Medizin

Frühgeburten eine häufige Ursache für verminderte Intelligenz

Dienstag, 30. April 2013

Miami – Die Perinatalmedizin hat in den letzten Jahrzehnten die Überlebenschancen von Frühgeborenen deutlich verbessert, der Preis ist eine höhere Rate von Kindern mit geistigem Handicap. Eine Publikation in JAMA Pediatrics (2013; doi: 10.1001/jamapediatrics.2013.1379) schätzt, dass Frühgeburten in den USA heute für 10 bis 15 Prozent aller Fälle von intellektuellen Behinderungen verantwortlich sind.

Die Schätzung von Jeffrey Brosco von der Miller School of Medicine in Miami stützt sich zum einen auf die Prävalenz von Frühgeburten, die in den USA zuletzt bei 8,18 Prozent lag. Zum anderen hat der Pädiater und Medizinhistoriker eine Reihe von epidemio­logischen Studien der letzten Jahrzehnte recherchiert, die den Anteil der Kinder mit intellektuellem Handicap an allen Frühgeburten auf 2 bis 27 Prozent angegeben hatten.

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Als Frühgeburt wurden alle Kinder mit einem Geburtsgewicht unter 2.500 Gramm gewertet. Eine intellektuelle Behinderung („Intellectual Disability“, die frühere Bezeichnung „mental retardation“ wird heute vermieden) wurde definiert als ein IQ, der zwei Standardabweichungen unter dem Durchschnitt lag.

In einer Tabelle listet Brosco die häufigsten Ursachen für intellektuelle Behinderungen auf. Auf die Frühgeburten folgen an zweiter Stelle hypoxische oder ischämische Geburtskomplikationen mit 4,5 bis 5,2 Prozent vor einer Meningitis, die für 2,1 Prozent aller Fälle von intellektueller Behinderung verantwortlich sein könnte. Von untergeordneter Bedeutung sind heute Röteln, Rh-Inkompatibilitäten und Hyperbilirubinämie oder die fast in Vergessenheit geratene kongenitale Syphilis.

Diese Ursachen waren in der Nachkriegszeit noch für 16 Prozent aller intellektuellen Behinderungen verantwortlich, bis Antibiotika (Syphilis), Impfungen (Röteln) und prophylaktische Maßnahmen (Rh-Inkompatibilitäten) eingeführt wurden. Ähnliche Maßnahmen müssten heute gegen die hohe Rate von Frühgeburten gefunden und umgesetzt werden, fordert Brosco, wobei bei den bekannten Risikofaktoren für Frühgeburten angesetzt werden müsste. © rme/aerzteblatt.de

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