Medizin

Vitamine und Muskelpräparate auf Intensivstation fehl am Platz

Donnerstag, 18. April 2013

Kingston/Ontario – Die Therapie mit antioxidativen Vitaminen und Spurenelementen, die viele Menschen trotz fehlender Evidenz einer günstigen Wirkung täglich einnehmen, haben sich in einer randomisierten klinischen Studie an Intensivpatienten im New England Journal of Medicine (2013; 368: 1489-1497) als wirkungslos erwiesen. Das bei Kraftsportlern und Bodybuildern zum (angeblichen) Muskelaufbau beliebte Glutamin erwies sich sogar als schädlich.

Intensivmediziner können sich, wie es scheint, manchmal Modetrends in der Gesellschaft nicht ganz entziehen, und es dürfte kein Zweifel daran bestehen, dass Patienten, die mit einem Multiorganversagen beatmet werden müssen, jede mögliche Hilfe zuteil werden sollte. Außerdem hatten, wie Daren Heyland vom Kingston General Hospital im kanadischen Kingston berichtet, zwei Meta-Analysen auf eine Wirksamkeit von Glutamin und antioxidativen Vitaminen/Spurenelementen hingedeutet. Die Canadian Critical Care Trials Group konnte so auch 40 Intensivstationen in Nordamerika und Europa (mit deutscher Beteiligung) für eine randomisierte Studie gewinnen.

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Die Studie schloss 1.223 Patienten ein, die mechanisch beatmet wurden und sich nach dem Versagen von zwei oder mehr Organen in einem kritischen Zustand befanden. In einem faktoriellen Design wurden zwei Therapiestrategien mit Placebo verglichen.

Die Glutamin-Therapie bestand aus der intravenösen Gabe von Alanyl-Glutamin (Dipeptiven®) kombiniert mit einer oralen Applikation der essenziellen Aminosäure. Zur antioxidativen Therapie erhielten die Patienten neben einem intravenösen Selenpräparat (Selenase®) noch per os Selen, Zink, Beta-Caroten, Vitamin E und Vitamin C.

Antioxidantien-Therapie ohne Wirkung
Die Antioxidantien-Therapie erzielte keinerlei Wirkung. Wie Heyland und Mitarbeiter berichten, war die 28-Tage-Sterberate, primärer Endpunkt der Studie, mit 30,8 Prozent sogar tendenziell höher als im Placebo-Arm mit 28,8 Prozent. Der Unterschied war allerdings bei einer adjustierten Odds Ratio von 1,09 und einem 95-Prozent-Konfidenz­intervall von 0,86 bis 1,40 statistisch nicht signifikant.

Auch die Glutamin-Therapie schnitt schlechter als Placebo ab. Die 28-Tage-Sterberate war mit 32,4 Prozent versus 27,2 Prozent in der adjustierten Odds Ratio von 1,28 (1,00-1,64) sogar signifikant erhöht. Im ungünstigsten Fall könnte das „Muskelpäparat“ die Sterberate um 64 Prozent erhöht haben, so dass die Canadian Critical Care Trials Group von dieser Therapie abrät. © rme/aerzteblatt.de

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