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Pankreaskarzinom: Radioaktive Bakterien greifen Metastasen an

Dienstag, 23. April 2013

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New York – Ausgerechnet mit einem Krankheitserreger und einem radioaktiven Isotop wollen zwei US-Forscherinnen eine der gefährlichsten Krebserkrankungen besiegen. In ersten tierexperimentellen Versuchen in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS 2013; doi: 10.1073/pnas.1211287110) konnten sie 90 Prozent aller Metastasen eines Pankreaskarzinoms beseitigen.

Listeria monocytogenes gehört zu den Bakterien, die immunkompetenten Menschen selten gefährlich werden. An einer Listeriose erkranken in der Regel nur abwehr­geschwächte Menschen. Ein funktionierendes Immunsystem ortet den Erreger nach kurzer Zeit und beseitigt ihn. Wissenschaftler untersuchen seit einiger Zeit die Mög­lichkeit, ob das intrazellulär lebende Bakterium, das bevorzugt Makrophagen befällt, als Träger für Impfstoffe infrage kommt.

Bei derartigen Experimenten entdeckte die Immunbiologin Claudia Gravekamp, damals noch am California Pacific Medical Center Research Institute in San Francisco, dass Listerien bevorzugt Tumorzellen infizieren. Sie erklärt dies mit der Eigenschaft von Krebszellen, sich durch die Freisetzung von immunsupprimierenden Zytokinen dem Angriff durch das Immunsystem zu entziehen. Diesen Schutz genießen dann auch die Listerien, wenn sie die Tumorzellen infiziert haben.

Die Listerien infizieren nur vereinzelte Tumorzellen. Ohne weitere Hilfe können sie den Krebs nicht besiegen. Um dies zu verändern, hat Ekaterina Dadachova vom Albert Einstein College of Medicine in New York, die Bakterien mit dem radioaktiven Isotop Rhenium 188 bewaffnet. Der Betastrahler hat eine geringe Eindringtiefe und wird aufgrund seiner kurzen Halbwertzeit von 17 Stunden schnell abgebaut. Er eignet sich deshalb zur punktuellen Zerstörung von Metastasen, was die beiden Forscherinnen jetzt an einem Mäusemodell des Pankreaskarzinoms (Panc-02) untersucht haben.

Nach zwei Behandlungszyklen über jeweils sieben Tage wurde die Zahl der Metastasen nach Aussage der Forscherinnen um 90 Prozent reduziert. In einem geringeren Maße kam es auch zu einem Rückgang des Primärtumors. Das gesunde Gewebe blieb von der Strahlung weitgehend verschont und die Tiere sollen die beiden Therapiezyklen unbeschadet überstanden haben. Von einer klinischen Anwendung dürfte die Therapie dennoch weit entfernt sein.

Als nächstes wollen die Forscherinnen untersuchen, ob die Therapie auch die Überlebenszeit der Mäuse verlängert, was angesichts der restlichen 10 Prozent der Metastasen nicht unbedingt zu erwarten ist. Die Forscherinnen scheinen insofern von den Erfolgsaussichten überzeugt, als sie Patentanträge für das neue Therapieverfahren eingereicht haben. © rme/aerzteblatt.de

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