Politik

Bundeskanzlerin Merkel plädiert für Entlastung der Familien

Donnerstag, 25. April 2013

Berlin – Weniger, älter, vielfältiger – auf diese kurze Formel bringt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den demografischen Wandel. Dieser vollzieht sich allerdings ihrer Ansicht in langen Zeiträumen. Das „wir in Deutschland immer weniger werden“, ließe sich allerdings zunächst nur für einige Regionen beispielsweise in den neuen Bundesländern festmachen, meinte die Kanzlerin gestern bei einer Veranstaltung des Deutschen Ethik­rates.

Außerdem steige die Lebenswerwartung kontinuierlich an, die Geburtenrate gehe zurück. Und nicht zuletzt werde die Gesellschaft eben immer vielfältiger, weil die Anzahl der Einwohner mit Migrationshintergrund stetig zunehme. Merkel fordert, die Familie als „kleinste Gemeinschaft in der Gesellschaft“ besonders zu schützen und zu stärken. In der Familie werde Verantwortung füreinander übernommen. Das sei für die Gesellschaft ein unersetzbarer Wert.

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Eltern müssten Verantwortung für ihre Kinder, Kinder müssten wiederum Verantwortung für die Eltern übernehmen. Und gleichzeitig sollte jeder die Möglichkeit haben, sein eigenes Lebensmodell zu leben. Eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei für Deutschland essenziell, um die demografiebedingten Probleme zu lösen, betonte die Kanzlerin.

Dem schloss sich die Berliner Geriaterin Elisabeth Steinhagen-Thiessen an. „Wir erleben pflegende Angehörige, aber wir erleben auch, wie sie zu zweiten Patienten werden“. Häufig würden Töchter oder Schwiegertöchter in Gesprächen zu ihr sagen: „Dann gebe ich meinen Beruf auf.“ Doch gerade das sei keine Lösung, meint Steinhagen-Thiessen.

Notwendig seien vielmehr Möglichkeiten der Tagespflege nach skandinavischem Vorbild. Auch Merkel rät dazu aufzupassen, „dass wir die Jüngeren, die Menschen im erwerbsfähigen Alter, nicht überfordern“. Gleichzeitig müsse eine bestimmte Sicherheit in der Renten- und Pflegeversicherung erhalten bleiben.

Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Christiane Woopen, plädierte außerdem für mehr Solidarität innerhalb der älteren Generation, und der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Wolfgang Huber, wies darauf hin, dass gerade auch die Kirchen zunehmend eine Verantwortung für die Gesellschaft im Ganzen und nicht nur für „ihre eigene Klientel“ übernähmen. © Kli/aerzteblatt.de

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