch ein System, das einzig an menschlichen Werten orientiert ist.)
Besonders beschämend und schändlich ist es allerdings, wenn die Korruption nicht aufhört, obwohl die Gesundheit von Menschen auf dem Spiel steht und ausgerechnet diejenigen, die ärztlich helfen sollten und von denen zu Recht Hilfe erwartet wird, dieses Vertrauen missbrauchen, um sich selbst und der Industrie die Taschen zu füllen!

Clemens M. Hürten — Lebenslust jetzt! — Rottweil
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