Medizin

Metastasen-Stamm­zellen bei Brustkrebs entdeckt

Montag, 22. April 2013

Heidelberg – Ein Forscherteam hat unter den verschiedenen Tumorzellen, die im Blut von Brustkrebspatientinnen zirkulieren, möglicherweise jene Stammzellen gefunden, die in der Lage sind, Metastasen zu bilden. Die in Nature Biotechnology (2013; doi: 10.1038/nbt.2576) beschrie­benen Biomarker könnten zum einen prognostische Informationen liefern. Zum anderen sind neue therapeutische Ansätze vorstellbar.

Dass das Mammakarzinom hämatogen metastasiert, ist lange bekannt. Seit einigen Jahren ist es auch möglich, zirkulierende Tumorzellen im Blut nachzuweisen. Die prog­nostische Bedeutung war jedoch gering, da vermutlich jede zirkulierende Tumorzelle auch in der Lage ist, die Blutbahn wieder zu verlassen, sich im Gewebe festzusetzen und zum Ausgangspunkt einer Metastase zu werden. Das Team um Andreas Trumpp vom Deutschen Krebsforschungszentrum vermutet deshalb, dass unter den zirkulierenden Tumorzellen einige wenige sind, die Stammzelleigenschaften aufweisen.

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Um diese Metastasen-induzierenden Zellen (MIC) zu finden, hat das Team zunächst zirkulierende Tumorzellen aus dem Blut von Brustkrebspatientinnen isoliert und diese dann wahllos ins Knochenmark von Mäusen mit defektem Immunsystem transplantiert. Nach insgesamt mehr als hundert solcher Übertragungen entwickelten tatsächlich einige der Tiere Metastasen in Knochen, Lunge und Leber.

Die Forscher nahmen dann die MIC näher unter die Lupe. Sie fanden heraus, dass drei Moleküle auf der Zelloberfläche die MIC kennzeichneten. Dazu gehört das Protein CD44, das der Zelle möglicherweise hilft, sich im Knochenmark festzusetzen. Damit es zur Metastase kommt, benötigen die MIC als zweites das Signalmolekül CD47, das nach Einschätzung der Forscher die MIC vor Angriffen des Immunsystems schützt. Schließlich benötigt die Zelle den Oberflächenrezeptor MET, der die Wanderbereitschaft und Inva­sions­fähigkeit der Krebszelle erhöht.

Als nächstes untersuchte das Team, wie viele zirkulierende Tumorzellen alle drei Marker besitzen. Der Anteil der dreifach-positiven Zellen lag in einer Gruppe von Brustkrebs­patientinnen zwischen 0,6 und 33 Prozent. Weitere Untersuchungen ergaben, dass die drei Eigenschaften das Verhalten der Tumorzellen im Gewebe beeinflussen. Ihre Zahl steigt beim Fortschreiten der Erkrankung an. Patientinnen mit einer besonders hohen Zahl an dreifach-positiven Zellen hatten besonders viele Metastasen und eine sehr viel ungünstigere Prognose als Frauen, bei denen nur wenige dieser Metastasen-induzierenden Zellen nachgewiesen wurden.

Sollten sich diese neuen Ergebnisse in einer jetzt geplanten großen Studie bestätigen, könnten die drei MIC-Eigenschaften als Biomarker genutzt werden, um zu bestimmen, welche Patientinnen eine Chemotherapie benötigen.

Die drei Biomarker könnten auch Ansatzpunkte für neue Medikamente bieten, die die Bildung von Metastasen verhindern. Für zwei der drei Marker gibt es bereits derartige Wirkstoffe: Gegen CD47 werden laut Prof. Trumpp therapeutische Antikörper entwickelt. Eine Substanz, die die Aktivität des MET-Rezeptors hemme, sei bereits zugelassen und zeige bei einer bestimmten Form von Lungenkrebs eine gute Wirkung. Ob sie allerdings auch beim Mammakarzinom wirksam sind, muss weiteren klinischen Studien vorbehalten bleiben. © rme/aerzteblatt.de

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