Ausland

Britisches Gericht befasst sich erneut mit Sterbhilfe

Donnerstag, 18. April 2013

London – Im Mai wird ein britisches Gericht erneut über einen Fall von aktiver Sterbehilfe entscheiden müssen. Nach einem Bericht des britischen Senders BBC vom Donnerstag wird das Berufungsgericht in London am 14. und 15. Mai über den Fall eines Mannes entscheiden, der seit einem Autounfall vor 23 Jahren vom Hals abwärts gelähmt und auf ständige Hilfe angewiesen ist. Der 58-jährige Paul Lamb kämpft den Angaben zufolge dafür, mit Unterstützung eines Arztes aktive Sterbehilfe in Anspruch nehmen zu dürfen.

Er schließt sich damit der Familie des inzwischen verstorbenen Tony Nicklinson an. Der schwerst­gelähmte Brite war vergangenen August gestorben, eine Woche nachdem er vor Gericht mit der Forderung nach einem Recht auf Selbsttötung unter ärztlichem Beistand gescheitert war. Seine Witwe Jane als Bevollmächtigte und Rechtsnachfolgerin führt den Fall in seinem Namen weiter.

Anzeige

BBC zitiert Lamb mit den Worten, er habe seit 23 Jahren ununterbrochen Schmerzen und sei rund um die Uhr auf Hilfe angewiesen. Sein Leben bestehe nur doch darin, „gefüttert und getränkt“ zu werden. Er habe immer sein Bestes gegeben, „jetzt fühle ich mich erschöpft und bin meines Lebens wirklich müde“, so Lamb. Er könne und wolle nicht weiterleben, fühle sich in der Situation gefangen und sehe keinen Ausweg. „Genug ist genug“, sagte Lamb.

Der Zeitung The Guardian sagte Lamb, er sei überzeugt, dass Menschen wie Tony Nicklinson und er das Recht auf einen selbstbestimmten Tod haben müssten. Er werde alles ihm Mögliche tun, damit das Gesetz entsprechend geändert werde. Auch wenn er möglicherweise keinen juristischen Durchbruch erreiche, sei er sich sicher, dass es irgendwann eine Gesetzesänderung geben werde.

Beihilfe zum Suizid ist in Großbritannien ein Straftatbestand, der mit bis zu 14 Jahren Haft belegt werden kann. Obwohl mehr als 100 todkranke Briten in den vergangenen zehn Jahren ihr Leben in ausländischen Kliniken beendeten, wurde bislang niemand wegen Sterbehilfe strafrechtlich verfolgt. Im Februar 2010 gab die Staatsanwaltschaft neue Richtlinien zum Umgang mit solchen Fällen aus; dies führte bislang jedoch nicht einer Verurteilung. © kna/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

4.231 News Ausland

Nachrichten zum Thema

19.09.16
Brüssel – In Belgien hat erstmals ein minderjähriger Patient Sterbehilfe bekommen. Zwei Jahre nach der entsprechenden Gesetzesänderung sei die Regelung nun zum ersten Mal angewandt worden, bestätigte......
16.09.16
Großdemo: 7.000 Abtreibungsgegner und 4.000 Gegendemonstranten erwartet
Berlin – Rund 7.000 Menschen werden morgen ab 13 Uhr zu einer Demonstration gegen Abtreibung vor dem Bundestag in Berlin erwartet. Vor allem christliche Gruppen riefen zum zwölften „Marsch für das......
14.09.16
E-Zigaretten helfen Engländern beim Rauchstopp
London – E-Zigaretten, die in England ohne staatliche Einschränkungen verkauft werden dürfen, werden dort von Rauchern immer häufiger für einen Abstinenzversuch eingesetzt, offenbar mit Erfolg. Eine......
08.07.16
London – Zwischen einem Drittel und der Hälfte der Bevölkerung in Großbritannien leben mit chronischen Schmerzen. Das berichten Wissenschaftler um Alan Fayaz vom Imperial College London im......
07.07.16
Tötung auf Verlangen und ärztlich assistierter Suizid: Trotz zunehmender Legalisierung eher selten
Immer mehr Länder legalisieren die Tötung auf Verlangen – in anderen Ländern auch als “Euthanasie“ bezeichnet – und den ärztlich assistierten Suizid. Dennoch werden diese beiden Formen der Sterbehilfe......
13.06.16
Hamburg – Dem Hamburger Sterbehelfer Roger Kusch bleibt der Gang vors Gericht erspart. Im Zusammenhang mit der Sterbehilfe für zwei über 80-jährige Frauen in Hamburg ließ das Oberlandesgericht die......
25.05.16
Mehrheit der Australier für Legalisierung der Sterbehilfe
Sydney – Eine große Mehrheit der Australier befürwortet eine Legalisierung der Sterbehilfe. 75 Prozent der Befragten stimmten laut der am Mittwoch veröffentlichten Umfrage des Senders ABC der Aussage......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige